Finanzkrise Citigroup stößt Wertpapiergeschäft ab

Das globale Bankenbeben zwingt die Finanzindustrie zu weiteren drastischen Maßnahmen: Citigroup und Morgan Stanley verschmelzen nun ihre Handelssparten zum weltweit größten Wertpapierbroker. Vor allem die Citigroup kann die Erlöse aus dem Deal gut gebrauchen.


New York - Der ehemals größte Geldkonzern Citigroup Chart zeigen steht vor weiteren Einschnitten. Die von der Finanzkrise hart getroffene US-Bank legt ihr Handelsgeschäft mit der Investmentbank Morgan Stanley Chart zeigen zum größten Broker-Unternehmen der Welt zusammen. Die kombinierten Sparten werden nach Angabe beider Institute Kundengelder von 1,7 Billionen Dollar verwalten. Das Gemeinschaftsunternehmen beschäftige mehr als 20.000 Händler und Finanzberater.

Citigroup in New York: Abschied vom Allfinanzkonzern
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Citigroup in New York: Abschied vom Allfinanzkonzern

Die neue Broker-Sparte soll unter der Führung von Morgan Stanley stehen. Die Bank hält 51 Prozent, die Citigroup vorerst den Rest. Die Citigroup bringt dabei ihr bisher unter dem Namen Smith Barney laufendes Handelsgeschäft ein und bekommt dafür 2,7 Milliarden Dollar in bar.

Die Citigroup ist auf frisches Kapital dringend angewiesen. Nachdem die Finanzkrise Mitte September weltweit eskalierte, rutschte der Geldkonzern tief in die Verlustzone. Auch für das Schlussquartal 2008 wird ein Milliardenminus erwartet. Im Gesamtjahr könnten sich die Verluste damit auf mehr als 20 Milliarden Dollar belaufen. Der Konzern will die Zahlen am Donnerstag nächster Woche vorlegen.

Entsprechend steht der Citigroup eine tiefgreifende Restrukturierung bevor. Die Bank agierte bislang als Allfinanzkonzern. Vom Kleinanleger bis zum Industrieunternehmen sollten Kunden alle Dienstleistungen aus einer Hand bekommen. Der seit gut einem Jahr amtierende Vorstandschef Vikram Pandit gibt mit dem jüngsten Schritt die von seinen Vorgängern verfolgte Strategie auf. Künftig soll es laut Presseberichten nur noch zwei Säulen geben: Bankgeschäfte für Firmen und für Privatkunden.

Insgesamt wolle Pandit nun rund ein Drittel des Konzerns abstoßen und damit weit mehr als bisher geplant, berichtete das "Wall Street Journal" unter Berufung auf Insider. Er hatte zudem den Abbau von 75.000 Jobs auf dann noch rund 300.000 Mitarbeiter angekündigt. Erst im vergangenen Jahr verkaufte die Citigroup ihr deutsches Privatkundengeschäft für 5,2 Milliarden Euro an die französische Crédit Mutuel. Die Bank will sich in Deutschland auf ihre Geschäftskunden- und Investmentbankaktivitäten konzentrieren.

Die Citigroup war in der Vergangenheit gerade in der Finanzkrise weniger erfolgreich als ihre Konkurrenten. Der US-Staat lieh dem Bankhaus bislang 45 Milliarden Dollar und damit mehr als jedem anderen Institut. Nach Ansicht einiger Investoren steht eine Zerschlagung der Citigroup bevor.

suc/dpa-AFX/AP



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