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Finanzkrise: EU will Gehälter von Bankmanagern kontrollieren

Die EU nimmt die Bankmanager ins Visier: Künftig sollen ihre Gehälter und Abfindungen stärker kontrolliert werden. Die Details wollen die Chefs der 27 Staaten auf ihrem Gipfel kommende Woche beschließen.

Brüssel/Frankfurt am Main - Die EU zieht erste Lehren aus der Finanzkrise. Unter anderem will sie die Gehälter von Bankmanagern neu regeln. Die tatsächliche Leistung der Unternehmenschefs müsse sich in ihren Gehältern spiegeln, heißt es im ersten Entwurf der Schlussfolgerungen für den Brüsseler EU-Gipfel in der kommenden Woche. Abfindungen müssten dem Erfolg des Unternehmens entsprechen.

Banken in Frankfurt am Main: "Exzessiver Pessimismus"
AP

Banken in Frankfurt am Main: "Exzessiver Pessimismus"

Das Gipfel-Papier, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, ruft die Mitgliedstaaten zur Umsetzung dieser Grundregeln auf. "Gleichermaßen muss darauf geachtet werden, dass der Gewinn aus Anteilsoptionen oder das Entlohnungssystem speziell im Bankensektor nicht dazu führen, dass übertriebene Risiken eingegangen oder kurzfristige Ziele extrem in den Mittelpunkt gerückt werden", heißt es in dem Dokument weiter.

Der EU-Gipfel soll entsprechend dieser Vorlage insbesondere darauf dringen, dass noch im Oktober eine Entscheidung zu den Vorschriften zur Rechnungslegung und ihrer Auslegung bei den Finanzinstituten fällt. Dann, so der Plan, könnte der wahre Wert ihrer Aktiva vom dritten Quartal 2008 an ausgewogener wiedergegeben werden. Die Gipfelteilnehmer sollen die Banken zudem dazu aufrufen, rigoros ihre Verpflichtungen und Risiken offenzulegen. Nur so könne das Vertrauen in der Branche wieder hergestellt werden.

Mangelndes Vertrauen sieht EZB-Chef Jean-Claude Trichet als das derzeit größte Problem in der Finanzbranche an. Der Notenbanker prangerte einen "exzessiven Pessimismus" der Aktienhändler an und forderte die Finanzmarktakteure dazu auf, "zur Vernunft zu kommen". Der sonst sehr zurückhaltende Präsident der Europäischen Zentralbank ging in einem Fernsehinterview des Senders France 3 mit den Verantwortlichen der gegenwärtigen Krise hart ins Gericht. "Zur Zeit haben die Akteure in Wirtschaft und Finanzwelt nicht notwendigerweise die Zeit, die Dinge zu analysieren", sagte er am späten Mittwochabend.

Er reagierte damit auf das Abstürzen der Aktienmärkte im Laufe des Mittwochs. Die simultanen Leitzinssenkungen in Europa und den USA hatten den Kursverfall nur kurzzeitig gebremst, am Nachmittag waren zahlreiche Börsen weiter in den Keller gerauscht. Es gebe Gründe, Vertrauen in die Märkte zu haben. "Aber das Vertrauen ist in manchen Bereichen verschwunden. Es sind die Akteure selbst die sagen, sie seien in einem exzessiven Pessimismus", erklärte Trichet. "Pessimismus ist ein sehr schlechter Ratgeber."

Tatsächlich kehrt das Vertrauen trotz immer neuer Milliarden der Zentralbanken am Geldmarkt nicht wirklich zurück. "Wir haben keine Liquiditätskrise, sondern eine Vertrauenskrise", sagte ein Händler. "Insgesamt sind die Maßnahmen der EZB eine gute Lösung. Die Notenbank hat alles getan, was von ihrer Seite möglich ist", erklärte ein anderer Marktteilnehmer.

Die Finanzmarktkrise wird die Konjunktur nach Einschätzung der EZB im Euro-Raum in einen Abschwung drücken. "Jüngste Daten belegen, dass sich die wirtschaftlichen Aktivitäten im Euro-Raum abschwächen", schreibt die Notenbank in ihrem am Donnerstag veröffentlichten Monatsbericht. Die heimische Nachfrage lasse nach und die Kreditbedingungen verschlechterten sich.

