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Fitness-Kette Elixia: Schluss mit Schwitzen

Von Almut Steinecke

Aus und vorbei: Die Fitness-Kette Elixia hat von einem Tag auf den anderen mehrere Filialen geschlossen, ohne ihr Personal zu informieren. Auch Mitglieder standen ohne Vorwarnung vor verrammelten Türen. Parallel dazu propagiert Elixia-Chef Hubert "echte Menschlichkeit" als Firmenphilosophie.

Bochum - Die Müdigkeit steckt M. noch in den Knochen, als sie an einem Morgen Mitte September zur Arbeit kommt. Sie freut sich trotzdem auf ihren Job. Die Arbeit als Servicekraft im Bochumer Studio der Fitness-Kette Elixia, das in aller Herrgottsfrühe öffnet, macht M. gerne.

Besser gesagt: machte.

Denn an jenem Morgen vor zwei Wochen, kurz nach 6 Uhr, wird die berufliche Existenz der 24-Jährigen ausradiert. M. geht nur kurz zu einem Routine-Rundgang in den ersten Stock. Als sie zurückkommt, stehen im Erdgeschoss auf einmal Menschen in Arbeitskluft. Alles ist verdunkelt - sämtliche Fenster sind mit braunem Packpapier abgeklebt. Die Club-Managerin kommt M. entgegen. "Wir schließen jetzt", sagt sie im Vorbeigehen, ein simpler Satz. M. versteht kein Wort.

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Geschlossene Elixia-Filialen: "Relativ brutal"
Die Szene ereignete sich am Mittwoch, 19. September. Die Bochumer Elixia-Filiale, eingemietet in der Stadtbad-Galerie am Hauptbahnhof, wurde überraschend geschlossen - ohne, dass das Personal informiert war. Rund 30 Mitarbeiter traf es unvorbereitet. Zum Beispiel Ex-Trainer Carsten Luckow: "Wir wurden vor vollendete Tatsachen gestellt", sagt der 31-Jährige.

Ebenso wenig wussten die Mitglieder Bescheid, rund 2100 Menschen - wie Christian Raeder: Der 27-jährige Sportstudent trainierte sechs Mal pro Woche in dem Bochumer Studio. Er stand auch an jenem Mittwoch vor der Tür, als ihm Sicherheitskräfte und Mitarbeiter aus der Berliner Elixia-Zentrale den Weg verbauten. Man drückte Christian zum Trost einen Power-Riegel und einen Fruchtsaft in die Hand, mit der Abschiedsansage, dass sein Club jetzt leider dicht sei. "Es war, als würde meine Freundin mit mir Schluss machen", sagt der Student, der die Vorgehensweise "sozial verabscheuenswürdig" nennt.

Elixia-CEO: Das war "relativ brutal" - aber notwendig

Ähnliches erlebte auch Rainer Stolte, 34, Mitglied bei Elixia in der Nachbarstadt Oberhausen. Hier betrieb die Clubkette an der Shopping-Mall Centro eine weitere Fitness-Filiale – und verrammelte sie am Donnerstag, 13. September, auch über Nacht. Auch hier waren rund 40 Mitarbeiter und gut 3000 Mitglieder nicht vorab informiert, wie Andreas Hubert bestätigt.

Der 43-Jährige, der als "Chief Executive Officer Elixia Central Europe" von Berlin aus die Kette führt, bedauert die Plötzlichkeit beider Schließungen. Das alles sei schon "relativ brutal" gelaufen, sagt er - aber leider notwendig gewesen. In Oberhausen hätten bauliche Mängel ihn regelrecht gezwungen. "Die Wände waren durchfeuchtet, wiesen tektonische Risse auf." Zur "Gewährleistung der Sicherheit und Gesundheit unserer Mitglieder" habe man keine andere Möglichkeit gesehen, als über Nacht zu schließen – eine Entscheidung, die "nicht leicht gefallen" sei.

Die Abruptheit wäre aus juristischer Sicht sogar zu rechtfertigen, sagt Michael Eckert, Arbeitsrechtsexperte und Vorstandsmitglied des Deutschen Anwaltsvereins - freilich nur wenn sich die Plötzlichkeit "unter anderem dadurch erklären lässt, dass das städtische Gesundheitsamt Bedenken anmeldet".

Das war aber nicht der Fall. Das städtische Gesundheitsamt sei nicht in den Vorgang involviert gewesen, berichtet Rainer Suhr, Sprecher der Stadt Oberhausen. "Ebenso wenig hat das Oberhausener Bauordnungsamt oder das Ordnungsamt die sofortige Schließung veranlasst. Das war allein der Betreiber Elixia."

