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Finanzkrise: Commerzbank nimmt Rettungspaket in Anspruch

Der überraschende Verlust im dritten Quartal gab den Ausschlag: Die Commerzbank nimmt Kapitalhilfe der Bundesregierung in Milliardenhöhe in Anspruch. Damit wird der Staat quasi Großaktionär der Bank. Im Gegenzug werden Vorstandgehälter gekappt und Dividenden gestrichen.

Frankfurt am Main - Der Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung werde dem Institut eine stille Einlage in Höhe von 8,2 Milliarden Euro zur Verfügung stellen, teilte die Bank mit. Die Einlage werde komplett auf das Kernkapital angerechnet, heißt es in der Mitteilung des Kreditinstituts. Ferner räume der Fonds der Bank als Option eine Garantie für Schuldverschreibungen über 15 Milliarden Euro ein.

Commerzbank-Zentrale: Aktionäre müssen auf Dividende verzichten
DPA

Commerzbank-Zentrale: Aktionäre müssen auf Dividende verzichten

"Wir haben das Maßnahmenpaket der Bundesregierung von Anfang an begrüßt", erklärte Vorstandssprecher Martin Blessing. "Wir machen von den Instrumenten des Pakets Gebrauch, weil dies gut für die Bank, ihre Mitarbeiter und Kunden ist." Damit sichere die Commerzbank ihre Wettbewerbsfähigkeit zusätzlich ab. Die Kapitalzufuhr in Form stiller Einlagen trage auch den Interessen der Aktionäre Rechnung.

"Die von dem SoFFin garantierten Verbindlichkeiten dürfen eine Laufzeit von maximal 36 Monaten haben", teilt die Bank weiter mit. Die Garantien laufen längstens bis Ende 2012. Die Commerzbank Chart zeigen zahlt den Angaben zufolge für die Garantieübernahme einen marktüblichen Preis.

Im Gegenzug unterwirft sich die Bank den an das Rettungspaket geknüpften Regeln: "Die Vereinbarung mit dem SoFFin sieht außerdem vor, dass die Commerzbank in den Jahren 2009 und 2010 keine Dividende ausschüttet. Die jährlichen Festbezüge der Vorstandsmitglieder liegen derzeit bei 480.000 Euro und damit unter der von der SoFFin gesetzten Obergrenze in Höhe von 500.000 Euro." Die Gesamtbezüge des Vorstandssprechers werden den Angaben zufolge auf 500.000 Euro begrenzt. Zudem werden werden für 2008 und 2009 keine Bonifikationen gewährt.

Verluste im dritten Quartal

Den Anlass für die Inanspruchnahme der Staatshilfen lieferten die schlechten Geschäfte im dritten Quartal: in diesem Abrechnungszeitraum war die Commerzbank mit 285 Millionen Euro ins Minus gerutscht. Im Vorjahr waren noch 339 Millionen Gewinn nach Steuern angefallen.

Aussicht auf eine baldige Besserung der Situation scheint nicht in Sicht. Finanzchef Eric Strutz jedenfalls wollte angesichts der Zuspitzung der Finanzkrise keine Prognose für das Gesamtjahr formulieren: "Wir haben immer gesagt, dass es sehr schwer werden dürfte, im Gesamtjahr das gute Ergebnis aus 2007 zu erreichen", sagte Strutz. Die dramatischen Verwerfungen der vergangenen Wochen hätten erneut gezeigt, dass verlässliche Prognosen für das Gesamtjahr 2008 im derzeitigen Umfeld nicht möglich sind. "Auch 2009 wird uns vor Herausforderungen stellen", betonte Strutz.

Vorstandschef Martin Blessing betonte, das nächste Jahr werde von der Übernahme der Dresdner Bank gekennzeichnet sein. "Wir stärken unsere Marktposition und heben Kostensynergien. Durch die Übernahme sind wir für die Zeit nach der Krise mit unserer gestärkten Kapitalbasis bestens gewappnet."

Mit der stillen Einlage des Bundes in Höhe von 8,2 Milliarden Euro steige die Kernkapitalquote auf 11,2 Prozent. Der neue mittelfristige Zielkorridor für diese Kenngröße liege bei sieben bis neun statt zuvor sieben bis acht Prozent.

Einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" zufolge wird auch die HSH Nordbank den Rettungsfonds nutzen. In welchem Umfang die Landesbank für Hamburg und Schleswig-Holstein den staatlichen Schirm in Anspruch nehme, darüber wolle der Aufsichtsrat am Montag in Kiel beraten. Dem Vernehmen nach wolle die Bank Garantien des Bundes in Anspruch nehmen, um wieder Liquidität in den Interbankenhandel zu bekommen.

Kapitalquote auf akzeptablen Niveau

Es werde allerdings nicht zu einem Beschluss kommen, der auf eine Erhöhung des Eigenkapitals hinausläuft, schreibt die Zeitung. Die Eigentümer - die Länder Hamburg und Schleswig-Holstein, die schleswig-holsteinischen Sparkassen und ein privates Investorenkonsortium um den Investmentbanker Christopher Flowers - hatten der HSH erst im Sommer rund zwei Milliarden Euro frische Eigenmittel zur Verfügung gestellt.

Ein Bankensprecher betonte, dass die Kernkapitalquote von 8,2 Prozent im nationalen Vergleich auf einem "akzeptablen Niveau" liege, international betrachtet sei sie unterdurchschnittlich.

Länder wie Amerika, Großbritannien und Schweden schreiben inzwischen höhere Mindestkapitalquoten vor als Deutschland. Wenn die Bundesregierung diesem Vorbild folgt, wäre auch die HSH Nordbank zu einer Kapitalerhöhung gezwungen.

In welchem Umfang eine solche am Ende erforderlich werden könnte, hängt zudem vom Ergebnis im laufenden Jahr ab. Es gilt als sicher, dass die Bank in die Verlustzone rutscht, zumal im Gefolge der Finanzmarktkrise neue Risiken aufgetaucht sind: Die HSH hat im Rahmen des Interbankenhandels auch mit isländischen Banken Geschäfte gemacht. Daraus drohten nun Wertberichtigungen in dreistelliger Millionenhöhe.

mik/dpa-AFX/Reuters/AFP/Dow Jones

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