Finanzkrise Hypothekenbank Dexia erhält milliardenschweres Rettungspaket

Die Finanzkrise in Europa weitet sich aus: Nach dem Geldgiganten Fortis steht auch der belgische Immobilienfinanzierer Dexia am Abgrund. Die Regierungen in Brüssel und Paris schießen zur Rettung 6,4 Milliarden Euro zu. Dexia-Chef Axel Miller bietet seinen Rücktritt an.


Brüssel - Der belgisch-französische Immobilienfinanzierer Dexia erhält ein länderübergreifendes Hilfspaket. Belgien, Frankreich und Luxemburg wollen dem angeschlagenen Bankhaus mit einer Kapitalerhöhung in Höhe von 6,4 Milliarden Euro unter die Arme greifen. Das gab Belgiens Premierminister Yves Leterme am Dienstagmorgen nach einer nächtlichen Verhandlungsrunde bekannt. Bereits gestern Nacht waren erste Details zur Rettung der Bank durchgesickert.

Dexia-Logo in Brüssel: Neue staatliche Rettungsaktion
AP

Dexia-Logo in Brüssel: Neue staatliche Rettungsaktion

Zu der Rettungsaktion steuern der belgische und der französische Staat jeweils drei Milliarden Euro bei. Die französische Regierung zahlt eine Milliarde Euro, wie Dexia erklärte. Zudem beteiligt sich Frankreich über das staatliche Kreditinstitut Caisse de Dépôts et de Consignations (CDC) mit weiteren zwei Milliarden Euro. Luxemburg liefert 376 Millionen Euro. Leterme sprach von einer "wichtigen und komplexen" Übereinkunft.

Dexia-Chef Axel Miller und Verwaltungsrats-Vorsitzender Pierre Richard boten kurz darauf ihren Rücktritt an, wie der Rundfunksender VRT berichtete.

Dexia-Aktien wurden am Dienstag vom Handel ausgesetzt. Bereits am Montag waren Gerüchte aufgekommen, es könne eine Kapitalerhöhung geben. Dexia-Titel hatten daraufhin gut 30 Prozent an Wert verloren. Der belgische Finanzminister Didier Reynders versuchte, die Kunden zu beruhigen. Der Schritt erlaube es, die Ersparnisse zu garantieren, sagte er. Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy kündigte in Paris an, angesichts der Finanzkrise noch am Dienstag die Chefs der französischen Bank- und Versicherungshäuser treffen zu wollen.

Der Schritt ist bereits die zweite Rettungsaktion mehrerer EU-Länder innerhalb kürzester Zeit. Am Montag hatten die Regierungen Belgiens, der Niederlande und Luxemburgs bereits Fortis mit 11,2 Milliarden Euro vor dem Zusammenbruch bewahrt. Belgien übernimmt für 4,7 Milliarden Euro 49 Prozent der Anteile des belgischen Zweigs von Fortis. Die Niederlande investieren vier Milliarden Euro für ebenfalls 49 Prozent an der Fortis Bank Niederlande. Luxemburg zahlt für 49 Prozent der Aktien an der Fortis Banque Luxembourg 2,5 Milliarden Euro.

Auch in Deutschland machen sich die Auswirkungen der Finanzkrise bemerkbar. Mehrere deutsche Banken und der Bund erklärten am Montag, den Finanzkonzern Hypo Real Estate mit einem milliardenschweren Rettungspaket vor dem Zusammenbruch retten zu wollen. In England wird die Hypothekenbank Bradford & Bingley nach einem dramatischen Wertverlust verstaatlicht und zerschlagen.

Auch in den USA forderte die Finanzmarktkrise ein weiteres Opfer. Wie der US-Einlagensicherungsfonds FDIC am Montag mitteilte, wird die Citigroup die Bankgeschäfte und einen Teil der Verbindlichkeiten der US-Bank Wachovia übernehmen. Die in New Yorker ansässige Bank werde bis zu 42 Milliarden Dollar der bei Wachovia anfallenden Verluste aus dem Gesamtbestand von 312 Milliarden Dollar an Krediten übernehmen.

ssu/AFP/AP/dpa/ddp

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