Flugbranche Condor, TUIfly und Germanwings planen Fusion

Viel Bewegung in der Luftfahrtbranche: Auf dem deutschen Markt bahnt sich laut Insiderberichten ein Dreierbündnis zwischen Condor, TUIfly und Germanwings an. Richard Branson, Chef der Virgin Atlantic, rechnet mit einer Reihe von "spektakulären Pleiten" in den kommenden zwölf Monaten.


Frankfurt/London - Nach dem Scheitern der Fusion von Condor und Air Berlin haben Condor, TUIfly und Germanwings Branchenkreisen zufolge ihre Pläne für eine Dreierfusion wieder hervorgeholt. "Das ist die Lösung, die alle drei anstreben", sagte eine mit der Situation vertraute Person am Samstag der Nachrichtenagentur Reuters.

Fluggesellschaften Air Berlin und Condor: Zusammen mit TUIfly bahnt sich ein Dreierbündnis in der Luftfahrtbranche an
DDP

Fluggesellschaften Air Berlin und Condor: Zusammen mit TUIfly bahnt sich ein Dreierbündnis in der Luftfahrtbranche an

Bei einem Zusammenschluss könnte Germanwings Zubringerdienste für Condor und TUIfly leisten, die als Ferienflieger auftreten sollen. In den ersten Fusionsgesprächen seien wichtige Fragen wie die tarifliche Einstufung der TUIfly-Piloten und die Bewertung der einzelnen Gesellschaften allerdings noch nicht geklärt worden, berichtete Reuters unter Berufung auf mehrere nicht näher genannte Insider.

Demnach sei zudem offen, ob ein derartiges Bündnis bei den deutschen oder europäischen Kartellbehörden auf Zustimmung stoßen würde. Der Billigflieger Germanwings gehört der Lufthansa Chart zeigen, die zudem rund ein Viertel der Anteile an Condor hält. Die übrigen Anteile liegen beim deutsch-britischen Reisekonzern Thomas Cook. TUIfly gehört dem Reise- und Schifffahrtskonzern TUI.

Strategieschwenk bei Lufthansa

Auch die die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" berichtet unter Berufung auf Unternehmenskreise über die mögliche Dreierfusion. "Wir sind in fortgeschrittenen Verhandlungen", sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person dem Blatt. Mit einem Verbund sei im dritten Quartal zu rechnen.

Illustration: Jean-Pierre Kunkel für den SPIEGEL

Heft 29/2008:
Moskau

Gier und Größenwahn in der Metropole der Milliardäre

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Nach Informationen von Reuters ist ein Zeitpunkt für eine Einigung aufgrund der vielen Beteiligten hingegen noch nicht absehbar. "Zwischen TUI und Lufthansa gab es bereits Differenzen. Mit Condor wird noch ein weiteres Fass aufgemacht", dämpfte ein Insider die Erwartungen auf einen baldigen Zusammenschluss. Eine Einigung im dritten Quartal sei sehr ambitioniert, ergänzte eine weitere Person, die mit den Vorgängen vertraut ist.

Lufthansa, TUI, Thomas Cook und Germanwings wollten sich zu den Informationen nicht äußern. TUI und Lufthansa verhandeln bereits seit Monaten über einen Zusammenschluss ihrer Töchter TUIfly und Germanwings. Die stark steigenden Kerosinpreise hatten jedoch eine Neubewertung der Unternehmen notwendig gemacht und eine mögliche Einigung verzögert.

Bereits Ende 2006 hatten Condor-Chef Ralf Teckentrup und der damalige TUIfly-Chef Christoph Müller ein Dreierbündnis unter dem Namen "Bluewings" vorgeschlagen, waren damals aber auf wenig Gegenliebe bei der Lufthansa gestoßen. Dies habe sich nun geändert, sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person Reuters: "Bei Lufthansa gibt es offenbar einen Strategieschwenk."

Branson erwartet "spektakulären Pleiten"

Richard Branson, Chef der britischen Fluggesellschaft Virgin Atlantic, rechnet unterdessen für die kommenden zwölf Monate mit einer Reihe von "spektakulären Pleiten" in der Luftfahrtbranche. "Es ist der perfekte Sturm: Da ist nicht nur die Bankenkrise und die Immobilienkrise, sondern da sind noch die rasant steigenden Kerosinpreise", sagte Milliardär Richard Branson der Londoner "Times" vom Samstag.

"Eine der großen US-Fluggesellschaften wird mit großer Sicherheit vom Markt verschwinden", sagte Branson weiter. Er könne sich nicht daran erinnern, dass die finanzielle Lage an den weltweiten Märkten jemals so angespannt gewesen sei wie jetzt.

Die Rekordjagd beim Ölpreis hat die Luftfahrtbranche in den vergangenen Monaten in eine schwere Krise gestürzt. Erst am Freitag war der Preis für ein Fass US-Rohöl der Sorte WTC auf ein Rekordhoch von rund 147 Dollar geschnellt.

tno/Reuters/AFP



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