Finanzkrise BayernLB macht Verlust in Milliardenhöhe

Die angeschlagene BayernLB ist in den ersten neun Monaten dieses Jahres tief in die roten Zahlen gerutscht. Die zweitgrößte deutsche Landesbank hat einen Verlust von rund 1,67 Milliarden Euro gemacht - allein eine Milliarde Euro im dritten Quartal


München - Das Minus übersteigt alle Vorstellungen: Allein im dritten Quartal hat die BayernLB wegen der Turbulenzen auf den Finanzmärkten einen Verlust von einer Milliarde Euro eingefahren. Eine Prognose für das Gesamtjahr sei wegen der dramatischen Marktentwicklung im laufenden vierten Quartal nicht möglich, teilte die BayernLB am Mittwoch in München mit.

Das Logo der Bayerischen Landesbank: Eine Milliarde Verlust allein im dritten Quartal
DDP

Das Logo der Bayerischen Landesbank: Eine Milliarde Verlust allein im dritten Quartal

Die Bank hatte sich zunächst auf einen Verlust von drei Milliarden Euro in diesem Jahr eingestellt, diesen Ausblick aber bereits aufgehoben. Eine zufriedenstellende Entwicklung im operativen Kundengeschäft werde durch die Verwerfungen auf den Finanzmärkten überdeckt, hieß es.

Erst am Montag hatte Landesbank-Vorstandschef Michael Kemmer mitgeteilt, dass von den weltweit rund 19.200 Stellen bei der BayernLB 5600 bis zum Jahr 2013 gestrichen werden. Bereits bekannt ist auch, dass der Freistaat die Landesbank mit einem milliardenschweren Hilfspaket vor dem finanziellen Kollaps retten muss. Das Institut benötigt insgesamt rund 31 Milliarden Euro an Garantien und Geldmitteln. Kern des Pakets ist eine Finanzspritze Bayerns von zehn Milliarden Euro. Außerdem schirmt der Freistaat faule US-Immobilienpapiere mit knapp fünf Milliarden Euro ab. Der Bund stellt Garantien von 15 Milliarden Euro für den Handel zwischen den Banken bereit.

Angesichts der Schwierigkeiten der BayernLB hat der baden-württembergische Ministerpräsident Günther Oettinger erneut für einen Zusammenschluss der Landesbanken LBBW und der BayernLB geworben. Der CDU-Politiker sagte im Stuttgarter Landtag, man sei zu Fusionsgesprächen mit anderen Landesbanken bereit, "zuallererst mit den Freunden in Bayern". Sieben öffentlich-rechtliche Institute in Deutschland seien zu viel. Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) hatte dem Werben der Stuttgarter Landesregierung in den vergangenen Tagen allerdings eine klare Absage erteilt.

Oettinger sagte, bei einer möglichen Fusion müssten "die alten Lasten bei den alten Trägern" bleiben. Der CDU-Politiker bekräftigte, dass die in tiefrote Zahlen gerutschte Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) von ihren Anteilseignern eine Kapitalspritze von fünf Milliarden Euro erhalten solle. Ziel sei es, die auf sechs Prozent abgesunkene Kernkapitalquote auf neun Prozent Anfang kommenden Jahres zu erhöhen. Hilfe vom Bund wolle man bei der geplanten Kapitalerhöhung nicht annehmen. Man wolle Herr im Hause und in den Gremien bleiben.

Doch will die größte deutsche Landesbank die Inanspruchnahme von Garantien der Eigentümer oder des Rettungsfonds der Bundesregierung von 15 bis 20 Milliarden Euro prüfen. Oettinger sagte, es sei geplant, durch Wirtschaftsprüfer eine externe Risikobewertung bei der LBBW zu veranlassen, "damit man nicht das vergleichbare Szenario wie Düsseldorf und München erleiden muss". Der geplanten Kapitalerhöhung müssen noch der baden-württembergische Landtag, die Verbandsversammlung der beiden Sparkassenverbände von Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg sowie der Stuttgarter Gemeinderat zustimmen.

Am Mittwochmittag will Seehofer (CSU) eine Regierungserklärung zur aktuellen Entwicklung der Landesbank abgeben. Anschließend will der Landtag über die Kapitalspritze des Freistaats für die Bank beraten.

sam/ddp/dpa/AP



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