Finanzkrise: Autobanken wollen Hilfe vom Staat beantragen

Gedacht war das Paket für sie nicht, doch nutzen wollen sie es trotzdem: Auch die Banken der großen deutschen Autohersteller beabsichtigen, die staatlichen Hilfen der Bundesregierung in Anspruch zu nehmen. Darauf haben sich nach SPIEGEL-Informationen BMW, Daimler und der Volkswagen-Konzern verständigt.

Hamburg - Eigenkapitalhilfe wollen sie nicht, dafür aber staatliche Garantien: BMW Chart zeigen, Daimler Chart zeigen und Volkswagen Chart zeigen haben sich nach Informationen des SPIEGEL darüber verständigt, dass die drei deutschen Hersteller staatliche Garantien für die Finanzierung in Höhe mehrerer Milliarden Euro beantragen wollen. Offen ist noch, ob auch die Institute von Ford und Opel unter den Staatsschirm flüchten.

BMW-Fahrzeuge warten in Bremerhaven auf ihre Verschiffung: Absatzeinbrüche bringen Finanzierung in Gefahr
DDP

BMW-Fahrzeuge warten in Bremerhaven auf ihre Verschiffung: Absatzeinbrüche bringen Finanzierung in Gefahr

Die Hersteller lassen seit Jahren einen immer größeren Teil ihres Absatzes durch die eigenen Banken über Kredite oder Leasingverträge finanzieren. Die Institute aber müssen ihren zum Teil erheblichen Finanzbedarf auch auf den internationalen Kapitalmärkten decken. Doch dies ist gegenwärtig nur zu sehr viel höheren Kosten möglich. Mit einer staatlichen Absicherung steigt die Bonität der Autobanken, die sich das Geld dann billiger besorgen können. Besonders betroffen ist die BMW-Bank: Der von Norbert Reithofer geführte Konzern finanziert fast die Hälfte aller neuen Fahrzeuge über das Institut.

VW sah derzeit zwar noch keinen akuten Bedarf. Doch die Wolfsburger fürchten, dass sie Nachteile auf den Kapitalmärkten haben, wenn ihre Konkurrenten mit staatlichen Kreditgarantien arbeiten können, und sind deshalb ebenfalls an der Staatshilfe interessiert.

Absätze mit günstigen Angeboten in die Höhe getrieben

Quasi alle Autohersteller haben in den vergangenen Jahren über günstige Angebote für die Finanzierung oder Leasing ihrer Fahrzeuge ihre Absätze in die Höhe getrieben. Was bisher ein gutes Nebengeschäft der Autoindustrie war, droht jetzt allerdings zu Verlusten zu führen. Das liegt auch daran, dass etwa die Leasing-Wagen zu relativ hohen Preisen weiterverkauft wurden - inzwischen aber ist der Markt für Gebrauchtwagen vor allem in den USA dramatisch eingestürzt. Da etwa BMW fast jedes vierte Fahrzeug dort verkauft, ist der Konzern besonders unter Druck.

Die Finanzkrise trifft die Autobranche damit mit voller Wucht: Denn die Käufer scheuen entweder die hohe Investition oder sie bekommen schlicht keine Kredite mehr für einen Neuwagen. So meldete der angeschlagene US-Konzern Ford Chart zeigen am Freitag ein Milliardenminus, auch General Motors Chart zeigen rutschte tief in die roten Zahlen. Das Unternehmen meldete ein Minus von insgesamt 2,5 Milliarden Dollar für das dritte Quartal.

Aber auch die deutschen Hersteller leiden: Die von Finanzkrise und Wirtschaftsflaute verunsicherten Autokäufer machen weiter einen großen Bogen um die hochpreisigen Modelle von Daimler und BMW. Daimler verkaufte im Oktober weltweit 18 Prozent weniger Autos als vor einem Jahr, wie der Konzern am Freitag mitteilte. BMW kam etwas glimpflicher davon: Die Verkaufszahlen schrumpften um acht Prozent. Nach zehn Monaten liegt der Pkw-Absatz von Daimler mit gut einer Million nur noch marginale 1,6 Prozent über dem Wert vor Jahresfrist. Dafür sorgt vor allem der spritsparende Kleinwagen Smart, der aber nur wenig Gewinn abwirft.

Bänder stehen still

Wegen der seit dem Sommer herrschenden Absatzflaute bei Mercedes-Benz haben sich die Stuttgarter von ihrem Ziel verabschiedet, den Absatzrekord des Vorjahres von 1,29 Millionen Pkw 2008 zu überbieten. Seit Wochen stehen die Bänder in den Werken tageweise still, die üblicherweise zwei Wochen dauernde Betriebsruhe über den Jahreswechsel wird verdoppelt. Noch zu Jahresbeginn hatte Daimler-Chef Dieter Zetsche keinen Zweifel daran gelassen, dass 2008 ein gutes Jahr werde. Premiummodelle blieben auch im Abschwung gefragt, hatte er prophezeit. Mittlerweile drückt der flaue Absatz massiv auf das Mercedes-Ergebnis. Die einstige Ertragsperle wird im laufenden vierten Quartal nahezu keinen Gewinn abwerfen.

Den Münchner Rivalen BMW erwischte es im Oktober etwas weniger hart als Daimler, hohe Einbußen gab es aber in Westeuropa, Japan und den USA. Wie bei Daimler glich die steigende Nachfrage nach deutschen Luxusautos in Schwellenländern wie China oder Russland die schwache Nachfrage in den etablierten Märkten nicht aus. Zu Ende Oktober lag der Absatz der drei Pkw-Marken BMW, Mini und Rolls-Royce mit 1,2 Millionen Fahrzeugen gerade noch 0,7 Prozent über dem des Vorjahrs. BMW verabschiedete sich vor wenigen Tagen nach einem überraschend schwachen dritten Quartal von seiner Absatzprognose ebenso wie von seinem Gewinnziel. Die Pkw-Produktion kürzt BMW um mindestens 65.000 Einheiten.

sam

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
Twitter | RSS
alles zum Thema Finanzkrise ab 2007
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Zur Startseite