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Finanzkrise: Dax sackt trotz Banken-Rettung ab

Verheerender Wochenstart für den deutschen Aktienmarkt: Rezessionsängste haben den Leitindex Dax um mehr als fünf Prozent einbrechen lassen - das ist der tiefste Stand seit Juli 2006. "Es brennt an allen Ecken und Enden", sagen Aktienhändler.

Frankfurt - Die Finanzkrise hat den deutschen Aktienmarkt zu Wochenbeginn heftig erschüttert: Der Leitindex Dax stürzte am Nachmittag um 5,1 Prozent auf 5506 Zähler ab und erreichte damit den niedrigsten Stand seit Juli 2006. Bereits in den ersten Handelsminuten war der Dax um über vier Prozent abgesackt. Auch der Nebenwerte-Index MDax Chart zeigen und der TecDax Chart zeigen notierten Verluste.

Aktienhändlerin in Frankfurt: "Es brennt an allen Ecken und Enden"
DDP

Aktienhändlerin in Frankfurt: "Es brennt an allen Ecken und Enden"

Die Finanzkrise sei endgültig in Europa angekommen, erklärten Börsianer. "Es brennt an allen Ecken und Enden", zitierte die Nachrichtenagentur Reuters einen Aktienhändler. Auf der Stimmung laste insbesondere, dass der Bund und die deutsche Finanzbranche am Wochenende ein neues Rettungspaket für den Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate auflegen mussten.

"Niemand weiß, wie groß das Loch bei der Hypo Real Estate ist, und niemand will in dieses Loch hinein investieren", sagte ein Börsianer. "Das Management hat das Vertrauen endgültig verspielt. Man kann bei der Hypo Real Estate Chart zeigennichts mehr berechnen", sagte Analystin Susanne Knips von der Dresdner Bank. Die Titel des Münchner Konzerns stürzten am Montag um 36 Prozent auf 4,82 Euro ab.

Das HRE-Paket belastete auch andere Finanzwerte im Dax. "Die privaten Banken sind verschnupft, weil sie nun höhere Kredite geben müssen", sagte ein Händler. Papiere der Commerzbank Chart zeigen verloren 14 Prozent, die der Deutschen Bank Chart zeigenknapp zehn Prozent und die der Postbank Chart zeigen 8,6 Prozent. Auch europaweit gerieten Bankaktien unter Druck, der Branchenindex gab 7,7 Prozent nach.

In der Nacht zum Montag hatten sich Regierung und Finanzwirtschaft nach zähem Ringen auf ein neues Rettungspaket für den Immobilienfinanzierer geeinigt. Dieses umfasst insgesamt 50 Milliarden Euro. Erst am Samstag war das vor einer Woche ausgehandelte erste Hilfspaket für die HRE-Gruppe überraschend geplatzt, weil die Banken ihre Kreditzusagen wieder zurückgezogen hatten.

Nur ein einziger Dax-Wert konnte zu Wochenbeginn Gewinne verbuchen: Der Kurs von Volkswagen Chart zeigen stieg um 2,10 Prozent auf 283,62 Euro.

Russische Börse mit zweistelligen Kursverlusten

Auch andere europäische Finanzplätze gingen angesichts der internationalen Kreditkrise auf Talfahrt: Für den Eurostoxx 50 ging es in den ersten Handelsminuten um rund vier Prozent abwärts, der Stoxx 50 verlor im frühen Handel um 3,5 Prozent. Der französische CAC 40 Chart zeigen Index rutschte mehr als vier Prozent ab, ebenso die Londoner FTSE 100 Chart zeigen.

Im weltweiten Abwärtsstrudel der Börsen brach auch der russische Aktienmarkt erneut ein. Der Leitindex RTS verlor in den ersten drei Handelsstunden knapp 14 Prozent und landete mit 920 Punkten auf dem Niveau von November 2005. Die Schwergewichte sackten um bis zu 27 Prozent ab, nachdem der Index bereits zum Ausklang der Börsenwoche am Freitag sieben Prozent verloren hatte.

Im Moment gebe es keine Anzeichen für eine Verlangsamung des Sturzfluges, sagten Analysten in Moskau. Am stärksten betroffen seien Banken-, Energie- und Metallpapiere. Seit dem 19. Mai dieses Jahres, als der RTS-Index auf ein Allzeithoch von 2498,10 Punkten geklettert war, verlor der russische Aktienmarkt knapp zwei Drittel seines Werts.

Zuvor hatten die Börsen in Fernost im Minus geschlossen. Die US-Märkte hatten am Freitag ebenfalls mit Verlusten den Handel beendet. Der Dow Jones Chart zeigen der Standardwerte schloss am Freitag 1,5 Prozent im Minus bei 10.325 Punkten.

Händlern zufolge konnte die Annahme des Bankenrettungspakets durch das US-Repräsentantenhaus dem Markt keinen Schwung mehr verleihen, da dessen Zustimmung erwartet worden sei. "Mit grünem Licht für das US-Rettungspaket war fest gerechnet worden", sagte ein Marktteilnehmer. "Gegen die zugespitzten Rezessionsängste nach zuletzt schwachen Wirtschaftsdaten kommen die Impulse nicht an."

IWF: Preisniveau wird steigen

Nach Ansicht des Chefs des Internationalen Währungsfonds (IWF) Dominique Strauss-Kahn wird der strauchelnde Finanzmarkt in zahlreichen Ländern das Wachstum bremsen. "Die Krise hat starke indirekte Folgen, das Wachstum wird sich in vielen Ländern verlangsamen", sagte Strauss-Kahn in Paris. Als Beispiele nannte er China und Brasilien. Das Preisniveau werde sich weltweit stabilisieren, aber weiterhin höher sein als vor der Krise, fügte er hinzu.

"Es ist notwendig, dass sich Europa untereinander abstimmt", betonte er. Die erste Aufgabe sei, das Feuer zu löschen, anschließend müsse man "das Haus besser wieder aufbauen", antwortete er auf die Frage nach der Notwendigkeit einer strukturellen Reform.

Die Finanzminister der Euro-Länder werden am heutigen Montag in Luxemburg zusammenkommen, um über die Finanzkrise und die Folgen für die Konjunktur zu beraten. Die EU-Kommission rechnet für 2008 wegen der Börsenturbulenzen nur noch mit einem Wirtschaftswachstum von 1,3 Prozent.

amz/suc/dpa-AFX/dpa

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