Finanzkrise Web-Bank zieht Kreditkarten ein - UBS drohen Ermittlungen

Finanzkrise und kein Ende: Eine britische Internetbank, Tochter der Citigroup, entzieht 160.000 Kunden die Kreditkarte - eine einmalig drastische Aktion. Dem Finanz-Schwergewicht UBS droht juristischer Ärger in den USA. Für die deutschen Banken beginnen Wochen der Wahrheit.


London - Die Internetbank Egg greift durch. Die britische Citigroup Chart zeigen-Tochter will rund sieben Prozent ihrer zwei Millionen Kunden die Kreditkarte sperren. Offenbar haben es Egg und Mutterkonzern Citi mit der Angst zu tun bekommen - sie fürchten, die Risikokunden könnten sich übernehmen und ihre Darlehen nicht zurückzahlen können. Offiziell heißt es: Das Kreditrisiko der "riskanten" Kunden sei zu hoch.

Anspannung an New Yorker Börse: Lösen Autodarlehen und Kreditkarten in Amerika die nächste Schockwelle für die Weltmärkte aus?
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Egg teilte zwar mit, der Schritt habe nichts mit der weltweiten Kreditkrise zu tun. Es handele sich bloß um eine "Neubewertung der Risiken", nachdem Egg im vergangenen Jahr von der Citigroup gekauft worden war. Die Maßnahme zeigt aber, dass Banken weltweit konservativer bei der Darlehensvergabe werden und hart gegen Risikokunden durchgreifen.

Die Egg-Mutter Citi hatte sich bei riskanten Kreditgeschäften so sehr verhoben, dass an den Finanzmärkten sogar zeitweise Insolvenzgerüchte zirkulierten. Citi hat im Zuge der Kreditkrise mehr als 18 Milliarden Dollar abschreiben müssen und damit einen Verlust im vierten Quartal von rund zehn Milliarden Dollar verbucht. Mit der Wahrheit über das Ausmaß der Krise rückte Citi nur scheibchenweise heraus. Egg will die Karten innerhalb von 35 Tagen sperren, die Kunden wurden bereits angeschrieben.

Ermittlungen: Gab die UBS zu hohe Werte für Derivate an?

Auch die juristische Aufarbeitung der Kreditkrise kommt in Gang. Die US-Staatsanwaltschaft hat laut "Wall Street Journal" die Schweizer Großbank UBS Chart zeigen ins Visier genommen - wegen ihrer Geschäfte auf dem US-Hypothekenmarkt. Dabei gehe es um die Frage, ob die Bank Investoren gegenüber bewusst zu hohe Bewertungen für Derivate genannt hat - obwohl sie genau wusste, dass die Papiere weniger wert waren.

Die UBS war zunächst nicht zu erreichen.

Die Staatsanwaltschaft habe noch keine Zwangsmaßnahmen eingeleitet, hieß es. Die Ermittler aus New York arbeiteten eng mit der US-Börsenaufsicht SEC zusammen, die kürzlich ihre Untersuchungen gegen UBS und auch gegen Merrill Lynch Chart zeigenausgeweitet hatte. Ein Merrill-Lynch-Sprecher lehnte eine Stellungnahme ab.

Deutsche Bank und Commerzbank ziehen Bilanz

Die Abschreibungen bei der UBS wegen der Krise auf dem US-Hypothekenmarkt summieren sich inzwischen auf 18,4 Milliarden Dollar - damit ist die Bank am stärksten von allen europäischen Kreditinstituten von den Subprime-Problemen betroffen. Der Schweizer Finanzminister Hans-Rudolf Merz bezeichnete es im "SonntagsBlick" als alarmierend, dass dies in der Schweizer Bank-Kultur passieren könne. Allerdings seien weder die UBS noch das Finanzzentrum in Gefahr.

Derzeit versuchen alle Banken, ihre Risiken zu minimieren, um nicht noch tiefer in den Krisensumpf gezogen zu werden. In dieser Woche zieht die Deutsche Bank Chart zeigenals erste deutsche Großbank Bilanz des Krisenjahres 2007 - eine Woche später folgt die Commerzbank Chart zeigen. Die Branche hofft, dass mit den Jahresabschlüssen an den seit Monaten hochnervösen Märkten endlich wieder Ruhe einkehrt. Skeptiker sehen aber noch lange kein Ende der Turbulenzen auf beiden Seiten des Atlantiks.

Es mehren sich Sorgen, dass nach dem aufgeblähten US-Häusermarkt nun Ausfälle bei Autodarlehen und Kreditkarten in Amerika die nächste Schockwelle für die Weltmärkte auslösen.

itz/Reuters/dpa



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