Gespräche mit dem Vermieter

In diesem Fall gibt es aus Sicht des Juristen Michael Eckert nur noch eine Motivation für die vorliegende Radikalität: "Elixia hat massive wirtschaftliche Verluste erlitten und möchte diese Verluste schlicht nicht länger tragen." Zumindest in Bezug auf das Bochumer Objekt liegen der D.I.C., der Deutschen Immobilien Chancen AG und Co. KGaA aus Frankfurt, deutliche Hinweise auf große wirtschaftliche Probleme der örtlichen Elixia-Filiale vor. Im Juni 2006 hatte die D.I.C. die Bochumer Stadtbad-Galerie als Vermieter übernommen.

Schon wenig später, so die D.I.C., sei Elixia an ihren neuen Vermieter herangetreten - mit der Bitte um vorzeitige Auflösung des Mietverhältnisses. Das Objekt würde sich nicht rechnen. Anfang 2007 habe Elixia ihrem Vermieter erneut wirtschaftliche Probleme signalisiert. Wenig später habe das Fitness-Studio plötzlich Wasserschäden und Fehlfunktionen der clubinternen Klimaanlage moniert. Diese Mängel seien sofort behoben worden, so die D.I.C. Der Vermieter habe Elixia am 24. August 2007 noch ein "offenes Gespräch" angeboten, in dem man nach einer gemeinsamen Lösung suchen könne, um dem Bochumer Club ein wirtschaftliches Überleben zu ermöglichen. Das aber habe Elixia-Geschäftsführer Andreas Hubert abgelehnt.

Hubert bewertet die Aussagen der D.I.C. als "so nicht richtig dargestellt". Der Bochumer Club sei einfach nicht rentabel genug gewesen "aufgrund der zunehmenden Verwaisung der Stadtbad-Galerie, die augenscheinlich wirtschaftlich für andere Geschäfte nicht attraktiv genug war und ist". Die Entscheidung, die Clubs zu schließen, sei "gewachsen", sowohl in Bochum, als auch in Oberhausen. Eine Aussage, die angesichts der Schnelligkeit der Schließung verwundert.

Ein Ex-Mitarbeiter, der namentlich nicht genannt werden will, sagt, der Club in Bochum habe nie schwarze Zahlen geschrieben. "Wir waren jährlich mit 800.000 Euro in den Miesen", berichtet er.

Man sei sich darüber bewusst, dass die Plötzlichkeit der Schließung "von der Außenwelt sehr negativ wahrgenommen wurde", sagt CEO Hubert. Doch dieses Verfahren sei der Elixia-Führung von ihren Anwälten "so nahe gelegt worden" und habe "juristische Hintergründe, die ich nicht näher erläutern will".

Noch am Vortag der Schließung neue Mitglieder aufgenommen

Der Elixia-Geschäftsführer beteuert, dass zwischen den einzelnen Schließungen "kein innerer Zusammenhang" besteht. Die Radikalität erscheint aber nicht untypisch für die Kette. Schon im vergangenen März hat Elixia den "Vitalclub" in Hamburg-Harburg geschlossen - ebenfalls "kurzfristig", wie es in einer Unternehmensmitteilung heißt. Und Sascha Pernicka, 29, Ex-Trainer aus Bochum, berichtet, die Schließung einer Dortmunder Elixia-Filiale im Juni 2003 sei für Personal und Mitglieder ähnlich überstürzt und undurchsichtig gewesen.

"Da wurde uns am frühen Abend um 17 Uhr mitgeteilt, dass wir noch am gleichen Tag schließen – wegen baulicher Mängel und einem sozialen Umfeld mit Fixern, das sich mit dem Elixia-Image nicht vertrage", erzählt Pernicka. Ebenso wie sein Trainerkollege Carsten Luckow sei er danach ins damals noch existierende Bochumer Studio gewechselt.

Als der Club 2002 in Bochum eröffnet wurde, sei neuen Mitgliedern viel versprochen worden. Massagegutscheine und freie Parkplätze etwa. "Versprechungen, die nicht eingehalten wurden", so Luckow. Viele Mitglieder seien deshalb aus ihrem Vertrag, der sich monatlich kündigen ließ, gleich wieder ausgestiegen. Dennoch sei der Club beliebt gewesen - bis zum Ende. "Noch am Vorabend der Bochumer Schließung haben wir neue Mitgliedschaften abgeschlossen", sagt der Trainer.

Die Mitglieder können jetzt bis 2008 warten: Dann nämlich sollen in Düsseldorf zwei neue Elixia-Clubs eröffnen. Fraglich aber, ob die Ex-Kunden von Elixia überhaupt noch etwas wissen wollen.

Elixia-Geschäftsführer Hubert kündigt an: "Wir werden uns sehr viel Mühe geben müssen, um das Vertrauensverhältnis zu unseren Kunden wieder aufzubauen und aufrechtzuerhalten." Die Herausforderung sei zu meistern, glaubt er. Schließlich seien vor allem diese Eigenschaften für ihn und sein Elixia-Team wichtig: "Empathie und Rückgrat". Nicht zu vergessen: "echte Menschlichkeit".

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