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Finanzmisere: Dramatische IWF-Schätzung - Hypothekenkrise kostet eine Billion Dollar

Vor kurzem war noch von 600 Milliarden Dollar die Rede, jetzt korrigierte der Internationale Währungsfonds die Schätzung der Verluste abermals drastisch nach oben - auf nahezu eine Billion Dollar. IWF-Direktor Strauss-Kahn warnt vor weiteren Belastungen.

Washington - Die Zahlen lassen das Schlimmste befürchten: Denn anders als die Experten zuvor geht der IWF von erheblichen Schäden allein durch die Wertverluste des Immobilienvermögens aus. Sie könnten, so rechnete IWF-Direktor Dominique Strauss-Kahn vor, rund 565 Milliarden Dollar ausmachen. Die Ausfälle am Markt für Geschäftsimmobilien und bei Krediten für Konsumenten hinzugerechnet, könnte die Summe auf 945 Milliarden Dollar steigen. Zwar seien diese Schätzungen unpräzise, doch stehe der Finanzsektor vor weiteren Belastungen.

IWF-Direktor Strauss-Kahn: Finanzmärkte weisen dramatische Mängel auf
DPA

IWF-Direktor Strauss-Kahn: Finanzmärkte weisen dramatische Mängel auf

In seinem am heutigen Dienstag veröffentlichten Bericht zur Welt-Finanzstabilität beklagt der Fonds dramatische Mängel im weltweiten Finanzsystem und schlägt einschneidende Änderungen vor. Die aktuelle Krise habe die ganze Zerbrechlichkeit des Systems aufgezeigt. Dabei seien Grundsatzfragen zur Effizienz der Krisenreaktionen von privatwirtschaftlichen und staatlichen Institutionen aufgeworfen worden. Die Risiken für die Stabilität seien gestiegen. Bestehende Sorgen zur Stabilität des Gesamtsystems würden noch verschärft durch Verschlechterungen in Einzelbereichen, wie schlechteren Kreditqualitäten oder Liquiditätsproblemen auf der einen und Erschwernissen bei der Kreditbeschaffung auf der anderen Seite.

Die Herausforderung liege nun darin, schnelle Schritte zur Risikominderung einzuleiten, heißt es in dem IWF-Bericht. Es müssten Notfall- und Sanierungspläne entworfen werden. Zugleich müssten die Grundursachen für die Finanzkrise angegangen werden.

Kurzfristig sei es notwendig, Dauer und Tiefe der Krise zu mildern und das Vertrauen in die Finanzmärkte wiederherzustellen. So sollten die betroffenen Banken und Finanzfirmen ihre Verluste zeitnah offenlegen, Bankenbilanzen müssten schnell in Ordnung gebracht und das Risikomanagement verbessert werden.

Die Aufsichtsbehörden wiederum sollten für mehr Transparenz und für eine einheitlichere Bewertungspraxis von Risiken sorgen. Sie sollten ihre Aufsicht gerade im Hinblick auf die Kapitalunterlegung von Risiken verstärken und "Stabilitätsberichte" in Hinblick auf schwer zu bewertende strukturierte Finanzprodukte erstellen. Der Staat sollte zudem bereitstehen, um bei Kollapsgefahren von einzelnen Instituten schnell zu helfen.

Aber auch mittelfristig bedarf es laut IWF grundsätzlicher Korrekturen. Allerdings sollte die Politik es sich nicht zu einfach machen, indem sie vor allem auf der Regulierungsseite ansetzt. Einzelne IWF-Vorschläge für die Finanzwelt beinhalten die Standardisierung bestimmter Komponenten von strukturierten Finanzprodukten, die Herstellung von Transparenz der Einzelkomponenten von gemischten Produkten und eine Reform des Systems der Bonitätsbewertung (Rating). Auch auf staatlicher Seite seien Schritte geboten, etwa was Bewertungs- oder Aufsichtsfragen angehe. Daneben empfiehlt der IWF etliche Detailverbesserungen beim Liquiditätsmanagement. Auch die Notenbanken müssten ihr Instrumentarium im Lichte der jüngsten Erfahrungen überprüfen.

mik/Reuters/dpa

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