Finanzkrise Commerzbank wird teilverstaatlicht

Milliardenrisiken ließen die Übernahme der Dresdner Bank für die Commerzbank zur Gefahr werden. Der Bund hilft deshalb mit einer weiteren Kapitalspritze von zehn Milliarden Euro aus - und übernimmt im Gegenzug 25 Prozent der Bank. Der Aktienkurs der Commerzbank brach nach Bekanntgabe ein.


Berlin - Der Bund halte künftig 25 Prozent plus eine Aktie an der zweitgrößten Bank des Landes, heißt es in einer Adhoc-Mitteilung der Commerzbank. Die Transaktion erfolge durch die Emission von rund 295 Millionen Stammaktien und durch eine stille Einlage in Höhe von rund 8,2 Milliarden Euro. Als Preis pro Aktie seien sechs Euro vereinbart worden. Die Konditionen der stillen Einlage orientierten sich an jenen, die der Commerzbank im Dezember gewährt wurden.

Ein Commerzbank-Zentrale: Bedrohlich schwindende Kernkapitalquote
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Ein Commerzbank-Zentrale: Bedrohlich schwindende Kernkapitalquote

Die Commerzbank verhandelt seit Tagen mit dem staatlichen Rettungsfonds Soffin über neue Milliardenhilfen. Sie hat bereits Ende 2008 eine staatliche Kapitalspritze in Form einer stillen Einlage von 8,2 Milliarden Euro in Anspruch genommen. Neue Belastungen bei Dresdner Bank und Commerzbank im vierten Quartal führten Finanzkreisen zufolge aber zu einem weiteren Kapitalbedarf. Eingebunden in die Verhandlungen war auch die bisherige Dresdner-Mutterfirma Allianz Chart zeigen.

Durch den Abschreibungsbedarf bei den Wertpapieren drohte vor allem die Kernkapitalquote der fusionierten Bank unter acht Prozent zu rutschen - diesen Wert muss sie aber erreichen, um Staatsgarantien nutzen zu können. Erst am heutigen Donnerstag hatte die Commerzbank eine staatlich garantierte Anleihe herausgegeben.

Die Dresdner Bank musste bislang trotz Milliardenabschreibungen noch keine Rettungsgelder in Anspruch nehmen. Ihre Kernkapitalquote schmolz indes bis Ende September auf 8,1 Prozent - ein weiterer Rückgang ist Experten zufolge wahrscheinlich.

Die Commerzbank hatte die Übernahme der Dresdner Bank mit der Allianz Ende des Jahres bereits nachverhandelt. Dabei räumte die Allianz einen spürbaren Nachlass auf den Kaufpreis ein. Die Commerzbank legt nur noch rund fünf Milliarden Euro auf den Tisch - zunächst hatte sie sich mit der Allianz auf mehr als neun Milliarden Euro verständigt.

Zusätzlich wird die Allianz der Adhoc-Mitteilung zufolge die Kapitalausstattung der Dresdner Bank stärken, indem sie Wertpapiere im Nominalwert von zwei Milliarden Euro für einen Kaufpreis von 1,1 Milliarden Euro übernimmt. Im Endeffekt ergibt sich daraus für die neue Commerzbank eine Entlastung risikogewichteter Aktiva von 17,5 Milliarden Euro und damit eine Freisetzung von Eigenkapital in Höhe von 700 Millionen Euro. Weiterhin wird die Allianz eine stille Einlage in Höhe von 750 Millionen Euro zeichnen.

Anleihe stößt auf hohe Nachfrage

Trotz der alarmierenden Nachrichten ist die staatlich garantierte Anleihe der Commerzbank auf eine überraschend starke Nachfrage gestoßen. Das Institut habe mit dem dreijährigen Bond fünf Milliarden Euro eingenommen, meldete der zu Thomson Reuters gehörende Marktanalysedienst IFR Markets am Donnerstag. Das ist rund doppelt so viel wie ursprünglich geplant. Allerdings fließt davon noch eine Gebühr an den Garantiegeber, den staatlichen Rettungsfonds Soffin.

Banken ohne Staatsgarantie im Rücken und auch andere Firmen müssen sich derzeit wegen der Finanz- und Wirtschaftskrise zu deutlich höheren Kosten refinanzieren. Allerdings stieg der Appetit der Anleger in den vergangenen Tagen wieder, zahlreiche Firmenanleihen wurden erfolgreich plaziert.

Aktienkurs bricht ein

Die Aktien der Commerzbank verloren dagegen nach Bekanntwerden der Nachricht bis zu 21,3 Prozent auf 4,79 Euro und markierten damit einen historischen Tiefststand. Am Nachmittag lagen Commerzbank-Papiere noch 15,4 Prozent im Minus bei 5,15 Euro. Die Aktien gingen am Ende mit einem Abschlag von 13,79 Prozent bei 5,25 Euro aus dem Handel. Der Dax verlor bis zum Börsenschluss 1,7 Prozent auf knapp 4880 Punkte und büßte damit nahezu die Hälfte seiner Kursgewinne seit dem Jahreswechsel wieder ein. "Keiner weiß, welche Hiobsbotschaften uns noch blühen und alle haben Angst, sich die Finger zu verbrennen", sagte ein Händler.

mik/dpa-AFX/Reuters

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