Finanzkrise Barclays' Milliardengewinn stützt Europas Börsen

Sattes Plus trotz Krise: Die britische Barclays-Bank hat inmitten der Finanzkrise einen Jahresgewinn von umgerechnet gut fünf Milliarden Euro erzielt. Aktien von Geldhäusern profitieren europaweit - mit teils zweistelligen Zuwächsen.


London - Während weltweit Banken Milliardenverluste bekanntgeben, meldet Barclays ein sattes Plus: Umgerechnet gut fünf Milliarden Euro Gewinn hat das Institut im vergangenen Jahr erzielt.

Barclays-Filiale in London: Fünf Milliarden Euro Gewinn
DPA

Barclays-Filiale in London: Fünf Milliarden Euro Gewinn

Das Ergebnis liegt nur ein Prozent unter dem des Vorjahres. Zwar brach der Vorsteuergewinn im Vergleich zum Vorjahr um 14 Prozent auf umgerechnet knapp sieben Milliarden Euro ein, Analysten waren aber von einem niedrigeren Ergebnis ausgegangen.

Der Markt reagierte positiv auf die Zahlen. Zuletzt lag die Aktie in einem schwachen Londoner Gesamtmarkt acht Prozent im Plus. Europaweit profitierten Finanzwerte wie Deutsche Bank Chart zeigen, Commerzbank Chart zeigen oder BNP Paribas Chart zeigen von Barclays Chart zeigen. Die Papiere mancher Geldhäuser gewannen zeitweilig zweistellig. Insgesamt lag der Dax Chart zeigen allerdings am frühen Nachmittag leicht im Minus.

Börsianer werteten die Bilanz der Briten als positives Signal: Im Gegensatz zu Barclays schrieb etwa die Deutsche Bank 2008 einen Vorsteuerverlust von 5,7 Milliarden Euro. Auch bei der Commerzbank erwarten Experten tiefrote Zahlen.

Dabei profitierten die Briten von Sondereffekten: So war etwa die Übernahme von Teilen der US-Investmentbank Lehman Brothers zu einem Schnäppchenpreis ein Ergebnistreiber. Zugleich senkte das Geldhaus Personalausgaben und halbierte die Boni für die Banker.

Für das laufende Jahr erwartet Barclays wegen der Finanzkrise allerdings weitere Abschreibungen. Bereits im vergangenen Jahr mussten 8,1 Milliarden Pfund abgeschrieben werden. Vorstandschef John Varley gab sich zurückhaltend: "2009 wird ein weiteres hartes Jahr", sagte er. Nach den Abschreibungen auf Wertpapiere folgten nun in der Rezession erhöhte Kreditausfälle.

Auf Staatshilfe will Barclays dennoch weiter verzichten. Insgesamt sei das Unternehmen "gut finanziert und profitabel", sagte Varley. Barclays habe Kapitalreserven von 36 Milliarden Pfund. Barclays hat bislang anders als heimische Konkurrenten wie die Royal Bank of Scotland keine Finanzspritze der Regierung in Anspruch genommen. Das Institut sammelte aber zur Stärkung der Kapitaldecke Milliarden bei Investoren aus Katar, Abu Dhabi, Singapur, China und Japan ein.

Laut Varley will Barclays aber die im zweiten Rettungspaket der britischen Regierung angebotene Absicherung gegen den Zahlungsausfall bei faulen Krediten in Anspruch nehmen und damit die eigene Kapitalbasis stärken.

ssu/AP/dpa



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