Finanzkrise US-Notenbank senkt erneut Leitzins

Siebte Senkung in Folge: Als Reaktion auf die anhaltenden Turbulenzen an den Finanzmärkten hat die US-Zentralbank den Leitzins um einen Viertel Prozentpunkt gesenkt. Damit liegt er jetzt bei zwei Prozent - das ist der niedrigste Stand seit Ende 2004.


Washington - Die US-Zentralbank hat am Mittwoch den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte auf jetzt zwei Prozent gesenkt. Wegen der anhaltenden Finanzmarktkrise wurde die Entscheidung von Experten erwarten.

Wall Street in New York: Siebte Leitzinssenkung in Folge

Wall Street in New York: Siebte Leitzinssenkung in Folge

Es ist die siebte Zinssenkung seit August 2007 - und möglicherweise die letzte in diesem Jahr. Analysten rechnen damit, dass die Federal Reserve (Fed) danach eine Pause einlegt und den Zinssatz zunächst unverändert lässt. Hintergrund sind wachsende Inflationssorgen, vor allem wegen des Preisauftriebs auf dem Energie- und Nahrungsmittelsektor.

In ihrer Erklärung räumte die Fed ein gewisses Inflationsrisiko ein. "Die Ungewissheit hinsichtlich der Inflationsentwicklung bleibt hoch", hieß es in dem Kommuniqué. Die Bank werde "wie erforderlich handeln, um nachhaltiges Wirtschaftswachstum und Preisstabilität zu fördern". Sie erwarte aber "in den kommenden Monaten eine Minderung der Inflation".

Seit vergangenen September hatte die Fed den Leitzinssatz von damals 5,25 Prozent fast im Monatsrhythmus abgesenkt. Ein klares Signal, dass die Serie der Zinsschnitte nun beendet sei, ging von der Erklärung nicht aus.

Die New Yorker Börse begrüßte die neuerliche Zinssenkung. Nach der Entscheidung bauten die US-Börsen ihre Gewinne aus. Der Dow Jones Chart zeigenlegte rund ein Prozent zu und stieg zwischenzeitlich über 13.000 Punkte.

Abstand zum Euro-Raum vergrößert sich

Mit der Entscheidung der Fed vergrößert sich der Zinsabstand zum Euro-Raum weiter. Dort liegt der Leitzins seit vergangenen Sommer bei vier Prozent. Die EZB hatte unter Hinweis auf Inflationsgefahren bislang von Zinssenkungen Abstand genommen. Finanzanlagen in Euro sind für Investoren wegen der höheren Zinsen attraktiver als in Dollar, was die seit Monaten schwächelnde US-Währung zusätzlich unter Druck setzt.

Für eine Zinssenkungspause spricht auch, dass die US-Konjunktur sich bislang robuster zeigt als von vielen angenommen. Die befürchtete Rezession ist bislang ausgeblieben.

Die Aufgaben der Fed und der EZB
Der Auftrag der Europäischen Zentralbank (EZB) ist im EU-Vertrag festgelegt. Dort heißt es: "Das vorrangige Ziel der EZB ist es, die Preisstabilität zu gewährleisten." Zugleich soll die Notenbank die allgemeine Wirtschaftspolitik des Währungsraums unterstützen - allerdings nur soweit, falls hierdurch nicht das Ziel stabiler Preise beeinträchtigt wird. Durch diese Formulierung wird dem Ziel stabiler Preise Vorrang gegenüber weiteren Zielen eingeräumt.
Die EZB ist laut EU-Vertrag aber auch für die Stabilität des Finanzsystems mitverantwortlich. Eine Aufgabe, die gerade in Zeiten starker Turbulenzen an den Finanzmärkten besonders wichtig ist.
Die US-Notenbank Federal Reserve Banks (Fed) sieht sich im Gegensatz zur EZB mehreren Aufgaben gegenübergestellt. Der Federal Reserve Act schreibt drei allgemeine Ziele vor: Demnach soll die Fed mit ihrer Geldpolitik sowohl eine "maximale Beschäftigung" als auch stabile Preise und langfristig moderate Zinsen gewährleisten. Ungeachtet der Tatsache, dass das Wachstumsziel in der Aufzählungsreihenfolge vor dem Ziel der Sicherung stabiler Preise rangiert, können sich aus diesem Zielkatalog Probleme ergeben. So hat das Preisniveau in den USA in den vergangenen Monaten merklich angezogen. Zugleich hat sich aber auch das Wirtschaftswachstum der Vereinigten Staaten seit dem Ausbruch der Hypothekenkrise im vergangenen Sommer erheblich abgeschwächt. Das Dilemma: Zur Sicherung der Preisstabilität müsste die Notenbank eigentlich die Leitzinsen anheben, angesichts der aktuellen Wachstumsschwäche wären hingegen Zinssenkungen angebracht. Wie ein Blick in die Vergangenheit und auch die jüngsten Entwicklung zeigt, misst die Fed im Zweifel dem Wachstumsziel eine höhere Bedeutung bei als dem Ziel stabiler Preise.

Von dem neuerlichen Zinsschnitt erhofft sich die Fed nach eigenen Angaben einen Impuls für die US-Wirtschaft, deren Wachstum im ersten Quartal 2008 wie im Vorquartal bei relativ schwachen 0,6 Prozent verharrte. Die Entwicklung der US-Wirtschaft bewerteten die Fed-Experten als "weiterhin schwach", auch für die kommenden Quartale prognostizierten sie wegen der Korrektur am US-Immobilienmarkt und der Kreditknappheit Belastungen für das Wirtschaftswachstum.

Gedämpft wurde das Wirtschaftswachstum vor allem durch die schwachen Konsumausgaben. Der Zuwachs sank auf das niedrigste Niveau seit der Rezession im Jahr 2001. Die Konsumausgaben sind im ersten Quartal 2008 lediglich um 1,0 Prozent gestiegen, nachdem sie im vierten Quartal noch um 2,3 Prozent zugelegt hatten.

Die Zinssenkungspolitik der vergangenen Monate dürfte nach Einschätzung der Fed aber dazu beitragen, "mit der Zeit ein gemäßigtes Wachstum zu fördern und die Risiken für wirtschaftliche Aktivität zu vermindern".

amz/ase/AP/dpa



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