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Fluchtgefahr: Kinowelt-Chef verhaftet

Er wollte zu Leo Kirchs großem Konkurrenten werden und sitzt nun im Gefängnis. Michael Kölmel muss die weitere Entwicklung seines zahlungsunfähigen Unternehmens Kinowelt aus einer Münchener Zelle verfolgen.

Aus der Traum vom Medienimperium: Kinowelt-Chef Kölmel
DPA

Aus der Traum vom Medienimperium: Kinowelt-Chef Kölmel

München - Ein Polizeisprecher bestätigte die Verhaftung Kölmels am Dienstagmorgen in München. Mit diesem Schritt solle einer möglichen Flucht Kölmels vorgebeugt werden, hieß es. Dem Kinowelt-Gründer werde ein Insolvenzvergehen zur Last gelegt, hatte die "Bild"-Zeitung zuvor berichtet.

Damit nimmt die selbst fast filmreife Geschichte des Kinounternehmens eine weitere, dramatische Wende. Über die früher am Neuen Markt gelistete Kinowelt AG war im November vergangenen Jahres der Insolvenzantrag gestellt worden. Zuvor hatte sie einen fälligen Kredit der Bank ABN Amro über 71 Millionen Euro nicht mehr zurückzahlen können. Das förmliche Insolvenzverfahren wurde im Mai eröffnet.

Im Oktober dann eine weitere, umstrittene Entwicklung: Der Insolvenzverwalter teilte mit, der Rechtehandel, der Filmverleih und das Geschäft mit Videos und DVDs würden zum 1. November verkauft - an ein Unternehmen, hinter dem die ursprünglichen Gründer Michael und Rainer Kölmel standen. Beide setzten sich damit gegen eine andere Investorengruppe durch. Mitarbeiter der Kinowelt AG sollen nach Medienberichten mit dieser Lösung unzufrieden gewesen sein und zuvor gegen die Rückkehr der Kölmels demonstriert haben.

Die Gebrüder Kölmel hatten klein begonnen und zunächst ein Programmkino in Göttingen betrieben. Ihre größten Erfolge erzielten sie später mit Filmrechten aus dem Hause Miramax - etwa für "Smoke", "Der englische Patient" oder die Horrorparodie "Scream". Der Kauf eines 560 Millionen Mark teuren Filmpaketes von Warner Brothers galt als eine der Hauptursachen für den Kollaps des Unternehmens. Die Kölmels konnten nur wenige Kinohits aus ihren insgesamt 10.000 Filmrechten an ARD und ZDF verkaufen.

Die Kinowelt AG häufte bis zur Insolvenz 370 Millionen Euro Schulden an und machte 2001 rund 300 Millionen Verlust. Im März hatte das Unternehmen seine Multiplex-Kino-Kette Kinopolis an eine Frankfurter Investorengruppe verkauft. Auch diverse andere seiner einst über 60 Firmenbeteiligungen musste die Gesellschaft in den vergangenen Monaten abstoßen.

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