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Finanzkrise: Banken knausern weiter mit Krediten untereinander

Kaum Entspannung an den Finanzmärkten: Trotz staatlicher Garantien und diverser Rettungspakete halten sich die Banken mit Krediten untereinander zurück. Die EZB lockert jetzt die Regeln, um die Blockade zu lösen.

Frankfurt am Main - Die Meldungen aus der Europäischen Zentralbank (EZB) geben wenig Anlass zur Hoffnung: Die bei der EZB gehaltenen Einlagen der Geldhäuser sind auf eine Rekordsumme gestiegen. Am Mittwoch seien rund 211 Milliarden Euro bei der Zentralbank angelegt worden, hieß es am Donnerstag. Am Tag zuvor lag der Wert noch bei rund 196 Milliarden Euro.

EZB in Frankfurt: "Das Misstrauen ist weiterhin groß"
DPA

EZB in Frankfurt: "Das Misstrauen ist weiterhin groß"

Der Umfang der Einlagen verdeutlicht die weiter bestehenden Spannungen an den Geldmärkten. Eigentlich meiden die Banken die Möglichkeit, direkt bei der EZB über Nacht Einlagen zu tätigen, da die Zinssätze für diese Geschäfte in der Regel ungünstig sind. Tatsächlich aber sind die Geldmärkte von einer Normalisierung noch weit entfernt. Die Kreditvergabe der Institute untereinander stockt weiter.

"Ich weiß gar nicht mehr, wohin mit der überschüssigen Liquidität", klagte ein Geldmarkthändler. "Ich habe heute alle Banken, an die ich noch Kredite vergeben darf, angerufen - und alle haben abgewunken." Ein anderer Disponent äußerte sich ähnlich: "Diejenigen, die gut dastehen, brauchen keine zusätzliche Liquidität. Diejenigen, die nicht gut dastehen, bekommen nur noch bei der EZB Geld." Das Misstrauen sei weiterhin groß und es wird auch nicht von heute auf morgen verschwinden, sagte ein dritter Geldmarkthändler.

Immerhin: Bei den Zinsen für Interbankenkredite gab es eine Entspannung. Sie fielen den fünften Tag in Folge. Der wichtige Drei-Monats-Euribor, an dem sich beispielsweise auch die Verzinsung vieler Tagesgeldkonten richtet, ging auf 5,090 von 5,168 Prozent am Vortag zurück.

Im Kampf gegen die anhaltend schwierige Lage auf den Geldmärkten hat die EZB bereits am Mittwoch die Regeln gelockert. Bei einer außerordentlichen Telefonkonferenz des Notenbankrates entschieden die Verantwortlichen, auch weniger stabile Wertpapiere als Sicherheit für die Ausgabe von frischem Zentralbankgeld anzunehmen. Ähnliche Entscheidungen hatte bereits vor Wochen die US-Zentralbank Federal Reserve getroffen.

Geschäftsbanken können bei den Zentralbanken frische Mittel erhalten, wenn sie im Interbankenhandel nicht günstiger an Geld kommen. Dafür müssen sie Wertpapiere wie etwa Staatsanleihen als Sicherheit hinterlegen und Zinsen zahlen.

Künftig will die EZB auch Anleihen mit einem Rating von BBB- statt bisher mindestens A- annehmen. Auch würden Papiere in anderen Währungen als Euro, Dollar, Yen oder britisches Pfund akzeptiert, sofern sie in der Eurozone herausgegeben wurden. Selbst nachrangige Anleihen können die Banken hinterlegen, sofern dafür weitere Sicherheiten gestellt werden.

suc/dpa-AFX/Reuters

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