Finanzkrise AIG-Rettung verschafft Dax nur kurze Atempause

Die staatliche Rettungsaktion für den US-Versicherer kann den Dax nur kurzzeitig stabilisieren. Nach anfänglichen Gewinnen im frühen Handel bestimmen heftige Kursschwankungen das Geschäft. Grund sind Sorgen um die britische Bank HBOS.


Frankfurt am Main - Der Dax Chart zeigen hat am Mittwoch im frühen Geschäft seine anfänglichen Gewinne abgegeben. Später erholte sich der Leitindex wieder etwas. "Der Markt ist extrem nervös", sagte ein Börsianer.

Händler begründeten die starke Schwankung mit neuen Sorgen im Zuge der Finanzkrise. Im Fokus steht die britische Bank HBOS Chart zeigen. "Es gibt Spekulationen, dass HBOS die nächsten sind, die ins Straucheln geraten", sagte ein Händler. Die Gerüchte gingen sogar bis zu einem drohenden Aus der Großbank. Bei HBOS werden massiv Anlegergelder abgezogen, ergänzte ein anderer Börsianer.

Deutsche Börse in Frankfurt: Erleichterung nach der AIG-Rettung
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Deutsche Börse in Frankfurt: Erleichterung nach der AIG-Rettung

Zuvor hatte die Rettung des angeschlagenen Versicherers AIG Chart zeigen den Märkten eine kurze Atempause verschafft. Kapitalmarktexperte Robert Halver von der Baader Bank sagte: "Das ist eine Beruhigungspille für den Markt." AIG zeige, dass der US-Regierung die teure Rettung immer noch lieber sei als der Paukenschlag, den der Zusammenbruch des Versicherers bedeutet hätte. Auch wenn die Hilfe des Staates stabilitätspolitisch bedenklich sei, war sie doch notwendig.

Die drohende Pleite des zu den weltgrößten Versicherern zählenden AIG-Konzerns hätte die globalen Finanzmärkte in weitere schwere Turbulenzen gestürzt. AIG war wegen Milliardenverlusten im Zuge der Kreditkrise in akute Kapitalnot geraten. Die Aktie des Versicherers verlor seit Jahresbeginn mehr als 90 Prozent ihres Werts. US-Regierung und Notenbank hatten bis zuletzt staatliche Hilfen immer wieder ausgeschlossen. Eine konzertierte Rettungsaktion innerhalb der Branche durch andere Versicherer und Banken sei aber nicht zustande gekommen, berichtete etwa die "New York Times" unter Berufung auf mit den Verhandlungen vertraute Personen.

Für weiteren Optimismus sorgte die zweitgrößte US-Investmentbank Morgan Stanley Chart zeigen, die nach Börsenschluss vergleichsweise gute Zahlen vorlegte. Der Überschuss lag im Ende August abgeschlossenen dritten Geschäftsquartal bei 1,4 Milliarden Dollar und damit "nur" acht Prozent unter dem Vorjahr. Die Bekanntgabe der Zahlen war eigentlich erst für Mittwoch geplant. Angesichts der jüngsten Turbulenzen bei Wettbewerbern wie Lehman Brothers und Merrill Lynch hatte sich die Bank aber zur früheren Veröffentlichung entschlossen.

An der Wall Street waren die Kurse ins Plus gedreht, als sich eine Rettung des angeschlagenen Versicherers abzeichnete. Der Dow Jones Chart zeigen und der Nasdaq-Composite schlossen je 1,3 Prozent höher, nachdem sie zuvor noch etwa 0,8 Prozent im Minus notiert hatten. In Tokio stieg der Nikkei-Index um 1,2 Prozent. Zuvor hatte der Index in einer ersten Euphorie noch mehr als zwei Prozent zugelegt.

Hoffnungen der Händler auf eine Zinssenkung der US-Notenbank Fed wurden hingegen enttäuscht. Die Entscheidung der Fed, die Zinsen bei 2 Prozent zu belassen, wurde auf dem Parkett zwar mit Buh-Rufen quittiert, belastete die Wall Street allerdings nur kurzfristig. Eigentlich hatte der Handel auf eine Absenkung um 25 Basispunkte gehofft.

cvk/dpa-AFX/Reuters/ddp

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