Finanzkrisen-Gewinnler Hedgefonds macht 1000 Prozent Rendite mit der Kreditkrise

Mitten in der Kreditkrise sorgt ein kalifornischer Hedgefonds für Überraschung: Er hat in diesem Jahr eine Rendite von 1000 Prozent erwirtschaftet - während die Immobilienpreise in den USA abstürzen. Der Fonds hat einfach klüger gewettet als die meisten Finanzprofis.


London - Fallende Häuserpreise, Zwangsversteigerungen, weltweite Kreditklemme: Die Immobilienkrise in den USA hat die internationale Finanzbranche in schwere Turbulenzen gestürzt. Doch ein Unternehmen hat dem Trend erfolgreich getrotzt: der Hedgefonds Lahde Capital mit Sitz im kalifornischen Santa Monica.

Verkaufsschild in Herndon, Virginia: Experten warnen vor einer Verschärfung der Krise
AFP

Verkaufsschild in Herndon, Virginia: Experten warnen vor einer Verschärfung der Krise

Gerade ein Jahr ist es her, dass Andrew Lahde das Unternehmen gegründet hat, da verzeichnet es schon eine Rekordrendite von 1000 Prozent. Wie die "Financial Times" berichtet, hat Lahde konsequent gegen den Markt gewettet - und gewonnen. Während andere Hedgefonds, Banken und Finanzinstitute im großen Stil in Risikokredite investierten, mied Lahde das sogenannte "Subprime"-Segment. Im Gegenteil: Andrew Lahde sah die heraufziehenden Probleme voraus und setzte auf einen Zusammenbruch des Marktes.

Lahde hatte, wie auch eine kleine Gruppe anderer Fondsmanager, Derivate gekauft, die auf einen Wertverlust der Billigkredite spekulierten. Das Gros des Marktes wettete hingegen auf ein immer weiteres Wachstum: Subprime-Kredite wurden mit Preisaufschlag von einer Bank zur nächsten weitergereicht.

"Unser gesamtes Bankensystem ist ein Desaster", schrieb Lahde in einem Brief an seine Anleger. "Meiner Meinung nach wären alle größeren Banken insolvent, wenn sie ihre Assets am Markt bewerten müssten." Die aktuelle Entwicklung gibt ihm nun Recht.

Angst vor der Rezession

Auch in diesen Tagen wächst die Furcht vor einer neuen Verschärfung der Krise. Insbesondere den USA könnte eine Rezession drohen, warnen Experten. "Eine Rezession wird derzeit eingepreist", sagte Jan Loeys, Volkswirt bei JP Morgan. In der vergangenen Woche seien die Märkte bereits in einen "virtuellen Panik-Modus" verfallen. Peter Sutherland, Chairman von Goldman Sachs, mahnte ebenfalls: "Die US-Wirtschaft befindet sich in schlimmem Zustand."

Beobachter warnen, dass Kredite noch knapper werden könnten - mit verheerenden Folgen für die Realwirtschaft. Wenn die Banken sich bei der Kreditvergabe zurückhalten, wird es für Unternehmen schwieriger, geplante Investitionen zu finanzieren. "Es ist eine gefährliche Phase für die Weltwirtschaft", sagte Sutherland.

Doch was die meisten Finanzleute in Angst und Schrecken versetzt, hat anderen hohe Gewinne gebracht. Denn neben dem Kalifornier Lahde haben auch andere Fonds auf ein Platzen der Subprime-Blase gewettet. In absoluten Zahlen machte John Paulson den größten Gewinn. Sein Unternehmen Paulson & Co. hat im vergangenen Jahr zwei Milliarden Dollar für zwei Fonds eingesammelt, um gegen die Immobilienblase zu wetten. Aktuell haben die Fonds einen Wert von acht Milliarden Dollar. Zusammen mit anderen Fonds hat Paulson durch die Kreditkrise insgesamt zwölf Milliarden Dollar gewonnen.

"Es gab in der Geschichte der Finanzmärkte noch nie einen Handelsgewinn in dieser Größenordnung", sagte Arki Busson, der Chairman der EIM Group, laut "Financial Times". Busson hat selbst bei Paulson investiert. Als dieser das Geld für seine neuen Fonds im vergangenen Sommer eingesammelt hatte, sagte er, dass er in seiner ganzen Karriere "noch nie eine solche Chance gesehen" habe.

Andere Beobachter sagen, dass die Krise auf dem Kreditmarkt nicht allzu schwer vorauszusehen war. Allerdings stellt sich dann die Frage, warum nicht mehr Finanzprofis so gewettet haben wie Paulson oder Lahde.

Inzwischen, mitten in der tatsächlich eingetretenen Krise, ist diese Erkenntnis Allgemeingut. Für Fondsmanager Lahde heißt das, dass er sich langsam wieder zurückzieht: Da, wo alle sind, hat er nichts verloren. Derzeit fängt Lahde an, das Geld seiner Anleger wieder auszuzahlen. "Die Risiko-Rendite-Chancen sind längst nicht mehr so attraktiv wie in der Vergangenheit." Er selbst werde einen Teil seiner Gewinne in Gold und andere Edelmetalle investieren.

wal



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