Finanzkrise Hypo Real Estate rutscht tiefer in die roten Zahlen als erwartet

Der angeschlagene Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate hat im dritten Quartal ein deutlich höheres Minus verbucht als erwartet. Grund sind die Abschreibungen der Tochter Depfa - von deren Problemen das Finanzministerium früher wusste als bisher bekannt.


München - Die Summe hat sogar die Experten überrascht: Die Hypo Real Estate hat im dritten Quartal einen Verlust von rund 3,1 Milliarden Euro verbucht - nachdem im Vorjahr noch ein Gewinn von 237 Millionen Euro in den Büchern gestanden hatte. Das teilte die im Dax notierte Bank am Mittwoch in München mit.

Hypo-Real-Estate-Gebäude in München: Finanzministerium wusste seit März von Problemen bei Depfa
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Hypo-Real-Estate-Gebäude in München: Finanzministerium wusste seit März von Problemen bei Depfa

Grund für das hohe Minus sind die Abschreibungen der im Jahr 2007 für rund fünf Milliarden Euro übernommenen irischen Tochter Depfa Chart zeigen, die 2,5 Milliarden Euro betrugen. Zudem musste die Hypo Real Estate Chart zeigen wegen des Zusammenbruchs von Lehman Brothers Chart zeigen, der Situation in Island, einer erneuten Abschreibung auf die Beteiligung an Babcock & Brown sowie weiteren Wertverlusten auf die CDO-Bestände der Hypo Real Estate Group Belastungen von 600 Millionen Euro verbuchen.

Die Hypo Real Estate war im Zuge der internationalen Finanzkrise in massive Geldnöte geraten, die Probleme der irischen Tochter hätten Anfang Oktober fast zum Kollaps des Immobilienversicherers geführt. Die Bundesregierung, ein Bankenkonsortium und die Bundesbank hatten bereits am 6. Oktober ein eigenes Rettungspaket in Höhe von insgesamt 50 Milliarden Euro für die Bank geschnürt.

Dass es bei der der Depfa Probleme mit sogenannten strukturierten Produkten gab, wusste das Finanzministerium allerdings schon länger als bisher bekannt: Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" wurde das Ministerium bereits am 6. März dieses Jahres darüber informiert, dass die Bundesbank die HRE just zu diesem Zeitpunkt einer Sonderprüfung unterzog und auch ein Expertenteam nach Irland entsandt hatte. Weitere Unterrichtungen folgten Mitte März, Anfang April und Mitte Juni, einzelne Ergebnisse der Prüfung gingen am 18. August im Ministerium ein. Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) sei jedoch nicht über eine Sonderprüfung der HRE und der Depfa informiert worden. Steinbrück selbst hatte noch Anfang Oktober behauptet, die deutsche Finanzaufsicht dürfe die Geschäfte einer in Irland ansässigen Bank gar nicht überprüfen.

Sechs Prüfer bei der Depfa

Die Bücher der Depfa wurden dem Bericht zufolge von "sechs erfahrenen Prüfern" der Bundesbank durchgesehen, die sich zwei Wochen in Dublin aufhielten. Grundlage dafür war eine Übereinkunft zwischen der deutschen Finanzaufsicht und der irischen Zentralbank aus dem Jahr 1993. Demnach durfte das Bundesbank-Team begutachten, ob das Risikomanagement der Depfa mit Blick auf sogenannte strukturierte Produkte in Ordnung war. Der Handel mit solchen Produkten hatte andere Banken in große Schwierigkeiten gebracht und maßgeblich zur globalen Finanzkrise beigetragen.

Nicht geprüft werden durfte dagegen die Liquiditätsausstattung der Depfa, die den gesamten HRE-Konzern später in Schieflage brachte. Laut Bericht war jedoch schon vor der Sonderprüfung bekannt, dass die auf eine stetige Liquiditätsversorgung angewiesene Depfa "eine höhere Anfälligkeit für exogene Veränderungen" aufwies. Eine solche exogene Veränderung war die Pleite des US-Investmenthauses Lehman Brothers am 15. September, die die Kreditvergabe der international tätigen Banken untereinander zum Erliegen brachte und damit das Geschäftsmodell der Depfa zerstörte.

Dem Ministeriumsbericht zufolge gingen die Mitteilungen über die Prüfungen bei HRE und Depfa im Hause Steinbrück ein, wurden vom zuständigen Referat aber nicht an den damaligen Abteilungsleiter und heutigen Staatssekretär Jörg Asmussen weitergeleitet. Auch der Minister wurde nicht informiert. Den eigentlichen Prüfbericht der Bundesbank forderte das Ministerium erst nach der Sondersitzung des Haushalts- und des Finanzausschusses des Bundestags am 15. Oktober an, bei der Vertreter der Opposition Mängel und Widersprüche im HRE-Krisenmanagement beklagt hatten.

sam/APF/dpa-AFX

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