Finanzkrise Lettland verstaatlicht Parex-Bank

Es ist die zweitgrößte Bank des Landes, doch auch ihr fehlt das Geld: Die lettische Regierung hat die Parex-Bank verstaatlichen müssen - zu einem außergewöhnlich niedrigen Preis.


Riga/Reykjavík - Es war eine symbolische Summe, die Lettland für die zweitgrößte Bank des Landes bezahlen musste: Für drei Euro habe der Staat 51 Prozent der Anteile an der angeschlagenen Parex Banka übernommen, teilte Ministerpräsident Ivars Godmanis nach einer neunstündigen Marathonsitzung seines Kabinetts mit. Falls nötig, werde das baltische Land den Internationalen Währungsfonds (IWF) oder die Europäische Union um finanzielle Unterstützung für weitere staatliche Maßnahmen bitten.

Lettlands Finanzminister Slakteris (l.) und Regierungschef Godmaris: Bankrott hätte rund eine Milliarde Dollar gekostet
REUTERS

Lettlands Finanzminister Slakteris (l.) und Regierungschef Godmaris: Bankrott hätte rund eine Milliarde Dollar gekostet

Der Staat zahlte nach Angaben von Finanzminister Atis Slakteris jeweils einen Lat (etwa 1,41 Euro) an die beiden Großaktionäre Walery Kargin und Wladimir Krasovitsky, zwei aus Russland stammende Geschäftsmänner. Weitere 34 Prozent würden der staatlichen Hypothekenbank als Sicherheit überschrieben. Parex besitzt Vermögenswerte im Umfang von rund vier Milliarden Euro und ist nach der Swedbank gemeinsam mit der SEB die zweitgrößte Bank des Landes.

Bankenpleite oder Sicherung des Finanzsystems?

Slakteris verteidigte die Entscheidung: Die Regierung habe vor der Wahl gestanden, die Bank pleite gehen zu lassen oder das Finanzsystem zu sichern. Ein Bankrott hätte die Steuerzahler rund eine Milliarde Dollar gekostet. Weitere Rettungsaktionen dieser Art schloss Regierungschef Godmanis allerdings aus. Die Parex Bank ist die größte baltische Bank ohne westlichen Besitzer. Sie hat Zweigstellen und Vertreter in 15 anderen Ländern, darunter auch in Deutschland.

Unterdessen mach sich auch die Regierung von Island immer verzweifelter auf die Suche nach finanzieller Unterstützung für sein vom Bankrott bedrohtes Land: Regierungschef Geir Haarde hat China um Hilfe gebeten. Er habe seinem chinesischen Kollegen geschrieben, aber noch keine Antwort erhalten, sagte Haarde am Samstag im Rundfunk. Unter den derzeitigen Umständen "sind wir für alles offen", sagte Haarde weiter.

Island hatte im Oktober die drei größten Banken des Landes verstaatlicht, um dadurch einen Staatsbankrott abzuwenden. Die Kreditinstitute hatten daraufhin die Einlagen der Sparer eingefroren. In Deutschland waren von diesem Schritt insbesondere die mehr als 30.000 Kunden der Kaupthing-Bank betroffen. Die Bundesregierung verhandelt nach wie vor mit Island über eine Entschädigung der Anleger. Am Montag trifft sich der IWF, um über eine Finanzspritze von zwei Milliarden Dollar für das Land zu entscheiden.

sam/AFP/Reuters

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.