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Finanzkrise: IWF erwartet 2009 Weltrezession

Die Weltwirtschaft rutscht nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds 2009 in die Rezession. Erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg dürften die Industriestaaten weniger Wachstum vorweisen. Deutschland wird vom Abschwung stärker betroffen sein als bisher angenommen.

Washington/Berlin - Die Folgen der Finanzkrise lassen weltweit das Wirtschaftswachstum einbrechen. Nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) droht der globalen Konjunktur 2009 die Rezession. Kommendes Jahr werde das globale Wachstum nur noch 2,2 Prozent betragen, hieß es im aktualisierten Weltwirtschaftsausblick des IWF, der am Donnerstag vorgestellt wurde. Der Fonds spricht bei einem weltweiten Wachstum von unter drei Prozent von Rezession.

Börse in Fernost: Abschwung erfasst Weltwirtschaft
REUTERS

Börse in Fernost: Abschwung erfasst Weltwirtschaft

"Wir haben eine Menge neuer Informationen hinzubekommen, und das meiste davon ist negativ", sagte IWF-Chefökonom Olivier Blanchard. Alle großen Industrieländer werden laut IWF im kommenden Jahr mit einem Rückgang ihres Bruttoinlandsprodukts rechnen müssen. Die entwickelten Länder werden demnach zusammengenommen auf Jahresbasis 2009 um 0,3 Prozent schrumpfen. Es wäre das erste Mal seit dem Zweiten Weltkrieg. Das Ausmaß des Abschwungs sei jedoch eher mit der Konjunkturentwicklung zwischen 1975 und 1982 zu vergleichen. Mit einer Erholung sei erst Ende 2009 zu rechnen, schätzt der IWF.

Für Deutschland erwartet der Fonds in diesem Jahr noch einen Zuwachs von 1,7 Prozent, im nächsten Jahr aber ein Minus von 0,8 Prozent. Damit nahm der Fonds seine Oktober-Schätzung bezogen auf 2009 drastisch um 0,8 Prozentpunkte zurück. Auch die USA dürften dem Fonds zufolge im nächsten Jahr mit 0,7 Prozent im Minus landen, nach 1,4 Prozent Plus in diesem Jahr.

"Die deutsche Wirtschaft wurde über Jahre vor allem durch den Export angetrieben", sagte der Chef der IWF-Abteilung für weltwirtschaftliche Studien, Jörg Decressin. Durch den erheblichen Einbruch der globalen Nachfrage erlebe Deutschland eine nun "scharfe Umkehr", sagte er.

Die Abwärts-Revision der Schätzzahlen für 2009 sind nach Darstellung des IWF für die Schwellen- und Entwicklungsländern mit im Durchschnitt einem Prozentpunkt noch stärker als bei den Industrieländern mit 0,8 Prozentpunkten. Der Fonds fordert eine Politik der Wachstumsstimulierung und die Nutzung von Zinssenkungsspielräumen.

Notenbanken senken Zinsen

Im Kampf gegen die Krise haben mehrere europäische Notenbanken am Donnerstag bereits die Zinsen gesenkt. Die Europäische Zentralbank (EZB) verringerte bei einer turnusmäßigen Ratssitzung den für die Banken wichtigen Leitzins im Euroraum um 0,5 Prozentpunkte auf 3,25 Prozent. Auch die britische Zentralbank und die Schweizer Notenbank lockerten die geldpolitischen Zügel am Donnerstag weiter.

EZB-Präsident Jean-Claude Trichet sprach von großer ökonomischer Unsicherheit angesichts der Zuspitzung der Finanzmarktkrise. "Außergewöhnliche Herausforderungen liegen vor uns", sagte Trichet.

Die Auswirkungen der Finanzkrise auf die Realwirtschaft werden immer deutlicher. So sind die Aufträge in der deutschen Industrie im September stärker gesunken als erwartet. Preis- und saisonbereinigt seien die Bestellung zum Vormonat um acht Prozent gefallen, teilte das Wirtschaftsministerium am Donnerstag in Berlin mit. Volkswirte hatten mit einem Rückgang um zwei Prozent gerechnet.

Ein Lichtblick in dem ansonsten düsteren Bild ist die Einschätzung zur weiteren Inflations-Entwicklung. Angesichts sinkender Rohstoffpreise und der Konjunkturabkühlung rechnet die EZB mit einem Rückgang der Lebenshaltungskosten in den kommenden Monaten. Dies würde den Währungshütern Spielraum für weitere Zinssenkungen eröffnen. Im Oktober war die Inflation im Euroraum auf 3,2 Prozent gesunken nach 3,6 im September und 3,8 Prozent im August. Als Preisstabilität definiert die EZB eine Rate von knapp zwei Prozent.

Als einen weiteren Hoffnungsschimmer nannte IWF-Ökonom Blanchard, dass die derzeitige Kaufzurückhaltung von Verbrauchern und Firmen teils durch ihre abwartende Haltung zu erklären sei. "Wenn sich die Lage auf den Finanzmärkten stabilisiert und die Unsicherheit abnimmt, könnte sich das Ausgabeverhalten schneller verbessern als wir erwarten."

suc/dpa-AFX/Reuters/AP/dpa

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