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Finanzkrise: Analysten warnen vor neuen Milliardenabschreibungen

Ist die Finanzkrise überstanden? Knapp tausend Punkte hatte der Dax innerhalb von zwei Monaten gutgemacht - viele Börsenhändler atmen auf. Womöglich zu früh: Analysten gehen davon aus, dass Banken noch einmal zehn Milliarden Euro abschreiben müssen.

Frankfurt am Main - Mit Bangen warten die Analysten schon auf die nächsten Quartalsberichte der Banken. Denn einer Studie der Investmentbank JP Morgan zufolge kommen auf die europäischen Geldhäuser weitere Abschreibungen zu - die Experten schätzen die Höhe der zusätzlichen Wertberichtigungen in diesem Jahr auf 9,5 Milliarden Euro vor Steuern. Insgesamt lägen die Belastungen 2007 und 2008 dann bei 31 Milliarden Euro. Bisher war JP Morgan von 25 Milliarden Euro ausgegangen. Allein auf die Deutsche Bank Chart zeigenwürden weitere Wertkorrekturen von 3,6 Milliarden Euro zukommen, hieß es.

Parketthandel in Frankfurt am Main: Bankenkrise noch nicht ausgestanden
DDP

Parketthandel in Frankfurt am Main: Bankenkrise noch nicht ausgestanden

Bis zum Ende des ersten Quartals hatte die größte Bank Deutschlands bereits gut fünf Milliarden Euro abgeschrieben. Institutschef Josef Ackermann hatte unlängst gesagt, es seien keine größeren Wertverluste für sein Haus mehr zu erwarten. Voraussetzung sei allerdings, dass es nicht zu neuen Schocks an den Märkten komme.

Entsprechend waren es speziell die Bankaktien, die heute besonders unter Druck gerieten. Die Papiere der Deutschen Bank fielen in einem schwachen Gesamtmarkt um gut zwei Prozent, die der Commerzbank Chart zeigen verloren fast vier Prozent an Wert. Der Index aller großen europäischen Banken sackte über zwei Prozent ab. "Es scheint sich in den Köpfen wieder festzusetzen, dass die Finanzkrise noch nicht ausgestanden ist", sagte Marktstratege Christian Schmidt von der Helaba.

Auch führende deutsche Banker mahnen zur Vorsicht. "Es ist zu früh, jetzt schon Entwarnung zu geben, auch wenn es erste Signale gibt, dass sich die Märkte normalisieren", sagte Bankenpräsident Klaus-Peter Müller dem "Handelsblatt". Die Talfahrt an den amerikanischen Immobilienmärkten, der Keimzelle der Finanzkrise, sei noch nicht gestoppt.

Nach Einschätzung des Co-Investmentbanking-Chefs der Deutschen Bank, Anshu Jain, ist sogar mit einem weiteren Rückgang der Häuserpreise in den USA zu rechnen. Ein Risikofaktor sei das mit 50 Milliarden Euro noch vergleichsweise hohe Engagement von Investmentbanken in Hypothekenpapieren von Schuldnern mit mittlerer Bonität, sogenannten Alt-A-Papieren. Experten befürchten, dass nach den Ramschhypotheken (Subprime) auch diese Titel in den Sog der Finanzkrise geraten können.

Für zusätzliche Unruhe sorgten Informationen, wonach die US-Bank Lehman Brothers Chart zeigen frisches Kapital benötigt. Dem "Wall Street Journal" zufolge hat Lehman bereits in Südkorea mit mindestens einem möglichen Geldgeber Kontakt aufgenommen. Unter anderem seien die staatliche Korea Development Bank und Woori Financial potenzielle Investoren. Für die US-Banken Citigroup Chart zeigen und Merrill Lynch Chart zeigen könnte es womöglich bald eine neue Finanzspritze aus dem arabischen Raum geben. Der Staatsfonds Kuwait Investment Authority erwägt nach eigenen Angaben, seine Anteile an den beiden Häusern aufzustocken.

Patricia Nann und Philipp Halstrick, Reuters

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