Firmenpleiten Banken rechnen mit Anstieg von Kreditausfällen

Es ist ein Teufelskreis: Firmen haben Probleme, weil sie keine Kredite bekommen - und Banken rechnen mit mehr Kreditausfällen und wollen wegen des gestiegenen Risikos die Messlatte für Darlehen höher legen. Das ergab eine Umfrage unter 121 deutschen Instituten.


Frankfurt am Main - Die Bankenbranche erwartet angesichts der drastisch verschlechterten Wirtschaftslage mehr Firmenpleiten und Kreditausfälle. Bei einer Umfrage der Beratungsgesellschaft Ernst & Young unter 121 deutschen Banken sagten 68 Prozent, dass "der aus dem üblichen Kreditgeschäft resultierende Risikovorsorgebedarf gestiegen" sei. 63 Prozent erwarten, dass es für Unternehmen künftig schwieriger werde, einen Kredit zu erhalten.

Skyline von Frankfurt am Main: Banken rechnen mit größeren Risiken
DDP

Skyline von Frankfurt am Main: Banken rechnen mit größeren Risiken

Für viele Firmen in Deutschland wird es also ein hartes Jahr, da die Banken wegen der Finanzkrise in den nächsten Monaten die Messlatte für die Vergabe von Krediten höher legen wollen. Die Bundesregierung spricht seit längerem von Anzeichen einer Kreditklemme und warnt die Geldhäuser davor, den Firmen keine Darlehen mehr zu geben. Sie fürchtet, dass sich auf diese Weise die drohende Rezession verschärfen könnte. Mit seinem Einstieg bei der Commerzbank verbindet der Bund auch die Hoffnung, die Kreditversorgung der deutschen Wirtschaft zu verbessern. Offizielle Zahlen deuten bislang aber noch nicht auf Engpässe bei der Kreditversorgung hin.

"Das Risikobewusstsein der Banken ist weiter gestiegen, was sich in noch intensiveren Kreditwürdigkeitsprüfungen niederschlägt", sagte Dirk Müller-Tronnier, Bankexperte bei Ernst & Young. Aus Sicht der Banken sei die Zurückhaltung auch verständlich. "Aber wenn womöglich mit gutem Grund immer mehr Unternehmen der Geldhahn zugedreht wird, können sich daraus erhebliche Folgen ergeben." Die Banken müssten daher einen Mittelweg finden, forderte Müller-Tronnier. "Einerseits geht es darum, das eigene Haus zu schützen und bei der Kreditvergabe angemessene Vorsicht walten zu lassen. Andererseits ist es von volkswirtschaftlicher Bedeutung, die Realwirtschaft mit der nötigen Liquidität zu versorgen."

Die befragten Institute, davon die Hälfte Sparkassen und Genossenschaftsbanken, erwarten zudem geringere Gewinne: Drei Viertel erklärten, dass die Gewinne langfristig deutlich niedriger ausfallen würden als in den vergangenen Jahren. Gleichwohl bezeichneten 78 Prozent die Geschäftslage ihres Hauses als positiv. Vor einem halben Jahr seien es allerdings noch 98 Prozent gewesen.

Oettinger fordert "Bad Bank" für die Bank-Risiken

Fast alle Manager (93 Prozent) erwarten, dass die Zahl der Banken, die unter den staatlichen Rettungsschirm schlüpfen, in den kommenden Monaten steigen wird. Und sie glauben, dass die Hilfe ihren Preis haben wird: 83 Prozent rechnen damit, dass der Bankensektor in Deutschland künftig deutlich stärker reguliert wird.

Derweil forderte Baden-Württembergs Ministerpräsident Günter Oettinger eine "Bad Bank" für Bank-Risiken. Nach Ansicht des CDU-Politikers muss angesichts der Lage der Finanzinstitute dringend "über die Frage der Ausgliederung von Risiken aus den Banken" gesprochen werden. Ein Institut, in das solche Risiken ausgelagert werden, nennt man "Bad Bank". Oettinger sagte dem "Handelsblatt", spätestens mit den Jahresabschlüssen der Banken werde klar, wie die Banken ihre Risiken bewerteten.

"Wenn sich erkennbar weitere Risiken zeigen, muss auch über die Ausgliederung entschieden werden - also im zweiten Quartal dieses Jahres." Nachdem sich der Bund bei der Commerzbank so aus dem Fenster gelehnt habe, sei "aus Gründen der Gleichbehandlung ein wirksames Engagement über die Soffin auch an anderen Banken nötig".

Das Bundesfinanzministerium wies die Forderung zurück. Meldungen, der Rettungsschirm solle um die Einrichtung einer "Bad Bank" erweitert werden, seien nicht richtig. Er habe den Eindruck, dass "manche Leute, die über eine Bad Bank reden, nicht wissen, worüber sie reden", sagte der Sprecher von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD), Torsten Albig, am Montag in Berlin.

kaz/AP/Reuters



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