Finanzmisere Bankenkrise verschärft sich erneut

Der Finanzbranche stehen erneut schwere Wochen bevor: Der US-Investment-Bank Lehman Brothers drohen offenbar Milliardenverluste. Experten rechnen unterdessen auch mit Zusammenbrüchen bei den großen Geldhäusern.


New York/Frankfurt am Main - Die Aussichten für die Finanzbranche trüben sich einmal mehr ein. So sollen der angeschlagenen US-Investmentbank Lehman Brothers weitere Milliardenverluste drohen.

Handelsraum bei Lehman: Warnung vor dem Klopper
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Handelsraum bei Lehman: Warnung vor dem Klopper

Im Juni hatte Lehman mit 2,8 Milliarden Dollar erstmals in seiner Geschichte als börsennotiertes Unternehmen einen Verlust gemeldet. In Presseberichten war zuletzt auch von einem weiteren Milliarden-Minus im laufenden dritten Quartal die Rede.

Offenbar muss das Geldhaus zum Ausgleich nun Geschäftsteile veräußern. Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters erwägt Lehmann die teilweise Trennung von seiner Vermögensverwaltung.

Bis zur Vorlage seiner Geschäftszahlen Mitte September will Lehman offenbar eine Einigung erzielen. Deswegen habe die Bank bei verschiedenen potentiellen Käufern für die Sparte geworben. Als Adressaten werden die Finanzinvestoren Carlyle Group, Hellman & Friedman, General Atlantic, Kohlberg, Kravis & Roberts, J.C. Flowers sowie Apollo Management genannt.

Angesichts der neuen Hiobsbotschaften rechnen Experten wie Kenneth Rogoff, der ehemalige Chefökonom des Internationalen Währungsfonds (IWF), mit einer Verschärfung der Krise. "Die USA sind noch nicht über den Berg", sagte der Harvard-Professor am heutigen Dienstag bei einer Finanzkonferenz. "Ich würde sogar weitergehen und sagen: Das Schlimmste kommt noch", ergänzte Rogoff.

In den kommenden Monaten werde es nicht nur den Zusammenbruch einiger mittelgroßer Banken geben. "Es wird ein echter Klopper kommen, eine der großen Investmentbanken oder Großbanken." Auch an den Überlebenschancen der US-Hypothekengiganten Fannie Mae und Freddie Mac zweifelte Rogoff. Entgegen den Beteuerungen der US-Regierung dürften die Institute in einigen Jahren demnach nicht mehr in ihrer gegenwärtigen Form existieren.

Die Aktien der beiden Institute waren am gestrigen Montag in New York um mehr als 20 Prozent eingebrochen. Börsianer verwiesen auf einen Bericht des Magazins "Barron's", wonach eine Verstaatlichung durch die amerikanische Regierung immer wahrscheinlicher werde. Die zwei Finanzierer haben in den vergangenen zwölf Monaten mehr als 85 Prozent ihres Börsenwerts eingebüßt.

Bereits gestern reagierten die amerikanischen Aktienmärkte mit Verlusten auf die sich abzeichnende Verschärfung der Finanzkrise. Die deutschen Handelsplätze konnten sich dem Abwärtstrend heute zunächst ebenfalls nicht entziehen. Der Dax Chart zeigen verlor bis zum frühen Nachmittag 1,3 Prozent auf 6349 Punkte.

Wie in den USA gehörten vor allem Finanzwerte zu den Verlierern. Schwächster Titel im Leitindex waren die Aktien der Deutsche Börse Chart zeigen, die 4,1 Prozent auf 61,09 Euro verloren. Hypo Real Estate verbilligten sich um 3,6 Prozent auf 16,72 Euro und Deutsche Bank Chart zeigen gaben 3,5 Prozent auf 57,90 Euro nach.

suc/Reuters/dpa-AFX

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