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Finanzkrise: EU erlaubt Milliardenhilfe für britische Bank

Das Okay von der EU-Kommission kam schnell: Die Brüsseler Behörde hat die Milliardenhilfe für die angeschlagene britische Hypothekenbank Bradford & Bingley genehmigt. Das könnte nicht die letzte Rettungsaktion gewesen sein. Laut "Le Canard Enchaîné" soll jetzt auch ein französisches Institut in Not sein - die Bank dementiert.

Frankfurt am Main - Die Milliarden für den angeschlagenen Hypothekenfinanzierer Bradford & Bingley (B&B) dürfen fließen: Die von der britischen Regierung beschlossene Übernahme fauler Kredite des Instituts im Umfang von 50 Milliarden Pfund (63 Milliarden Euro) stelle eine zulässige Rettungsbeihilfe dar, teilte die EU-Kommission mit. Die Entscheidung fiel keine 24 Stunden nach der offiziellen Notifikation des Rettungspakets durch die britische Regierung, die B&B verstaatlichen will.

Deutsche Bank: Drohen Milliardenabschreibungen?
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Deutsche Bank: Drohen Milliardenabschreibungen?

"Dieser Fall zeigt erneut, dass die Kommission bei guter Kooperation des betroffenen Mitgliedstaats sehr schnell handeln kann, um Rechtssicherheit zu gewähren", erklärte EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes. Die Rettungsbeihilfe wurde für sechs Monate genehmigt. Spätestens am 29. März muss London einen Umstrukturierungsplan für B&B vorlegen.

Es ist vielleicht nicht die letzte Rettungsaktion in Europa: Nach Einschätzung der US-Großbank JP Morgan müssen europäische Institute mit weiteren Milliarden Abschreibungen rechnen. Im zweiten Halbjahr drohten Geldhäusern Vorsteuerabschreibungen in Höhe von 28,4 Milliarden Euro, teilte JP Morgan am heutigen Mittwoch mit.

Am schwersten trifft es dem Bericht zufolge das britische Institut Lloyds. Die Großbank und ihr Rivale HBOS , den Lloyds übernehmen will, müssten zusammen etwa 5,7 Milliarden Euro abschreiben, schätzt JP Morgan.

Hohe Abschreibungen für die Deutsche Bank erwartet

Auch auf die Deutsche Bank könnten Abschreibungen von 4,5 Milliarden Euro zukommen, heißt es in dem JP-Morgan-Bericht. Die Deutsche Bank wollte die Meldung nicht kommentieren. Die Zahlen werden erst am 30. Oktober veröffentlicht, sagte ein Sprecher auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE.

Dem Bericht zufolge schätzt JP Morgan Abschreibungen für Großbritanniens Barclays auf 3,7 Milliarden Euro, die Schweizer UBS auf 2,7 Milliarden Euro und die französische Société Générale auf 2,6 Milliarden Euro. "So eine Schätzung wird nicht aus der hohlen Hand kommen", bewertete ein Händler an der Frankfurter Börse die Zahlen.

JP Morgan ist von der Kreditkrise selbst betroffen und musste Milliardenabschreibungen vornehmen. Insgesamt leidet das Institut jedoch nicht so stark unter dem Einbruch wie viele seiner Konkurrenten.

Französische Caisse d'Epargne soll Probleme haben

Mittlerweile gibt es Gerüchte, dass die Krise auch auf Frankreich übergreifen könnte: Das Enthüllungsblatt "Le Canard Enchaîné" berichtet, die französische Bankengruppe Caisse d'Epargne sei zu einer Kapitalerhöhung gezwungen, um nicht in finanzielle Schieflage zu geraten. Der "Canard Enchaîné" beruft sich auf ein internes Dokument. Die Bank mit 4700 Filialen benötige bis Ende des Jahres 6,5 Milliarden Euro, heißt es in dem Bericht vom Mittwoch.

Die Bankenleitung wies den Bericht "kategorisch" zurück. Die französische Regierung kritisierte diese Art von "zerstörerischen Gerüchten". Wirtschaftsstaatssekretär Laurent Wauquiez sagte im Sender Canal+, in der aktuellen Lage sei es ein Leichtes, zu behaupten, dass ein Institut in Schwierigkeiten stecke. "Wir machen eine schwierige Phase durch, folglich können alle Einrichtungen bedroht sein", sagte er.

Der französische Präsident Nicolas Sarkozy plant ein Krisentreffen ranghoher EU-Vertreter anlässlich der Turbulenzen auf den weltweiten Finanzmärkten. Zu den Beratungen in Paris am Samstagnachmittag seien unter anderem Bundeskanzlerin Angela Merkel, Großbritanniens Premierminister Gordon Brown, Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi und EZB-Chef Jean-Claude Trichet eingeladen, sagten EU-Vertreter am Mittwoch in Paris.

Luxemburgs Premier Jean-Claude Juncker hofft auf ein starkes Europa. Seiner Meinung nach werden die EU-Regierungen kein großes Institut zusammenbrechen lassen. Dafür brauche Europa auch kein Paket wie das, das derzeit in den USA geplant sei, sagte er dem französischen Sender Europe 1.

Lage an den Börsen ist ruhiger

Zumindest vorerst hat sich die Lage an der Börsen beruhigt. In der Hoffnung, dass der US-Kongress bald das 700-Milliarden-Dollar-Rettungspaket für notleidende Banken verabschieden wird, legten die Kurse weltweit deutlich zu. Der deutsche Aktienmarkt startete am Mittwoch mit Gewinnen in den Handel, am Mittag rutschte der Dax indes leicht ins Minus.

Auch wegen der guten Vorgaben aus den USA erholte sich der deutsche Markt zunächst: Die US-Börsen haben am Dienstag mit einer entschiedenen Gegenbewegung auf den "Schwarzen Montag" reagiert und einen großen Teil der massiven Vortagesverluste wieder aufgeholt. Der Dow Jones verbuchte ein Plus von 4,7 Prozent auf 10.851 Punkte.

Es ist der größte Zuwachs seit fast sechs Jahren. Damit machte der Dow fast zwei Drittel des Vortagesverlustes von 778 Punkten wieder wett. Der Nasdaq Composite stieg um 5,0 Prozent auf 2082 Zähler.

cvk/ssu/AP/AFP/dpa-AFX/Reuters

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