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Finanzkrise: Frankreich rutscht in die Rezession

Die Wirtschaft bei Deutschlands größtem Handelspartner schrumpft. Das geht aus neuen Zahlen des Statistikamts in Paris hervor. Die französische Regierung ist alarmiert - und stellt dem Mittelstand 20 Milliarden Euro zur Verfügung.

Paris - Erstmals seit 15 Jahren rutscht Deutschlands größter Handelspartner Frankreich in die Rezession. Wirtschaftsministerin Christine Lagarde versicherte den Bürgern, die Regierung sei "total mobilisiert", um die Kaufkraft zu schützen. Nach einem Rückgang im zweiten Quartal um 0,4 Prozent dürfte die Wirtschaftsleistung im dritten Quartal um 0,1 Prozent gefallen sein, berichtete das Statistikamt Insee am Freitag in Paris. Im Schlussquartal sei mit einem weiteren Rückgang um 0,1 Prozent zu rechnen.

Ministerin Lagarde: "Die Regierung ist total mobilisiert"
REUTERS

Ministerin Lagarde: "Die Regierung ist total mobilisiert"

Als Folge schrumpfender Investitionen werden im zweiten Halbjahr laut Statistikamt 52.000 Arbeitsplätze verloren gehen. Die Erwerbslosenquote werde von 7,2 auf 7,4 Prozent steigen und die Kaufkraft um 0,4 Prozent sinken. Am Jahresende dürfte die Inflation 2,4 Prozent erreichen.

Kurz vor Veröffentlichung der Daten hatte die Regierung über ihre Interventionsbank CDC ein Finanzpaket von 20 Milliarden Euro für den Mittelstand geschnürt. Damit soll verhindert werden, dass den kleinen und mittleren Unternehmen wegen der Bankenkrise keine Kredite mehr gewährt werden. Das Geld werde Banken für Darlehen an die Mittelständler zur Verfügung gestellt, teilte das Präsidialamt mit. Mit Blick auf den Staatshaushalt seien die Auswirkungen des Milliardenpakets "praktisch neutral".

Lagarde führte die Verschlechterung auf die Weltfinanzkrise und die hohen Öl- und Rohstoffpreise zurück. Der im Juli eingesetzte Rückgang der Rohstoffpreise schlage noch nicht durch. Die Regierung habe mit Beihilfen für Heizung, Verkehr und Strom sowie der Förderung von Arbeitsverträgen bereits zur Verteidigung der Kaufkraft eingegriffen. Am dringlichsten sei "jetzt die Wiederherstellung des Vertrauens auf den Finanzmärkten", damit die Konjunkturschwäche nur vorübergehend bleibe, sagte die Wirtschaftsministerin. Die Strukturreformen würden fortgesetzt, um mittelfristig dauerhaftes Wachstum zu sichern.

Der Chef der oppositionellen Sozialisten, François Hollande, machte eine verfehlte Wirtschaftspolitik der Regierung für die Entwicklung verantwortlich. "Die Rezession ist da", sagte er. Sie sei Folge der von Präsident Nicolas Sarkozy nach seiner Wahl im Mai 2007 beschlossenen Steuererleichterungen von rund 15 Milliarden Euro, sagte er der Zeitung "Le Parisien". Diese seien "ineffizient und ungerecht" gewesen, weil sie vor allem wohlhabenden Franzosen zugute gekommen seien. Sie hätten letztlich "die Erdstöße aus dem internationalen Umfeld verstärkt".

Die Regierung selbst sprach von einer "technischen Rezession", bei der es im Gesamtjahr 2008 dennoch ein Wachstum geben werde. Haushaltsminister Eric Woerth verwies darauf, dass Frankreichs Wirtschaft trotz der Quartalsrückgänge in diesem Jahr um rund ein Prozent wachsen werde. Das Statistikamt Insee rechnet für 2008 mit einem Plus von 0,9 Prozent, nachdem 2007 noch 2,1 Prozent verzeichnet worden waren.

Regierungssprecher Luc Chatel wies zurück, dass Paris wegen der Krise ein Konjunkturprogramm auflegen werde. Es werde nichts geben, was die Franzosen durch Steuern oder Abgaben belasten würde, sagte er.

Auf Kritik auch in den Regierungsparteien stieß die Äußerung von Sarkozy-Sonderberater Henri Guaino, Frankreich sehe wegen der Bankenkrise "vorübergehend" in den EU-Vorgaben für das Haushaltsdefizit "nicht die Hauptpriorität". Premierminister François Fillon versicherte, Frankreichs Ziel sei es trotz ungünstiger Konjunkturlage weiter, 2012 ein "Defizit nahe bei null" auszuweisen.

Ende September war als erstes EU-Land Irland, das einstige wirtschaftliche Vorzeigeland in Europa, in die Rezession gerutscht. Erstmals seit 25 Jahren ging dort die Wirtschaftsleistung zurück. Die Deutsche Bank und die Commerzbank rechnen damit, dass auch die deutsche Wirtschaft vom Abschwung erfasst wird. Ihrer Meinung nach ist eine Rezession in Deutschland nicht mehr aufzuhalten.

kaz/dpa/AFP

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