Finanzkrise Börsen in Asien und Australien stürzen auf neue Tiefstände

Die Angst hält an: Der japanische Nikkei verliert mehr als acht Prozent, der Leitindex in Australien bricht ein. Die Börse in Indonesien verliert dramatisch, der Handel wurde ausgesetzt. US-Präsident Bush ist bemüht, eine internationale Allianz zur Lösung der Finanzkrise zu schmieden.


Washington/London/Tokio/Jakarta - Die extrem negativen Vorgaben des US-Leitindexes Dow Jones Chart zeigen haben die Börsen in Asien und Australien stark unter Druck gesetzt. Der 225 Werte umfassende Nikkei Chart zeigen fiel in Tokio bis 8.15 Uhr MESZ um 874 Punkte oder 8,6 Prozent auf 9281 Punkte. Der australische Index ASX 200 gab in der erste Handelsstunde deutlich um fast 4,5 Prozent nach. Der südkoreanische Kospi-Index verlor in den ersten 15 Handelsminuten 2,99 Prozent. Der Hang Seng Chart zeigen in Hongkong ging nach einem Feiertag in den ersten Handelsminuten um 933 Punkte oder 5,6 Prozent auf 15.871 Punkte nach unten. Das war der tiefste Stand seit mehr als zwei Jahren.

Nikkei in Tokio: Einbruch um neun Prozent
AP

Nikkei in Tokio: Einbruch um neun Prozent

Die US-Börsen hatten am Dienstag trotz massiver Unterstützung durch die Notenbank den fünften Tag in Folge schwere Verluste erlitten. Der Dow-Jones-Index verlor mehr als 500 Punkte und endete 5,11 Prozent tiefer bei 9447,11 Zählern. Der S&P-500-Index brach um 5,74 Prozent auf 996,23 Punkte ein. Der Nasdaq Chart zeigen-Index stürzte um 5,80 Prozent auf 1754,88 Punkte.

Die Federal Reserve (US-Notenbank) stellte im Kampf gegen die immer bedrohlichere Kreditklemme eine Zinssenkung in Aussicht. Sie will zudem erstmals Unternehmen aller Branchen Darlehen gewähren und so ein weiteres Übergreifen der Krise auf die Gesamtwirtschaft eindämmen. Nach Berechnungen des Internationalen Währungsfonds IWF kostet die US-Immobilienkrise die Finanzbranche weltweit 1,4 Billionen Dollar - weit mehr als bisher geschätzt. Nach den Bankenpleiten in Europa und den USA steht mit Island erstmals ein Staat vor dem Ruin. Vor allem Bankaktien verloren an den Weltbörsen am Dienstag weiter dramatisch an Wert.

US-Haushaltsdefizit 2008 noch größer als erwartet

Nach Angaben des Weißen Hauses hat George W. Bush am Dienstag mit dem britischen Premier Gordon Brown, dem französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy sowie Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi gesprochen. Dabei ging es darum, mit welchen Maßnahmen die Märkte stabilisiert und wie die Zusammenarbeit der Staaten intensiviert werden könnte.

"Wir leben in einer globalisierten Welt, wir müssen sicher stellen, dass das, was wir tun, auch eine Wirkung zeigt", sagte Bush in Chantilly (US-Bundesstaat Virginia). Er machte den Amerikanern Mut, dass die USA die gegenwärtige Krise überwinden werden.

Dabei ist das US-Budgetdefizit im Haushaltsjahr 2008 auf 438 Milliarden Dollar (322 Milliarden Euro) gestiegen. Dies entspricht 3,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP), wie aus einer am Dienstag veröffentlichten Schätzung des Haushaltsbüros des US-Kongresses hervorgeht.

Das Haushaltsloch ist damit 31 Milliarden Dollar größer als bei der vorherigen Schätzung im Sommer erwartet. Gründe dafür sind laut Haushaltsbüro die wegen der Immobilienkrise gesunkenen Steuereinnahmen sowie höhere Staatsausgaben vor allem im Verteidigungsbereich. Im vergangenen Jahr lag das Budgetdefizit noch bei 162 Milliarden Dollar (1,2 Prozent des BIP). Das Haushaltsjahr 2008 ging mit dem Monat September zu Ende.

