Marktmanipulation Mutmaßlich Verantwortlicher für Börsencrash 2010 verhaftet

Ein Brite soll 2010 dafür gesorgt haben, dass der Dow-Jones-Index binnen Minuten einbrach. Die Polizei hat den verdächtigen Börsenhändler nun in London verhaftet. Die USA fordern seine Auslieferung.

Firmensitz von Nav Sarao Futures in London: Schwere Vorwürfe der Ermittler
REUTERS

Firmensitz von Nav Sarao Futures in London: Schwere Vorwürfe der Ermittler


Die britische Polizei hat den Mann verhaftet, der für den in Punkten gemessen stärksten Kurssturz in der Geschichte der Wall Street verantwortlich gewesen sein soll.

Der 37-Jährige soll mit einem manipulierten Handelsprogramm dafür gesorgt haben, dass der Dow-Jones-Index am 6. Mai 2010 innerhalb von fünf Minuten um 600 Punkte einbrach. Kurzzeitig fiel dadurch die Börsenkapitalisierung um insgesamt eine Billion US-Dollar. Der Vorfall ging als "Flash Crash" in die Finanzgeschichte ein.

Der Brite wird auch beschuldigt, mit seiner Firma Nav Sarao Futures in großem Stil Scheinaufträge für sogenannte Indexprodukte platziert zu haben. Damit habe er die Kurse gedrückt, um Kontrakte auf Termingeschäfte, die er vorher veräußert hatte, günstiger zurückkaufen zu können, so die Ermittler.

Der Händler soll auf diese Weise über fünf Jahre hinweg 40 Millionen Dollar (37 Millionen Euro) ergaunert haben. Zuletzt soll er am 6. April dieses Jahres die Märkte manipuliert haben.

Nun muss er sich wegen Betrugs, Manipulation und anderer Vergehen verantworten. Auch die Finanzaufsicht CFTC hat ein Verfahren eröffnet. Die USA fordern seine Auslieferung.

syd/dpa/Reuters/AP

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insgesamt 30 Beiträge
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meckeronkel 22.04.2015
1. Was heißt denn
Sind nicht bei all den Pushs und Calls sowieso alles nur Scheinaufträge? Warum waren diese Scheinaufträge nun "böse" und werden geahndet, die anderen alle, die täglich platziert werden, aber nicht? Wo genau liegt denn der Unterschied?
raber 22.04.2015
2. Banken-Manipulierer ohen Strafe. Kleinere Manipulierer in Haft
Was mir nicht verständlich ist, ist warum solche Betrüger wie dieser Brite persönlich dafür haften müssen. Aber die Manager von JP Morgan, Citi, Deutsche Bank und wie sie alle heissen, nicht einmal eine Anklage erhalten wegen Marktmanipulation, der dadurch ungerecht erhaltenen Boni und der sich ergebenen Verluste der Wirtschaften und Haushalte verantworten müssen. Bei denen müssen nur die Banken als Firma die Strafen begleichen. Stehen da wieder die Goldman Sachs-Leute und ihre Gesellen dahinter? Wo ist die Logik und insbesonders die Gerechtigkeit geblieben? Auch die Manager der grossen Banken müusten verklagt und eingesperrt werden.
Ursprung 22.04.2015
3. Logische Geisterfahrer
Wissen, dass Gelegenheit Diebe macht, ist gesellschaftlicher Kontext. Nicht erwischt zu werden bei was gilt obendrein als "clever". Nur auf diese beiden Maximen gruendet derzeit ein grassierender Codex der Wirtschafts-, Finanz- und Politwelt. Ein verheerendes Desaster: die so herangezuechteten Akteure sjnd deshalb laufend versucht, das System mit dem Ziel der Erhoehung des eigenen Egos und Profites bedenkenlos gegen die Wand zu fahren. Bloede Geisterfahrer in Funktionsstellen und Flugzeugkabinen sind nichts anderes als das logische Ergebnis falscher Gesellschaftsziele.
Mi.St. 22.04.2015
4. Regulierung?
Regulierung?es ist einfach nur noch peinlich die europäische oder deutsche Börsenaufsicht! Die Amys holen Sich alles zurück,bei uns Staatsanwaltschaft, Funkstille.
n.erd 22.04.2015
5. Na, schau mal an ...
... und da fragen wir uns, wer oder was für crashs an der Börse Schuld ist. Der menschliche Faktor tritt mehr und mehr in den Hintergrund. Nicht globale oder lokale Ereignisse bestimmen mehrheitlich den Gang der Kurse, auch nicht die Nervosität von (meist) Kleinanlegern. Es sind Transaktionen von Großaktionären und natürlich computergesteuerte, die manipulieren. Daher sollte es wie im Cyperwar Gegenalgorithmen geben, die über irgendwie geartete Sicherheitsverfahren unterscheiden können, ob Millionen von Transaktionen algorithmenbasiert oder nicht sind. Ist dies der Fall: entweder ein "Rollback" initiieren oder endlich die Tobin-Steuer einführen.
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