Finanzkrise Noch mehr Landesbanken wollen Hilfe vom Staat

Drei Landesbanken gingen voran, jetzt ziehen drei weitere nach: Laut "Bild"-Zeitung wollen nun auch die Nord LB, die LBBW und die Helaba Hilfe vom Staat. Grund ist nicht nur die relativ schwache Kapitalbasis der Institute - sondern auch ein Konkurrenzkampf um Kreditkunden.


Hamburg - Inzwischen erwägen auch die hessisch-thüringische Helaba, die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) und die NordLB, Hilfen aus dem Rettungspaket der Bundesregierung in Anspruch zu nehmen. Die "Bild"-Zeitung berichtet unter Berufung auf Finanzkreise, dass bei diesen drei Landesbanken entsprechende Schritte geprüft würden. Schon kommende Woche könnte die Bereitstellung von Bürgschaften beantragt werden.

Helaba (in Offenbach): Sorge vor Wettbewerbsnachteilen
AP

Helaba (in Offenbach): Sorge vor Wettbewerbsnachteilen

Mit den Hilfen wollten die Banken unter anderem ihre finanzielle Basis stärken und verhindern, dass sie Kredite künftig zu schlechteren Konditionen vergeben müssten als die Konkurrenten BayernLB, HSH Nordbank und WestLB, die sich bereits zur Inanspruchnahme staatlicher Hilfe entschlossen haben, hieß es. Außerdem gehe es darum, weiterhin ausreichend Mittel für die Kreditvergabe an mittelständische Unternehmen zur Verfügung zu stellen und für mögliche Kreditausfälle im Zuge der Finanzkrise vorzusorgen.

Die Helaba dementierte den Bericht der "Bild"-Zeitung allerdings. Aktuell sei nicht beabsichtigt, das Rettungspaket zu nutzen. "Die Helaba sieht nach wie vor keinen Grund, Instrumente des Finanzmarktstabilisierungsfonds in Anspruch zu nehmen", hieß es in einer am Freitag veröffentlichten Presseerklärung. Allerdings beobachte man die möglichen Veränderungen des Wettbewerbsumfeldes. "Sollten Nachteile erkennbar werden, wird die Helaba prüfen, ob die Inanspruchnahme von Instrumenten des Stabilisierungsfonds diese ausgleichen können."

Die HSH Nordbank meldete derweil höheren Kapitalbedarf an und setzte damit die Eigentümer - die Bundesländer Schleswig-Holstein und Hamburg, die Sparkassen sowie private Investoren - unter Zugzwang. Diese müssten nun entscheiden, ob sie selbst Kapital zuschießen oder den Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (SoFFin) des Bundes in Anspruch nehmen wollen. "Wir brauchen neues Kapital, um uns zukunftbezogen aufzustellen", sagte Bankchef Hans Berger am Donnerstag in Kiel. Ein neuer Investor für eine Erhöhung des Eigenkapitals käme ebenso in Frage.

Die Landesbank Berlin teilte dagegen mit, eine "Inanspruchnahme des von der Bundesregierung zur Verfügung gestellten Schirmes ist aus heutiger Sicht weder geplant noch erforderlich". Gleichzeitig gibt sie aber wegen der Finanzkrise ihr Gewinnziel für das laufende Jahr auf. Das ursprünglich angestrebte operative Ergebnis von 250 Millionen Euro für 2008 werde revidiert, da es nicht mehr erreichbar sei, erklärte das Institut am Donnerstagabend in einer Pflichtmitteilung. Angesichts deutlicher Belastungen durch die jüngste Zuspitzung der Finanzkrise werde die Bank in den ersten neun Monaten des Jahres ein annähernd ausgeglichenes Ergebnis erzielen. Das Geldhaus will seinen Zwischenbericht am 14. November vorlegen.

Die Landesbanken in der Übersicht
BayernLB
Die BayernLB gehört über die BayernLB Holding AG zu rund 94 Prozent dem Freistaat Bayern und zu rund sechs Prozent dem Sparkassenverband Bayern. mehr auf der Themenseite...
Bremer Landesbank
Die Bremer Landesbank Kreditanstalt Oldenburg Girozentrale gehört zu 92,5 Prozent der Nord/LB. Das Land Bremen hält einen Anteil von 7,5 Prozent. mehr auf der Themenseite...
HSH Nordbank
Die HSH Nordbank ist aus der Hamburgischen Landesbank und der Landesbank Schleswig-Holstein hervorgegangen. Als einzige Landesbank hat sie einen privaten Anteilseigner: Der US-Investor JC Flowers hält 9,2 Prozent der stimmberechtigten Anteile. Die Hansestadt Hamburg hält 10,9 Prozent, 15 Prozent gehören dem Land Schleswig-Holstein und den Sparkassen des Landes. Der Hauptanteil von 64,2 Prozent wird vom HSH Finanzfonds, einer gemeinsamen Anstalt der Länder Hamburg und Schleswig-Holstein, gehalten.mehr auf der Themenseite...
Landesbank Baden-Württemberg
Die LBBW ist die größte deutsche Landesbank und gehört zu jeweils 35,6 Prozent dem Land Baden-Württemberg und den Sparkassen des Landes. Die Stadt Stuttgart hält 18,9 Prozent, die rheinland-pfälzischen Sparkassen und die Landeskreditbank Baden-Württemberg halten je 4,9 Prozent. mehr auf der Themenseite...
Landesbank Berlin
Die LBB gehört seit 2007 zu 98,6 Prozent dem Deutschen Sparkassen- und Giroverband und damit allen deutschen Sparkassen. Die restlichen 1,4 Prozent sind Streubesitz. mehr auf der Themenseite...
Landesbank Hessen-Thüringen
Die Helaba, offiziell Landesbank Hessen-Thüringen, gehört zu 85 Prozent dem Sparkassen- und Giroverband Hessen-Thüringen. Das Land Thüringen ist mit fünf Prozent beteiligt, Hessen mit zehn Prozent. mehr auf der Themenseite...
Norddeutsche Landesbank
Die Nord/LB gehört zu 41,8 Prozent dem Land Niedersachsen. Die niedersächsischen Sparkassen halten 37,3 Prozent, überdies sind die Sparkassen von Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern beteiligt. mehr auf der Themenseite...
Landesbank Saar
Noch gehört die SaarLB zu 75,1 Prozent der BayernLB. Weitere Anteilseigner sind der Sparkassenverband Saar und das Bundesland Saarland. Doch die BayernLB will sich in den kommenden Jahren schrittweise vollständig von dem Institut trennen. mehr auf Wikipedia...
WestLB
Die beiden nordrhein-westfälischen Sparkassenverbände, Rheinischer Sparkassen- und Giroverband (RSGV) sowie Westfälisch-Lippischer Sparkassen- und Giroverband (WLSGV), halten je über 25 Prozent der Anteile, das Land Nordrhein-Westfalen hält 17,4 Prozent, die NRW-Bank 31,1 Prozent. Eigentümer der NRW-Bank sind das Land Nordrhein-Westfalen mit 98,6 Prozent sowie die beiden Landschaftsverbände Rheinland und Westfalen-Lippe mit jeweils 0,7 Prozent. mehr auf der Themenseite...

kaz/dpa-AFX/dpa/Reuters

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