Finanzkrise Morgan Stanley schreibt tiefrote Zahlen

Die US-Bank Morgan Stanley enttäuscht die Märkte: Während Konkurrenten zuletzt schwarze Zahlen schrieben, bleibt der Finanzkonzern in der Verlustzone. Experten sehen darin ein Signal, dass die Finanzkrise weiter geht.


New York - Morgan Stanley Chart zeigen hat die Märkte wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt: Die aktuellen Quartalswerte des Geldkonzerns zeigen, dass die Finanzkrise noch nicht vorbei ist. Die Bank meldete am Mittwoch einen Verlust von 578 Millionen Dollar nach Zahlung der Dividende an die Aktionäre. Schuld an dem Minus seien vor allem Einbrüche auf dem Markt für Firmenimmobilien.

Morgan-Stanley-Zentrale: Millionen-Verlust im ersten Quartal
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Morgan-Stanley-Zentrale: Millionen-Verlust im ersten Quartal

Der Verlust fiel mit 57 Cent pro Aktie deutlich höher als von Analysten vorausgesagt aus. Die Experten hatten nur mit einem Minus von acht Cent gerechnet. Im Vergleichzeitraum des Vorjahres hatte Morgan Stanley noch 1,3 Milliarden Dollar Gewinn erzielt. Die Einnahmen brachen im ersten Quartal um 62 Prozent auf drei Milliarden Dollar ein. Um Kapital zu schonen, kürzt Morgan Stanley die Ausschüttung an die Aktionäre auf fünf Cent pro Anteilsschein.

Mehrere Erfolgsmeldungen von amerikanischen Banken hatten in den vergangenen Wochen die Hoffnung auf ein Abschwächen der Finanzkrise genährt (siehe Bildergalerie). Goldman Sachs Chart zeigen, J.P. Morgan Chase und Wells Fargo waren mit überraschend hohen Milliardengewinnen ins Jahr gestartet.

Experten hatten indes bereits gewarnt, dass einzelne gute Quartalszahlen noch kein genereller Auftakt einer Erholung der Branche sein müssten. Viele der US-Institute nutzen demnach verstärkt die gelockerten US-Bilanzierungsregeln, die es unter anderem ermöglichen, Abschreibungen aufzuschieben.

Analyst David Dietze von Point View Financial Services sagte, das unerwartet schwache Ergebnis zeige, dass Morgan Stanley im Vergleich zu Rivalen wie etwa Goldman Sachs in der Handelssparte schwächer dastehe. Carl Birkelbach von Birkelbach Management erklärte, die Bilanz öffne vielen Investoren nach einer Phase des Optimismus die Augen, dass die Krise noch nicht vorüber sei.

Die Aktien von Morgan Stanley verloren nach Börsenstart in den USA zeitweise mehr als sieben Prozent, erholten sich aber im weiteren Handelsverlauf. Die Papiere von Wells Fargo legten dagegen um 1,3 Prozent zu. Das Geldhaus bestätigte seine zu Beginn des Monats bekanntgegebenen guten Quartalszahlen.

Die viertgrößte US-Bank verbuchte zu Jahresbeginn einen Rekordgewinn von netto 3,05 Milliarden Dollar und Einnahmen von 21 Milliarden Dollar. Wells Fargo profitierte vor allem vom traditionellen Bankengeschäft und löste die Bank of America als größten Hypothekengeber in den USA ab.

Die amerikanischen Banken werden von den Regulierungsbehörden laut "Wall Street Journal" womöglich schon am Freitag vorab über die Ergebnisse der sogenannten "Stresstests" informiert. Mit der Untersuchung will die Regierung prüfen, wie widerstandsfähig die 19 größten Institute in Krisenzeiten sind. Ein Vertreter der Notenbank Fed hatte zuletzt erklärt, die Ergebnisse würden am 4. Mai veröffentlicht.

suc/AP/Reuters

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