Finanzmarkt-Krise Deutsche Bank entdeckt Milliardenlöcher - UBS-Präsident tritt wegen neuer Verluste zurück

Sieben Milliarden Verlust bei der UBS, über zwei Milliarden Abschreibungen bei der Deutschen Bank: Zwei der größten europäischen Banken müssen neue Milliardenlöcher im ersten Quartal verkraften. Der Präsident des Schweizer Instituts tritt zurück - die Börse reagiert allerdings gelassen auf die Hiobsbotschaften.


Hamburg - Eigentlich sind es denkbar schlechte Nachrichten, die die Finanzwelt am heutigen Dienstag zum Auftakt des Börsenhandels erwartete: Im Abstand von nur knapp zwei Stunden rückten zwei der größten europäischen Banken damit heraus, dass sie weitere Abschreibungen auf Grund der weltweiten Finanzkrise vornehmen müssen. Beiden Banken drohen Verluste von mehreren Milliarden Euro auf Grund von Geschäften mit hochrisikoreichen Papieren aus dem US-Immobilienmarkt.

Neue Abschreibungen mit Folgen: UBS-Chef Marcel Ospel (l.) hat Rücktritt angekündigt, Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann bleibt fest im Sattel
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Neue Abschreibungen mit Folgen: UBS-Chef Marcel Ospel (l.) hat Rücktritt angekündigt, Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann bleibt fest im Sattel

Den Auftakt machte dabei die schweizerische Großbank UBS. Schon gestern hatten Gerüchte über neue Abschreibungen in Milliardenhöhe den Kurs der Aktie unter Druck gesetzt, heute kam dann die offizielle Bestätigung: Insgesamt 7,6 Milliarden Euro Verlust macht die Schweizer Großbank allein im ersten Quartal, wie das Geldhaus mitteilte. Der Fehlbetrag sei auf Verluste und Abschreibungen von risikoreichen Papieren aus dem US-Immobilienmarkt von insgesamt rund zwölf Milliarden Euro zurückzuführen.

Die Bank braucht deshalb dringend neues Geld: Man plane eine Kapitalerhöhung von 9,55 Milliarden Euro, hieß es dazu in Zürich. Auch personell wird sich die Krise bemerkbar machen: Verwaltungsratspräsident Marcel Ospel zieht die Konsequenzen und tritt zurück, wie die Bank am Dienstag weiter mitteilte. Er verzichtet auf eine neue Amtsperiode und stelle sich nicht zu Wiederwahl, teilte die UBS mit. Sein Nachfolger wird das bisherige Vorstandsmitglied Peter Kurer.

Knapp zwei Stunden später dann die zweite Hiobsbotschaft des Tages: Auch die Deutsche Bank, die bislang vergleichsweise glimpflich davongekommen war, musste neue Abschreibungen bekanntgeben. Das Finanzinstitut muss allein im ersten Quartal 2,5 Milliarden Euro verbuchen. "In den letzten Wochen haben sich die Bedingungen weiter erheblich verschlechtert", teilte die Bank mit. Daher erwarte Deutschlands größtes Geldhaus für die ersten drei Monate Belastungen von 2,5 Milliarden Euro.

Ackermann hatte gewarnt

Auch bei der Deutschen Bank kommen die Abschreibungen nicht ganz überraschend: Erst vor einer knappen Woche hatte Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann bei der Vorstellung des Geschäftsberichts vor weiteren Belastungen durch die Kreditkrise gewarnt und die Ziele für das laufende Jahr infrage gestellt. Die anhaltend schwierigen Marktbedingungen könnten im Investmentbanking zu weiteren Abschreibungen und rückläufigen Erträgen führen, sagte er.

Der deutsche Aktienmarkt reagierte allerdings erstaunlich auf die neuen Hiobsbotschaften: Der Dax stieg nach Handelsbeginn in den ersten drei Stunden um 1,5 Prozent auf 6633 Punkte. Damit schließt der Index sich soliden Vorgaben von Wall Street und aus Asien an.

Allerdings geben die neuen Milliardenlöcher auch anderen Finanzinstituten zu denken: Auch bei der Postbank scheint man sich inzwischen nicht mehr so sicher zu sein, welche Verluste noch aus den Geschäften mit den sogenannten Subprime-Krediten entstehen können. Ein Sprecher wiederholte frühere Aussagen zu möglichen weiteren Belastungen: "Wir haben immer gesagt, dass wir uns Belastungen nicht entziehen können. Es ist noch zu früh, diese zu quantifizieren."

Die Postbank hatte Mitte Februar mitgeteilt, dass sie mit insgesamt 112 Millionen Euro vergleichsweise geringe Wertminderungen verzeichne. Finanzchef Marc Heß hatte damals gesagt, die Postbank habe ihr Portfolio vor dem Hintergrund der Krise "sehr konservativ" bewertet. Allerdings könne niemand weitere Belastungen ausschließen - etwa wenn sich die Finanzmarktkrise auf die Realwirtschaft auswirke.

sam/Dow Jones/dpa-AFX

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