London kündigt Rettungspaket für Banken an

Der britische Finanzminister Alistair Darling kündigte ein Rettungspaket für die Banken des Landes an. Er werde vor Börseneröffnung in London am Mittwochmorgen Einzelheiten mitteilen, sagte Darling gestern Abend nach einem Krisentreffen in der Downing Street mit Premierminister Brown, dem Notenbankchef Mervyn King und dem Vorsitzenden der Finanzaufsichtsbehörde, Adair Turner. Es gehe darum, "das Bankensystem langfristig auf eine gesunde Grundlage zu stellen", sagte Darling der britischen BBC.

Nach BBC-Informationen soll zunächst eine sofortige Finanzspritze in Höhe von etwa 50 Milliarden Pfund (64,2 Milliarden Euro) zur Stabilisierung des Bankensystems beitragen. Außerdem sollen die größten Banken des Landes Zugriff auf einen Beistandsfonds haben, um den normalen Ablauf ihrer Tagesgeschäfte zu sichern.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte ein "neues System" des Zusammenwirkens aller Beteiligten im Finanzsektor gefordert. "Die Lage ist ernst", sagte sie in einer Regierungserklärung am Dienstag vor dem Bundestag.

Die kaum abschätzbare Krise hatte 2007 in den USA ihren Anfang genommen. Banken hatten sich mit Ramsch-Hypotheken verzockt. Die US-Institute hatten die Risiken in Anleihen und anderen Wertpapieren versteckt und so die Risiken auch nach Europa weiterverkauft. In Deutschland brachen beispielsweise die Mittelstandsbank IKB und die Sachsen LB unter den Lasten zusammen.

Nachdem mehrere große Banken in Europa nur durch milliardenschwere Staatshilfen vor der Pleite gerettet werden konnten, gab die Europäische Union den Branchenriesen in den 27 Mitgliedstaaten eine Überlebensgarantie. Die EU-Finanzminister beschlossen zudem in Luxemburg, die Mindestsätze der gesetzlichen Einlagensicherung von bisher 20.000 Euro auf 50.000 Euro zu erhöhen.

Mitgliedstaaten können bis zu 100 000 Euro gehen. "Wir wollen den Schutz für die Bürger überall in der Union sichern", sagte die Vorsitzende der Runde, Frankreichs Ministerin Christine Lagarde. In Deutschland bürgt seit Sonntag der Staat für alle Spareinlagen unbegrenzt.

asc/dpa/AFP



Forum - Das US-Rettungspaket ist beschlossen - bringt es die Erlösung?
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Seite 1
elwu, 03.10.2008
1.
Zitat von sysopIm zweiten Anlauf haben die US-Parlamentarier ein milliardenschweres Rettungspaket auf den Weg gebracht. Ist das die Lösung für die weltweite Finanzkrise?
Ist das eine Scherzfrage?
systemfeind 03.10.2008
2. ja doch
Zitat von sysopIm zweiten Anlauf haben die US-Parlamentarier ein milliardenschweres Rettungspaket auf den Weg gebracht. Ist das die Lösung für die weltweite Finanzkrise?
http://www.finanzen.net/aktien/Hypo_Real_Estate-Aktie 7,62 ... (€) na jedenfalls löst es meine Finanzkrise, mein Depot dreht ins +
Danol 03.10.2008
3.
Das ist keine Lösung sondern nur ein weiterer Aufschub der Beschäftigung mit grundsätzlichen Fehlern in der Architektur des Finanzsystems selber. Aber Symptomdokterei gehört in der Politik ja zum guten Ton, Suche nach und beseitigung von Ursachen nicht.
fsiggi2 03.10.2008
4. Dow im Sturzflug
Direkt nach der Abstimmung crasht der Dow 200 Punkte. Sagt alles. Auch die Amerikaner sind laut CNN extrem sauer. Werden interessante Wahlen.
ender, 03.10.2008
5.
Zitat von sysopIm zweiten Anlauf haben die US-Parlamentarier ein milliardenschweres Rettungspaket auf den Weg gebracht. Ist das die Lösung für die weltweite Finanzkrise?
Ja, ich denke, jetzt ist es endlich geschafft. Ab morgen werden sich die ganzen Banker, die Manager, die Politiker, die Richter in Prozessen zu Wirtschaftsdelikten und die Wirtschaftsjournalisten gaaaanz, gaaaanz anders verhalten. So haben Sie sich das ja wohl vorgestellt, oder? Nunja. Ich habe mich bisher immer für einen recht vantasiephollen Menschen gehalten. Aber offenbar, gibt es Leute, die wesentlich mehr davon haben. Die können sich sogar einen vorstellen, dass die Fnanzkrise sich durch lautes Gebell (Bell-laut) vertreiben lässt! ender
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