Finanzkrise FBI ermittelt wegen Betrugs bei Indymac

Ölpreis im Minus, Wall Street im Plus: Das sind die guten Nachrichten von den US-Märkten. Doch tatsächlich wächst die Sorge vor der enormen Inflation - und jetzt wird neben der Börsenaufsicht SEC auch noch das FBI wegen krimineller Methoden in der Kreditkrise tätig: bei der Pleitebank Indymac.


Washington - Entspannung beim Ölpreis und an den Börsen - Spannung wegen Inflationsrisiken und neuer Enthüllungen in der Finanzkrise: Die US-Wirtschaft kommt nicht zur Ruhe.

Der Dow Jones Chart zeigen und der marktbreitere S&P-500-Index Chart zeigen legten an diesem Mittwoch um je rund 2,5 Prozent zu, der technologielastige Nasdaq Chart zeigen sogar um 3,1 Prozent. Grund waren gute Quartalszahlen von Wells Fargo und die weiter sinkenden Ölpreise. Auch weil die US-Rohöllagerbestände überraschend gestiegen waren, verbilligte sich ein Barrel (159 Liter) der Sorte Light Sweet Crude zum Handelsschluss in New York auf 134,60 Dollar und lag damit 4,14 Dollar unter dem Vortag. Diese Entspannung bei den Energiekosten schwächte die Ängste vor einer fortgesetzt hohen Inflation in den USA und einem nahenden Wirtschaftseinbruch ab.

Aktien aus der Finanzbranche legten an der Wall Street zu, vor allem die der fünftgrößten US-Bank Wells Fargo (plus 33 Prozent), deren Quartalsergebnisse über den Erwartungen lagen, außerdem J.P. Morgan Chase Chart zeigen (plus 16 Prozent), die an diesem Donnerstag Zahlen vorlegt, und Citigroup Chart zeigen (plus 13 Prozent), die am Freitag folgt. Auch die angeschlagenen Hypothekenfinanzierer Fannie Mae (plus 31 Prozent) und Freddie Mac Chart zeigen (plus 30 Prozent) waren im Plus.

SEC und FBI im Kampf gegen kriminelle Machenschaften

Diese Entspannung gilt allerdings angesichts der Risiken im Markt und der US-Wirtschaft nur als Zwischenhoch - und auch als Reaktion auf den Beschluss der Börsenaufsicht SEC, infolge der Finanzkrise Regeln zu verschärfen. Sie will verschärft gegen Kursmanipulationen und umstrittene Spekulationsgewinne vorgehen. Die Behörde kündigte strengere Vorschriften für Börsenwetten auf fallende Kurse an und startete eine Untersuchungswelle bei Banken, Händlern, Anlageberatern und Hedge-Fonds. Der Verdacht: Gezielte falsche Gerüchte und missbräuchliche Handelspraktiken könnten einige der jüngsten spektakulären Kurseinbrüche mit ausgelöst haben.

Auch bei der am Freitag zusammengebrochenen Hypotheken- und Bausparbank Indymac gibt es inzwischen Spekulationen über kriminelle Hintergründe. Die US-Bundespolizei FBI ermittelt dem Fernsehsenders CNN und der Nachrichtenagentur AP zufolge gegen das Institut. Möglicherweise sei bei der Vergabe von Darlehen an zweifelhafte Kunden betrogen worden.

Die Ermittlungen konzentrieren sich den Berichten zufolge auf das Unternehmen, nicht auf Einzelpersonen. Wie lange sie schon laufen, ist unklar. Ein FBI-Sprecher sagte zu dem Fall Indymac offiziell nur, derzeit gebe es insgesamt 21 Verfahren wegen der Subprime-Krise. Man erhalte täglich Informationen, denen man nachgehen müsse. Der Kollaps von IndyMac war ein neuer dramatischer Höhepunkt der US-Kreditkrise, laut Behörden der zweitgrößte Banken-Crash in der Geschichte der USA.

Bernanke warnt vor Inflationsgefahren

Der Fall und die strengeren Regelungen der SEC machen klar, dass die Kreditkrise noch nicht ausgestanden ist. Die anhaltenden Risiken für die Finanzbranche und weitere Schwächezeichen der US-Konjunktur stürzen Notenbankchef Ben Bernanke in ein Dilemma. Um das Wachstum in den USA nicht zu gefährden, müssten die Leitzinsen von derzeit nur 2,0 Prozent niedrig gehalten werden - zugleich allerdings erreichte die Inflation im Juni fünf Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Die Teuerung ist damit auf dem höchsten Stand seit 1991. Um sie zu begrenzen, müssten die Leitzinsen eigentlich erhöht werden.

An diesem Abend wurde ein Sitzungsprotokoll der Notenbank Fed veröffentlicht, das klarmachte, dass genau dieses Problem in der jüngsten Sitzung des geldpolitischen Ausschusses der Fed debattiert wurde. Mehrere Mitglieder hätten sich für eine "sehr baldige" Zinserhöhung ausgesprochen. Trotzdem habe man am Ende entschieden, es beim jetzigen Niveau zu belassen.

Bernanke sagte an diesem Mittwoch bei einer Kongressanhörung in Washington zur Wirtschaftslage, der Kampf gegen die Teuerung stehe auf der Prioritätenliste der Fed ganz oben. "Die Inflation ist zu hoch", sagte er. Schon zuvor hatte er von einem "erheblichen Risiko" für die Konjunktur durch die Energie- und Kreditkrise gesprochen.

plö/AP/Reuters/dpa

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