Geldanlage Experten knacken Warren Buffetts Erfolgsformel

Warren Buffett fahndet systematisch nach unterbewerteten Aktien und hat mit dieser Strategie Milliarden verdient. Doch jetzt zeigt eine US-Studie: Als zusätzlichen Renditeturbo setzt die Geldanlage-Legende auf eine riskante Methode, die Privatanleger besser nicht nachahmen sollten.

Von Mark Hulbert, Wall Street Journal Deutschland

Investor Buffett: Seit 50 Jahren unangefochtener Rendite-König an der Wall Street
AFP

Investor Buffett: Seit 50 Jahren unangefochtener Rendite-König an der Wall Street


Seit 50 Jahren sorgt die Investoren-Koryphäe Warren Buffett für legendäre Renditen. Genauso lange sind Investoren seiner Erfolgsformel auf der Spur. Nun scheint diese geknackt - behaupten zumindest die Autoren einer neuen Studie des US-amerikanischen National Bureau of Economic Research. Die Finanzexperten, die alle über fundiertes Fachwissen und einen exzellenten akademischen Hintergrund verfügen, arbeiten für AQR Capital Management, eine Finanzfirma, die mehr als 90 Milliarden Dollar verwaltet. Sie haben Buffetts Bilanz seit 1964 unter die Lupe genommen, als er Berkshire Hathaway übernahm. Ihre Formel besteht aus mehr als 12 Einzelkomponenten und lässt sich in zwei Teile unterteilen.

Erstens: "Fokus auf günstige, sichere, hochwertige Aktien". Also jene, deren Volatilität unter dem Durchschnitt liegt und die niedrige Kurs-/Buchwerte aufweisen - deren Bilanzwerte sich also in der Börsenbewertung nicht voll widerspiegeln. Darüber hinaus suchten die Analysten nach Aktien von Unternehmen, deren Gewinne mit überdurchschnittlicher Geschwindigkeit wachsen und die einen bedeutenden Teil ihres Gewinns als Dividende ausschütten.

Buffett setzt auf den Kredithebel

So weit, so gut. Der zweite Teil der Formel sorgt jedoch für Stirnrunzeln: Man solle in diese Aktien "on margin" investieren - sprich: mit geliehenem Geld so viel Aktien wie möglich kaufen. Um eine langfristige Rendite wie Warren Buffett zu erreichen, muss laut der Studie das Portfolio zu 60 Prozent fremdfinanziert sein. 160 Dollar an "billigen, sicheren, hochwertigen Aktien" stünden dann 100 Dollar Depotwert gegenüber.

Das Portfolio von Berkshire sei unter der Führung von Buffett im Durchschnitt ähnlich stark gehebelt worden, sagt Andrea Frazzini von AQR, einer der Autoren der Studie und Finanzprofessor an der New York University. Es sei einfach, das Ausmaß dessen zu übersehen, da sich Buffett Geld aus anderen Teilen seines Geschäfts leihe. Doch das bedeute eben nicht, dass das Unternehmen nicht gehebelt würde. Laut dem jüngsten Geschäftsbericht beläuft sich der Gesamtwert der Beteiligungen von Berkshire etwa auf das Doppelte des Nettowerts des Unternehmens. Dies lege nahe, dass der Hebel derzeit bei 2 zu 1 liege - etwas über dem langfristigen Durchschnitt.

Dieser Artikel ist im Wall Street Journal Deutschland erschienen.

Durch den Einsatz zusätzlicher Mittel können die Profite natürlich vergrößert werden. Aber es erhöht auch das Verlustrisiko, wenn mal etwas schief geht. Bei allem gilt zu berücksichtigen, dass die Formel überwiegend bei jenen Aktien auf Fremdkapital zurückgreift, die tendenziell weniger Risiko mit sich bringen als der Gesamtmarkt. Somit kann auch das Portfolio letztlich trotz Kredithebel weniger Risiko aufweisen. Trotz der extensiven Hebel-Nutzung betrug die schlechteste Rendite von Berkshire Hathaway in einem Kalenderjahr minus 9,6 Prozent. Der Buchwert des Unternehmens schwankte gleichzeitig weniger als der Börsenindex S&P 500.

Auffällig ist, dass in der Formel nichts vorkommt, was die beträchtlichen Investitionen von Buffett in nicht börsennotierte Unternehmen erklären würde. Doch das sei auch nicht notwendig, sagen die Analysten, da die börsennotierten Unternehmen, in die er investiert habe, besser abgeschnitten hätten als die außerbörslichen.

Dies überrascht, da Buffett sich häufig gerühmt hat, ein Gespür für die richtigen Unternehmensmanager zu haben. Dennoch kommt die Studie zu dem Schluss, dass "die Renditen mehr mit der Auswahl der Aktien als mit seinem Einfluss auf das Management zusammenhängen". Laut einer Sprecherin von Berkshire Hathaway wollte sich Buffett dazu nicht äußern.

Dennoch verdiene Buffett sehr viel Anerkennung, sagt Lasse Pedersen, Mitautor der Studie, Finanzprofessor an der New York University und Direktor bei AQR. Immerhin habe es Jahre gedauert bis die Forschung auf eine Formel gekommen sei, die den seit 50 Jahren währenden Erfolg von Buffett erklären kann. Zudem habe er die Disziplin gehabt, durch dick und dünn an seinem Ansatz festzuhalten.

