Finanzrettungsplan Bush und Paulson stimmen US-Steuerzahler auf Milliardenbelastungen ein

Gleich beide eilten vor die Kameras: US-Finanzminister Paulson und Präsident Bush haben ein Hunderte Milliarden schweres Rettungspaket für US-Banken angekündigt. Der Steuerzahler werde belastet - doch die Alternative sei der Kollaps weiterer Geldinstitute.


Washington - Es ging nicht um Details, sondern darum, Mut zuzusprechen und Optimismus zu verbreiten. Deshalb ließ es sich US-Präsident George Bush nicht nehmen, höchstpersönlich der Finanzkrise vor der Kamera den Kampf anzusagen - zuvor hatte schon Finanzminister Henry Paulson zur Presse gesprochen. Die beiden Politiker kündigten ein gigantisches Rettungsprogramm für US-Banken an - nur so könne das Finanzsystem und "die gesamte amerikanische Wirtschaft" gerettet werden, sagte Bush. "Diese Maßnahmen erfordern es, eine beträchtliche Summe an Geld der Steuerzahler zur Verfügung zu stellen." Die kostspieligen Eingriffe der Regierung brächten ein "Risiko" mit sich - auf lange Sicht sei aber zu erwarten, "dass dieses Geld letztlich zurückgezahlt wird".

US-Präsident Bush: "Diese Maßnahmen erfordern es, eine beträchtliche Summe an Geld der Steuerzahler zur Verfügung zu stellen"
REUTERS

US-Präsident Bush: "Diese Maßnahmen erfordern es, eine beträchtliche Summe an Geld der Steuerzahler zur Verfügung zu stellen"

Auch Paulson sagte: "Ich bin überzeugt, dass dieser mutige Ansatz die amerikanischen Familien weniger kosten wird als die Alternative: Eine fortgesetzte Konkursserie von Finanzinstituten und eingefrorene Kreditmärkte, die unfähig sind, das Wirtschaftswachstum zu finanzieren."

Die genauen Inhalte des Programms müssen am Wochenende noch verhandelt werden - klar ist laut Paulson nur: Der Staat wird für Hunderte Milliarden Dollar notleidende Kredite aufkaufen müssen, wenn die Finanzbranche gerettet werden soll. Nach Einschätzung von Richard Shelby, des republikanischen Senators des US-Bundesstaats Alabama, könnte der Plan eine Billion Dollar kosten.

Den Aufkauf sollen die Hypothekenbanken Fannie Mae und Freddie Mac teils übernehmen, die im Zuge der Krise selbst kurz vor dem Kollaps standen und deshalb verstaatlicht wurden. Gleichzeitig werde das US-Finanzministerium ein Programm zum Aufkauf notleidender Kredite ausweiten, das bereits angekündigt worden war und ursprünglich ein Volumen von etwa fünf Milliarden Dollar haben sollte. Bush betonte, die entsprechenden Gesetze müssten schnell ausgearbeitet werden. Es sei nicht die Zeit für politische Streitereien zwischen den Parteien.

In einem ersten Schritt richtet der Staat eine Einlagensicherung für die unter Druck geratenen Geldmarktfonds ein. Dazu sollen bis zu 50 Milliarden Dollar bereitgestellt werden, teilte das US-Finanzministerium in Washington mit.

Anleger hatten zuletzt große Summen aus den Geldmarktfonds abgezogen. Dadurch kamen Fondsgesellschaften und andere Finanzhäuser in große Schwierigkeiten. Der Markt dieser Anlageform ist Expertenschätzungen zufolge mehrere Billionen Euro schwer. Die Flucht auch aus diesen vergleichsweise sicheren Papieren zeigt laut Marktbeobachtern das Ausmaß der Vertrauenskrise.

Nachdem der Fonds-Plan bekannt wurde, stiegen an allen europäischen Börsen am heutigen Freitag die Kurse stark an. In London schoss der Börsenindex um sieben Prozent nach oben, der Schweizer Leitindex legte mehr als fünf Prozent zu, und die Börse Shanghai erlebte den größten Kursanstieg ihrer Geschichte. Auch der US-Index Dow Jones schoss nach der Eröffnung um mehrere hundert Punkte nach oben.

ase/AFP/AP



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