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Finanzkrise: Weltwährungsfonds warnt vor lang anhaltendem Abschwung

"Das wird für Europa schwierig": Der Chef des Weltwährungsfonds, Dominique Strauss-Kahn, erwartet langwierige Probleme der Weltwirtschaft - vor allem arme Staaten würden leiden. Hoffnungszeichen: In den USA haben sich Kongress und Regierung auf das 700-Milliarden-Paket zur Bankenrettung geeinigt.

Paris - Dominique Strauss-Kahn kann auf einen Machtzuwachs hoffen: Vieles spricht dafür, dass die Rolle des IWF wegen der globalen Finanzkrise bedeutender wird. Der deutsche Finanzminister Peer Steinbrück hat gerade erst im Bundestag eine Stärkung des Währungsfonds vorgeschlagen.

Nun hat sich der IWF selbst als Normengeber und Kontrolleur der krisenhaften Weltfinanzmärkte angeboten. "Wir sind in der Lage, den Kompromiss und das Allgemeininteresse zu definieren und zu garantieren", sagte IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn der Pariser Sonntagszeitung "Le Journal du Dimanche". Strauss-Kahn hat das US-Hilfspaket für die Finanzbranche begrüßt und vor einem langfristigen Abschwung der Weltwirtschaft gewarnt.

Börsenhändler (in Brasilien): "Ernsthafter Abschwung"
AFP

Börsenhändler (in Brasilien): "Ernsthafter Abschwung"

"Es hat ein ernsthafter und anhaltender Abschwung des weltweiten Wachstums begonnen", sagte der frühere französische Finanzminister. "Das wird für Europa schwierig und hier und dort noch schwieriger für bestimmte arme Länder.

Der IWF-Chef weiter: "Aber die Realwirtschaft wird nicht absinken. Die Währungen werden nicht zusammenbrechen. Den Zentralbanken gelingt es, die Finanzkrise zu managen."

Das Hilfspaket der US-Regierung könne den Weg für Absprachen auf internationalem Niveau ebnen, um die Turbulenzen an den Märkten zu überwinden, sagte Strauss-Kahn weiter. "Dieser Plan ist begrüßenswert, weil er global angelegt ist. Aber das kann nur der erste Schritt für ein internationales politisches Handeln sein." Priorität ist nach seinen Worten, dass die USA das Feuer zunächst löschen. Danach müsse das globale Finanzsystem reformiert werden.

Der US-Kongress und die Regierung haben sich nach tagelangen Verhandlungen inzwischen auf ein Rettungspaket für die krisengeschüttelten Banken geeinigt. Das Repräsentantenhaus könnte nun bereits am Sonntag über die Vorlage abstimmen, der Senat am Montag. Das Paket umfasst bis zu 700 Milliarden Dollar. Mit diesen Mitteln sollen Hypothekenpapiere der Banken aufgekauft werden, die nach dem Zusammenbruch des Immobilienmarktes drastisch an Wert verloren haben.

Die Präsidentin des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, sagte am Sonntag früh, das Abkommen müsse noch schriftlich fixiert werden. Grundlage ist ein Plan, den US-Präsident George W. Bush vor einer Woche vorgelegt hat. Die Demokraten forderten jedoch stärkere parlamentarische Kontrollbefugnisse bei der Umsetzung des Pakets und gleichzeitige Hilfen für verschuldete Hausbesitzer.

Die Mittel für den Aufkauf der Hypothekenpapiere sollen nicht auf einen Schlag, sondern schrittweise freigegeben werden. Die erste Hälfte von 350 Milliarden Dollar soll zur Verfügung gestellt werden, sobald dies vom Präsidenten beantragt wird. Die weiteren Mittel sind von der Zustimmung des Kongresses abhängig. Dabei kann der Präsident allerdings sein Veto gegen Blockaden des Parlaments einlegen.

itz/AP/Reuters/dpa

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