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Finanzkrise: Spekulationen über Milliarden-Staatshilfe für Schaeffler und Conti

Hat sich Schaeffler an der Übernahme von Continental verhoben? Laut einem Zeitungsbericht ist die neue Gruppe inzwischen derart hoch verschuldet, dass die Bundesländer Bayern und Niedersachsen mit Steuergeldern einspringen wollen.

Hamburg/München - Es ist nicht das erste Mal, dass Schaeffler finanzielle Schwierigkeiten nachgesagt werden: Schon Mitte Dezember klaffte einem Zeitungsbericht zufolge ein Loch von vier bis sieben Milliarden Euro in den Kassen des fränkischen Familienunternehmens. Und es ist angeblich nicht kleiner geworden, wie es jetzt im "Handelsblatt" heißt: Nach der Übernahme des Autozulieferers Continental, die Anfang Januar abgeschlossen wurde, sei die neue Gruppe mit 22 Milliarden Euro verschuldet.

Continental-Werk in Regensburg: Nach der Übernahme durch Schaeffler soll der Autozulieferer angeblich Staatshilfe bekommen
DDP

Continental-Werk in Regensburg: Nach der Übernahme durch Schaeffler soll der Autozulieferer angeblich Staatshilfe bekommen

Die Regierungen von Bayern und Niedersachsen wollten deshalb jeweils eine halbe Milliarde Euro zuschießen, berichtet die Zeitung unter Berufung auf anonyme Quellen aus den Unternehmen. Aus Regierungskreisen heißt es, dass es noch offen sei, wie genau die Staatshilfe gestaltet werde - etwa ob es eine Bürgschaft, Garantien oder eine direkte Beteiligung geben soll. Schaeffler-Sprecher Detlef Sieverdingbeck wollte den Bericht des "Handelsblatts" auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE nicht kommentieren. Die bayerische Staatsregierung dementierte. "Natürlich finden Gespräche mit dem Unternehmen statt", sagte ein Sprecher der Staatskanzlei am Sonntag in München. "Es gibt aber keinerlei Vereinbarung oder Zusagen."

Nach Angaben des "Handelsblatts" existiert jedoch eine Vereinbarung zwischen Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) und Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU): Bayern werde Schaeffler (Sitz in Herzogenaurach) helfen, Niedersachsen solle den in Hannover angesiedelten Autozulieferer Continental stützen. Wie die Zeitung unter Berufung auf Verhandlungskreise weiter berichtet, sei es Wulffs Bedingung gewesen, dass der traditionelle Kern von Continental, die Pkw- und Lkw-Reifensparten, aus der Gruppe herausgelöst und unter Führung des langjährigen Aufsichtsratsvorsitzenden Hubertus von Grünberg weitergeführt werden. In der Reifensparte arbeiten rund 70.000 der insgesamt 145.000 Conti-Beschäftigten.

Unternehmen beenden wochenlangen Konflikt

Von Grünberg war erst am Samstag nach einem Machtkampf mit der Schaeffler-Führung vom Aufsichtsratvorsitz zurückgetreten. Neuer Chef des Kontrollgremiums soll überraschend der Schaeffler-Berater Rolf Koerfer werden. Schaeffler zieht mit insgesamt vier Vertretern in den Aufsichtsrat ein, darunter Eigentümerin Maria-Elisabeth Schaeffler. Beide Unternehmen erklärten am Samstag ihren wochenlangen Machtkampf für beendet und wollen angesichts der dramatischen Autokrise die Kooperation ihrer Automobilsparten vorantreiben.

Schaffler und Conti wollen nun neben Bosch einen "zweiten globalen Champion im Automobilzuliefergeschäft" in Deutschland schaffen. Conti-Vorstandschef Karl-Thomas Neumann soll Konzepte für eine Kooperation zwischen den Autosparten erarbeiten. "Um dieses Ziel zu erreichen, müssen wir alle an einem Strang ziehen. Und das können wir jetzt." Firmeneigentümerin Maria-Elisabeth Schaeffler sagte: "Ich freue mich sehr, dass das, was gut zusammenpasst, jetzt zusammenwachsen kann." Sie hatte an der Krisensitzung des Conti-Aufsichtsrats teilgenommen. Das Familienunternehmen aus Herzogenaurach hält 49,9 Prozent an der Conti. Mit den Ergebnissen der Krisensitzung sei das Kriegsbeil zwischen Conti und Schaeffler begraben, hieß es aus Kreisen beider Konzerne.

Die Schaeffler-Gruppe hatte in dem seit Wochen andauernden Machtkampf um die Zukunft der Conti den Rücktritt von Grünbergs gefordert. Die Gruppe hatte von Grünberg vorgeworfen, dieser sabotiere systematisch gemeinsame Lösungen und verfolge eigene Interessen, das Vertrauen sei zerstört. Falls von Grünberg nicht zurücktrete, behalte sich die Gruppe das Recht vor, alle zehn Sitze der Anteilseigner im Aufsichtsrat neu zu besetzen. Im Conti-Umfeld hatte es geheißen, dies wäre ein Bruch der im Sommer 2008 nach einer wochenlangen Übernahmeschlacht vereinbarten Investorenvereinbarung.

Mit dem nun gefundenen Kompromiss könnten beide Seiten gut leben. Sowohl Conti und Schaeffler sind hoch verschuldet, die Finanz- und Autokrise hat sie mit voller Wucht erwischt.

mbe/dpa

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