Finanzkrise Neuer Börseneinbruch in Asien - Indien setzt Handel aus

Bombay 11 Prozent minus, Hongkong 8 Prozent, Tokio 5,5 Prozent - die globale Kurstalfahrt geht unvermindert weiter. In Indien wurde der Handel sogar vorübergehend ausgesetzt. Das sind desaströse Vorzeichen für den Dax und für die Wall Street, auf deren Auftaktkurs die Anleger gebannt starren.


Neu Delhi - Nach dem "Schwarzen Montag" folgt der "Schwarze Dienstag": In Asien und Australien stürzten die Kurse im Vormittagshandel bis zu zehn Prozent ab. Durch die neuen herben Verluste an den asiatischen Börsen ist der Deutsche Aktienindex (Dax Chart zeigen) erneut stark unter Druck. Die Agentur Finspreads taxierte den Dax am Morgen um 0,56 Prozent tiefer bei 6752 Punkten.

Ratloser indischer Trader an der Börse in Bombay: nach massiven Kursstürzen wurde der Handel für eine Stunde ausgesetzt
DPA

Ratloser indischer Trader an der Börse in Bombay: nach massiven Kursstürzen wurde der Handel für eine Stunde ausgesetzt

In Indien waren die Verluste so hoch, dass der Handel nur wenige Minuten nach Börsenöffnung für eine Stunde ausgesetzt werden musste. Der indische Leitindex Sensex brach kurz nach Handelsbeginn um 11,53 Prozent ein, fiel um 2029 auf 15.576 Punkte. Erst um 11 Uhr Ortszeit begann der Handel wieder. Der indische Finanzminister Palaniappan Chidambaram rief die Anleger zur Ruhe auf. Bereits gestern war der Sensex um 7,41 Prozent eingebrochen.

An der Börse in Tokio fielen die Kurse zu Beginn des Handels um mehr als vier Prozent. Der Nikkei Chart zeigen lag erstmals seit 26 Monaten unter der psychologisch wichtigen 13.000-Punkte-Marke. Gegen 14 Uhr Ortszeit (6 Uhr MEZ) notierte das Kursbarometer einen Verlust von 741 Punkten oder 5,56 Prozent beim Zwischenstand von 12.584 Punkten. Bereits gestern hatte der Nikkei zu Handelsschluss um 3,86 Prozent nachgegeben.

In Hongkong sackte der Index Hang Seng Chart zeigen um acht Prozent ab. In Singapur büßte der Straits-Times-Index zum Schluss des Morgenhandels 4,83 Prozent ein. Die Börse in Jakarta verzeichnete zu Handelsbeginn einen Kurssturz um 9,2 Prozent.

In Australien folgten die Börsenkurse ebenfalls dem Abwärtstrend aus den USA und Europa. Der All-Ordinaries-Index sank um 5,7 Prozent. In Neuseeland büßte der NZX50-Index im Vormittagsgeschäft fast vier Prozent ein.

"Globaler Dominoeffekt"

Die Reaktionen der Experten fielen düster aus: Japans Wirtschaftsministerin Hiroko Ota warnte vor einem "globalen Dominoeffekt". Koji Takeuchi, leitender Analyst des Mizuhu-Forschungsinstituts in Tokio, sagte: "Solange wir nicht einige positive 'Schockeffekte' wie etwa drastische Maßnahmen der US-Regierung bekommen, gibt es keine Hoffnung auf eine Kurserholung."

"Das Minus in Tokio könnten wir noch verkraften, aber Indien und China mit rund elf und acht Prozent sind schon heftig", kommentierte ein weiterer Börsianer. Nun komme es auf die Eröffnung der US-Börsen an - darauf wie sich der Dow Jones Chart zeigen entwickelt und darauf ob die US-Notenbank Fed möglicherweise eine Notzinssenkung bekanntgibt. Allein: Vorbörsliche Indikatoren deuten eher auf einen Rückgang des Dow Jones um bis zu 4,1 Prozent hin.

Aus Angst vor einer weltweiten Rezession waren gestern die Aktienkurse an vielen Börsen eingebrochen. Die Börsen in den USA waren wegen des Martin-Luther-King-Feiertags geschlossen. Deswegen wurde mit Spannung der heutige Handel erwartet.

Der Dax stürzte gestern so stark ab wie seit den Anschlägen in New York am 11. September 2001 nicht mehr. Er schloss über sieben Prozent im Minus bei 6790 Punkten. Laut "Financial Times Deutschland" vernichtete der Crash gut 63 Milliarden Euro Börsenwert. Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) warnte vor einer Börsenpanik.

Die schwersten Verluste mussten Finanztitel einstecken: Investoren fürchten, dass sich in zahlreichen Bilanzen weitere Risiken aus der US-Finanzkrise verbergen. Viele halten das von US-Präsident George W. Bush angekündigte Konjunkturprogramm für nicht ausreichend. In Deutschland drückte zudem eine Ankündigung der WestLB-Bank den Kurs: Das Institut hatte gestern Milliardenverluste bekanntgegeben.

ssu/asc/AFP/AP/dpa



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