Kein Kinderspiel

Leider ist die Investmentformel der Analysten für den einzelnen Anleger nicht leicht zu befolgen. Zum einen erfordert sie Investitionen in einen umfassenden und diversifizierten Wertpapierkorb. Zum anderen kann es eine Herausforderung sein, sich mit einem auf Kreditfinanzierung ausgerichteten Portfolio an die Formel zu halten.

Allerdings kann es möglich sein, dem Weg zumindest teilweise zu folgen, ohne auf Kredite zurückzugreifen. Wer etwa Bargeld in seinem Portfolio hat, kann dieses zu dem Anteil hinzurechnen, der zum Eigenkapital zählt - und so den gleichen Effekt erreichen, indem er sich selbst Geld "leiht". Das Gleiche macht Buffett, indem er sich Geld von anderen Geschäftsteilen leiht.

Selbst wenn man beschließt, die Investmentformel nicht genau zu befolgen, bietet die Studie doch wichtige Erkenntnisse. Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass der Rekord von Buffett "weder auf Glück noch Magie" beruht. Sie schließen daraus, dass die Performance von Berkshire Hathaway nicht unbedingt darunter leiden werde, wenn Buffett eines Tages abtritt. Vorausgesetzt, sein Nachfolger ist genauso gut im Auswählen von Aktien.

Das ist zwar ein ziemlich großes "Wenn". Aber die Ergebnisse der Analysten legen nahe, dass eine strikte Befolgung der Investmentformel im Laufe der Zeit zum gleichen Erfolg führen könnte, wie ihn Buffett über Jahrzehnte erreicht hat.

Und damit nicht genug: Die Studie eröffnet auch die verlockende Aussicht, dass ein Investor, der die Formel befolgt, sogar Berkshire schlagen könnte. Buffett hat selbst darauf hingewiesen, dass sein Portfolio so stark gewachsen sei, dass es schwierig werde, künftig genauso gut wie in der Vergangenheit zu sein. Demgegenüber kann ein kleineres Portfolio vom Kauf von Aktien profitieren, die zu klein sind, um einen wirklichen Effekt auf das Resultat von Berkshire zu haben.

Originalartikel auf "Wall Street Journal Deutschland"



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insgesamt 32 Beiträge
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Seite 1
blitzunddonner 23.12.2013
1. wäre doch gelacht, wenn man nicht auch das abzapfen ...
wäre doch gelacht, wenn man nicht auch das abzapfen und zu geld machen könnte. ist sogar edelwasser, weil lange nicht berührt.
zeitmax 23.12.2013
2. Mumpitz
Wie sollte man den Knaben übertreffen können, ohne diesen gewaltigen Kapitaleinsatz und die internen Kontakte zu vielen US-Aufsichtsräten? DAS ist sein Erfolgsgeheimnis - ein wesentlicher Teil jeden Fall.
hanfiey 23.12.2013
3. alter Fuchs
Sooo einfach ist das dann doch nicht. Ein wenig Glück und viel Wissen und recherchieren gehört zum Handwerk, aber der Teufel steckt im Detail.
tailspin 23.12.2013
4. Das Geschaeft geht auf wie Blumenkohl
Macht absolut Sinn. Das Risiko, Aktien auf Pump zu kaufen, um einen Hebel einzubauen, wird verkleinert, minimiert, wenn die Aktien unterbewertete Dividendenzahler sind. Wenn die Aktien irgendwann bezahlt sind, koennte man darueber hinaus covered calls verkaufen, und die Rendite noch mal 15 - 20 % pa. boosten, oder einen Hedge gegen fallende Preise aufzubauen. Oder weitere Kredite aufnehmen mit bezahlten Aktien als Besicherung, um weitere unterbewertete Dividendenzahler zu kaufen. Kein Wunder, dass Onkel Warren von der Niedrigzinspolitik der Fed begeistert ist. Sparer und Rentner haben natuerlich nichts davon. FU, Onkel Warren.
tuobob 23.12.2013
5. Warum FU?
Zitat von tailspinMacht absolut Sinn. Das Risiko, Aktien auf Pump zu kaufen, um einen Hebel einzubauen, wird verkleinert, minimiert, wenn die Aktien unterbewertete Dividendenzahler sind. Wenn die Aktien irgendwann bezahlt sind, koennte man darueber hinaus covered calls verkaufen, und die Rendite noch mal 15 - 20 % pa. boosten, oder einen Hedge gegen fallende Preise aufzubauen. Oder weitere Kredite aufnehmen mit bezahlten Aktien als Besicherung, um weitere unterbewertete Dividendenzahler zu kaufen. Kein Wunder, dass Onkel Warren von der Niedrigzinspolitik der Fed begeistert ist. Sparer und Rentner haben natuerlich nichts davon. FU, Onkel Warren.
Mal abgesehen davon, dass Onkel Warren so clever ist, keine covered calls auf seine Anteile zu schreiben, weil er diese ja behalten will und sie nicht kurzfristig und steuermehrend wieder mit Gewinn verscheuern will, was, ausser purem Neid, rechtfertigt das FU?
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