Finanzkrise Panik an der Börse - Dax rutscht unter 7000 Punkte

"Nackte Panik", "unfassbar", "massiver Ausverkauf": An der Börse herrscht der Ausnahmezustand. Binnen vier Stunden brach der Dax um mehr als sieben Prozent ein. Es war der größte Tagesverlust seit den Anschlägen vom 11. September 2001.


Frankfurt am Main - Aktienmarkt im freien Fall: Die anhaltende Angst der Anleger vor einer US-Rezession hat den Dax Chart zeigen unter 7000 Punkte gedrückt. In der Spitze sackte der er um mehr als 500 Punkte, rund sieben Prozent, ab. Es war der größte Tagesverlust seit den Anschlägen vom 11. September 2001. Der Nebenwerteindex MDax Chart zeigen rutschte um fünf Prozent auf 8002 Punkte ab, der TecDax Chart zeigen gab fast neun Prozent nach. "Hier herrscht die nackte Panik - wir sehen den klassischen Crash", sagte ein Händler.

Frankfurter Börse: Massiver Ausverkauf auf dem Parkett
REUTERS

Frankfurter Börse: Massiver Ausverkauf auf dem Parkett

Seit Jahresbeginn hat der Leitindex inzwischen knapp zehn Prozent eingebüßt - vor gut drei Wochen noch lag der Dax bei über 8000 Punkten. "Es findet ein massiver Ausverkauf statt", sagt ein Börsianer. "Unfassbar!", kommentiert ein zweiter. "Dazu fällt mir nichts mehr ein." Ein dritter sagt, die Banken hätten derzeit jedes Vertrauen verspielt. Ein Boden des Sinkflugs sei der Zeit nicht in Sicht.

Analysten kommentieren die Lage ebenso düster: Experten von JP Morgan Asset Management sagen, die Stimmung der Investoren habe inzwischen ein "Panik-Level" erreicht. Dennis Nacken, Fondsmanager von Allianz Global Investors, deutet schon die Weltrezession an: Die in den USA sei schon fast "eingepreist", jetzt greife "die Angst vor einer Übertragung der Konjunkturabkühlung auf Europa und die Schwellenländer um sich".

Im Dax befanden sich vor allem Finanzwerte im freien Fall: So rutschten die Aktien der Commerzbank Chart zeigen um 5,69 Prozent auf 19,88 Euro - zeitweise wurden sie zum niedrigsten Kurs seit August 2006 gehandelt. Papiere der Deutschen Bank Chart zeigen gaben 6,01 Prozent auf 73,71 Euro ab. Finanzwerte standen besonders unter Druck, nachdem die WestLB am Morgen mitgeteilt hatte, eine Kapitalspritze in Milliardenhöhe zu benötigen. "Das sind keine guten Nachrichten", sagte ein Händler. Der angekündigte Verlust sei ein weiterer Beweis dafür, dass die aktuelle Skepsis gegenüber Finanztiteln gerechtfertigt sei.

Auch für die Papiere der Allianz Chart zeigen ging es mit minus 7,06 Prozent auf 123,79 Euro steil nach unten. Händler äußerten Sorgen über mögliche Belastungen der Allianz-Tochter Dresdner Bank. Die Allianz sage absolut nichts zur möglichen Belastung durch die Kreditkrise, moniert ein Börsianer. Gute Öffentlichkeitsarbeit sehe anders aus.

Die Commerzbank wurde von der Deutschen Bank Chart zeigen von "Buy" auf "Hold" herabgestuft. Da eine Rezession drohe, gebe es neue Risiken beim Vorsteuergewinn. Analyst Alexander Hendricks schätzt das Rezessionsrisiko auf 50 Prozent - und kürzte das Kursziel von 33 Euro auf 25,50 Euro. Auch andere Banken seien gefährdet, Ertragsschätzungen könnten teilweise um mehr als 30 Prozent abweichen. Hendricks senkte auch seine Kursziele für die Aareal Bank Chart zeigen, die Hypo Real Estate Chart zeigen und die Postbank Chart zeigen.

Der Dollar machte zu Wochenbeginn Boden auf den Euro Chart zeigen gut. Die Gemeinschaftswährung rutschte erstmals seit Ende Dezember unter die 1,45- Dollar-Marke auf 1,4482 Dollar. "Der Euro gerät auf den Prüfstand", sagte ein Devisenhändler. Händlern zufolge fürchteten Investoren allmählich, dass sich die Konjunkturabkühlung in den USA stärker als gedacht auch auf das europäische Wirtschaftswachstum auswirken könnte.

Tokio und Shanghai schließen mit deutlichen Verlusten

Auch die Vorgaben aus Asien wirken sich Experten zufolge negativ auf den Kurs aus. In der japanischen Hauptstadt fiel der Nikkei-Index Chart zeigen in der Nacht um 3,9 Prozent. Insgesamt verlor er 535,35 Punkte auf 13.325,94 Zähler. In Hongkong ging der Hang-Seng-Index um 2,3 Prozent auf 24.624,14 Punkte zurück.

Auch in Shanghai brachen die Aktienkurse ein: Der Shanghai Composite Index schloss mit einem Verlust von 5,14 Prozent bei 4914 Punkten. Der Composite Index der kleineren Börsen im südchinesischen Shenzhen rutschte bei Handelsschluss um 4,62 Prozent auf 1448 Punkte. Nach Angaben staatlicher Medien war es der bisher schwerste Kurssturz seit sechs Monaten. Es war von einem "schwarzen Montag" die Rede. Die Märkte in Südkorea, Australien, Singapur, Taiwan und den Philippinen rutschten ebenfalls ins Minus.

Experten zufolge befürchten Investoren, eine Rezession in den USA könne die Gewinne der Exporteure schmälern. Gut 145 Milliarden Dollar will US-Präsident George W. Bush in Form von Steuergeschenken in die US-Wirtschaft buttern - die Angst der Investoren vor einer Rezession in den USA hat das offenbar nicht zerstreut.

Selbst in den USA hatten die Anleger am Freitag mit Enttäuschung auf die Details des Konjunkturprogramms reagiert: Der Dow-Jones-Index Chart zeigen war mit einem Minus von 0,49 Prozent aus dem Handel gegangen. Der breiter gefasste S&P-500 verlor 0,6 Prozent; der Technologieindex Nasdaq Chart zeigen büßte 0,29 Prozent ein. Heute bleiben die US-Börsen aufgrund eines Feiertags zu Ehren von Martin Luther King geschlossen.

"Die Nervosität ist groß, da niemand weiß, wie es mit der US-Konjunktur weitergeht", sagte ein Händler am Freitag in New York. Daran ändere auch das geplante Milliarden-Programm zur Ankurbelung der Konjunktur nichts. "Die Tatsache, dass so ein Programm überhaupt nötig ist, ist negativ. Und Herr Bush wird mit seinem Zauberstab nicht alle Probleme lösen können."

ssu/AP/AFP/dpa-AFX/ddp/Reuters



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