Finanzkrise US-Notenbankchef warnt vor Wirtschaftsflaute

Die Finanzkrise trifft die US-Wirtschaft schwerer als bislang angenommen. Notenbankchef Ben Bernanke sieht das Wachstum noch in diesem Jahr weiter abnehmen. Der Währungshüter drängt deshalb zur Eile bei der Umsetzung des Banken-Rettungsplans - doch der Kongress bremst.


Washington - US-Notenbankchef Ben Bernanke hat böse Vorahnungen: "Die Abwärtsrisiken für die Wachstumsaussichten sind weiterhin besorgniserregend", sagte er vor dem Wirtschaftsausschuss des US-Kongresses in Washington. Was er meint: Die anhaltende Finanzkrise könnte die angeschlagene US-Wirtschaft weiter belasten. Seiner Meinung nach stehen die Märkte bereits unter "erheblicher Anspannung".

US-Notenbankchef Ben Bernanke: "Märkte unter Anspannung"
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US-Notenbankchef Ben Bernanke: "Märkte unter Anspannung"

Die jüngste Verschärfung der Finanzkrise dürfte demnach das Kreditangebot beeinträchtigen und das Wirtschaftswachstum deutlich reduzieren. Dies war die bislang negativste Einschätzung des Chefs der US-Notenbank Fed seit Beginn der Kreditkrise vor gut einem Jahr.

Vor dem Wirtschaftsausschuss vom US-Senat warb Bernanke erneut dafür, dass das 700 Milliarden Dollar schwere Rettungspaket der US-Regierung möglichst schnell verabschiedet werde. Hohe Regierungsbeamte rechnen bis Freitag mit einem Beschluss zu dem Hilfspaket, das ein Befreiungsschlag für die schwer unter Druck geratenen US-Banken sein soll.

Der Bankenausschuss des US-Senats hat allerdings ernste Bedenken gegen den Rettungsplan von US-Finanzminister Henry Paulson angemeldet. Das Hilfspaket sei in seiner derzeitigen Form "nicht akzeptabel", sagte der Ausschussvorsitzende Chris Dodd nach Paulsons Anhörung vor dem Gremium. Sowohl Demokraten als auch Republikaner hätten Bedenken gegen die Regierungspläne geäußert.

"Extrem fehlerhafter" Plan

Auch der frühere US-Präsident Jimmy Carter kritisierte den 700-Milliarden-Dollar-Plan als "extrem fehlerhaft". Der demokratische Politiker sagte, Finanzminister Henry Paulson habe seine Initiative in nur drei Seiten skizziert. "Das gibt ihm diktatorische Vollmacht ohne Aufsicht." Paulsons Plan würde jede amerikanische Familie 10.000 Dollar kosten. Zwar müsse gehandelt werden, um die angeschlagenen Kreditmärkte zu erhalten, sagte Carter. Er sei aber skeptisch, ob das mit Paulsons Plan gelingen könne.

Die Finanzkrise der Banken und Versicherer in den USA hat zuletzt weltweit für Turbulenzen den Börsen gesorgt. Wegen der Krise ermittelt inzwischen die US-Bundespolizei FBI. Die Organisation nimmt die Unternehmensführungen von 26 Wall-Street-Unternehmen unter die Lupe. Einem Bericht des US-Fernsehsenders CNN zufolge wird wegen Betrugsverdachts ermittelt, unter anderem gegen die inzwischen insolvente Investmentbank Lehman Brothers, die Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac sowie den Versicherungsriesen AIG.

AIG hat sich inzwischen den Notfallkredit der US-Notenbank Fed über 85 Milliarden Dollar gesichert. AIG-Chef Edward Liddy habe eine bindende Vereinbarung über das Rettungspaket unterzeichnet, heißt es. Im Gegenzug für den Rettungskredit der Fed mit zweijähriger Laufzeit übernimmt die Notenbank knapp 80 Prozent an dem Versicherer. Die staatlichen Zinsen von derzeit elf Prozent für den Kredit sollen den hohe Verluste schreibenden Konzern dazu bringen, das Darlehen mit Hilfe von Geschäftsverkäufen so schnell wie möglich zurückzuzahlen.

cvk/Reuters/dpa-AFX

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