suc/dpa-AFX/AP/dpa

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Forum - Sollen Spitzenmanager für ihre Fehler zahlen?
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1. Mehr Eigenverantwortung!
Linchen83 07.10.2008
Zitat von sysopSpitzenmanager sollen nach dem Willen der Großen Koalition künftig stärker für ihre Fehler haften. Im Gespräch sind Summen bis zu einer Höhe von zwei Jahresgehältern. Ist das der richtige Weg?
Ich finde: Bezahlt die Manager nach dem was Sie erwirtschaften. Wenn sie dann Verluste machen, sollen sie Strafe zahlen. Ich bin kein Feind von Abfindungen, aber anscheinend gehen die Herren nicht sehr sorgfältig mit Geld um das ihnen nicht gehört. Vielleicht lassen sie mehr Sorgfalt warten, wenn es ans Privatvermögen geht. Der ehemalige Chef der "Lehmann Brothers" ist das beste Beispiel: 35 Mrd.$ Verlust und dafür ne dicke Abfindung. Dafür kann er jetzt nicht mehr schlafen. Auf die Frage eines Untersuchungsausschuss-Mitglied, ob er das fair findet antwortet er folgendermaßen: *Schlucken* "Nein"
2.
delta058 07.10.2008
Zitat von sysopSpitzenmanager sollen nach dem Willen der Großen Koalition künftig stärker für ihre Fehler haften. Im Gespräch sind Summen bis zu einer Höhe von zwei Jahresgehältern. Ist das der richtige Weg?
Wenn man bedenkt wie selbstverständlich hohe Gehälter und Boni gefordert werden, wäre es auch nur fair Sie ebenfalls an den Verlusten zu beteiligen. Es kann ja irgendwo nicht die Regel sein, das immer alle Bürger für die Verluste haften aber nur wenige die Gewinne einstreichen. Wenn ich aber so an die Postenverteilung in der Politik denke, glaube ich das diese Forderung nur bis zur nächsten BT-Wahl existiert und es danach wieder heißt: "Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern."
3. Ganz eindeutig ja, es sei denn
almabu, 07.10.2008
Zitat von sysopSpitzenmanager sollen nach dem Willen der Großen Koalition künftig stärker für ihre Fehler haften. Im Gespräch sind Summen bis zu einer Höhe von zwei Jahresgehältern. Ist das der richtige Weg?
sie weisen dem Gericht nach, dass es zu ihren vertraglichen Pflichten gehörte, in betrügerischer Absicht, phantasievoll konstruierte Finanzprodukte zu verkaufen zur kurzfristigen Gewinnmaximierung und sie das verbrecherische ihres Handelns unmöglich erkennen konnten. In diesem Fall soll das Verfahren auf das Unternehmen ausgedehnt werden. Als Basis für Schadensersatz sollte dabei das Gesamtvermögen, abzüglich eines Hartz IV Mindestvermögens, herangezogen werden. Versicherungen sollte eine Risikohaftpflicht für diese Gruppe und diesen Sachverhalt verboten werden. PS: Bald ist wieder Weihnachten, man wird sich doch was wünschen dürfen;-))
4. Verantwortung
Christer Nykopp 07.10.2008
Zitat von sysopSpitzenmanager sollen nach dem Willen der Großen Koalition künftig stärker für ihre Fehler haften. Im Gespräch sind Summen bis zu einer Höhe von zwei Jahresgehältern. Ist das der richtige Weg?
So lange masslos überhöhte Bezüge der Bosse damit begründet werden, dass die Firma (d.h. die Aktionäre) letztendlich den Gewinn einstecken, müsste fairerweise auch ein Scheitern zu Haftung führen. Ob nun zwei oder drei Jahresbezüge (nicht -Gehälter, denn die Bezüge kann man leicht in Boni usw. umbenennen) sei dahingestellt. Ein mögliches System wäre vielleicht ein mässiges Salär + Boni, die maximal die Höhe des Salärs ausmachen und erst 5 Jahre nach dem Jahresabschluss bezahlt wird. Wenn Verlustjahre dazwischen kommen, werden die Verluste abgezogen nach denselben Prinzipien wie Boni berechnet. Goldene Fallschirme bei Kündigung werden auf die am Arbeitsmarkt üblichen Beträge begrenzt. Nun werden die Bossengewerkschaften lamentieren, dann wird doch keiner mehr Geschäftsführer sein wollen, alle wandern ins Ausland (welches denn?) usw. Diese Gefahr ist jedoch in Wirklichkeit klein bis verschwindend.
5.
mauskeu 07.10.2008
Zitat von sysopSpitzenmanager sollen nach dem Willen der Großen Koalition künftig stärker für ihre Fehler haften. Im Gespräch sind Summen bis zu einer Höhe von zwei Jahresgehältern. Ist das der richtige Weg?
Natürlich müssen Manager mehr für ihre Fehler haften. Es kann nicht sein, dass sie kurzfristig den Aktienkurs in die Höhe treiben durch unseriöse Aktionen und sich dann über Aktien-Optionen gesund stossen. Dannach die Sindflut. Gute Manager sollen durchaus gut Geld verdienen. Ackermann gehört dazu. Aber nur auf kurzfristige Erfolge ausgelegte "Strategien" sollte man auch nur als solche gering bewerten über die "Incentives" für diese Manager. Das ganze ist ein "Package" und nicht nur Gehalt oder Optionen, und sollte über Jahre gültig sein. "Goldene Fallschirme" sollten nur wie bei anderen Angestellten auch im normalen Rahmen möglich sein. Persönliche Haftung sollte auch möglich sein.
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