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22. Februar 2009, 15:54 Uhr

Flugzeugbauer

Airbus fordert Finanzhilfe von Deutschland

Airbus in Sorge: Der europäische Flugzeugbauer befürchtet, dass Airlines bestellte Maschinen nicht mehr bezahlen können, weil sie keine Kredite bekommen. Nun fordert das Unternehmen milliardenschwere Hilfe von Deutschland - Vorbild sei die französische Finanzspritze.

Dubai - Airbus hat von Deutschland und weiteren europäischen Ländern finanzielle Unterstützung ähnlich den französischen Milliardenkrediten für seine Kunden gefordert. Frankreich will durch Finanzspritzen von bis zu fünf Milliarden Euro an Banken verhindern, dass Fluggesellschaften aufgrund von Finanzierungsproblemen infolge der Kreditkrise Aufträge bei Airbus stornieren. Die indirekte Hilfe aus Paris sei "natürlich nicht genug", sagte der Airbus-Nahost-Direktor Habib Fekih am Sonntag.

Airbus-Fertigung in Hamburg: Finanzierungsprobleme bei den Airlines
DDP

Airbus-Fertigung in Hamburg: Finanzierungsprobleme bei den Airlines

"Wir erwarten, dass andere Regierungen ähnliche Pakete schnüren", sagte der Manager am Rande einer Konferenz in Dubai. "Ich glaube, Deutschland wird Frankreich folgen. Bei Großbritannien bin ich mir nicht sicher", fügte er hinzu. Es wäre lächerlich, wenn Airbus bestellte Maschinen nicht ausliefern könnte, weil Kunden keine Möglichkeit zur Finanzierung hätten. Wenn die Banken nicht dazu bereit seien, "wäre es meiner Meinung nach für viele Regierungen tragbar, dieses Kapital zur Verfügung zu stellen", sagte Fekih.

Die deutsche Regierung hatte Airbus Ende Januar Hilfen in Aussicht gestellt. Die Bundesregierung spreche mit der staatlichen Förderbank KfW und anderen Banken über mögliche Garantien für Airbus-Kunden, sagte der Regierungskoordinator für Luft- und Raumfahrt, Peter Hintze, damals. Die französische Milliardenhilfe ist Teil eines Hilfspakets für die französische Exportwirtschaft.

Einige Fluggesellschaften haben wegen der Finanzkrise Probleme bei der Finanzierung von Flugzeugen. Maschinen werden mehrere Jahre vor der Auslieferung geordert, ihre Finanzierung wird jedoch teilweise erst kurz vor der Auslieferung unter Dach und Fach gebracht.

Der Chef des Internationalen Luftfahrtverbands Iata, Giovanni Bisignani, hatte am Freitag im Magazin "Flightglobal" gewarnt, Airbus und sein US-Rivale Boeing könnten wegen Zahlungsengpässen bei Kunden möglicherweise nur halb so viele Flugzeuge ausliefern wie geplant. Ein Airbus-Sprecher hatte die Befürchtungen zurückgewiesen.

Fekih erklärte, der Flugzeugbauer habe im Nahen Osten bisher keine Stornierungen von Maschinen erhalten. Lediglich bei Leasing-Firmen sehe er kleine Probleme. Airbus lieferte 2008 die Rekordzahl von 483 Flugzeugen aus. Für 2009 wird ein Ziel in ähnlicher Höhe angepeilt. Airbus hat Aufträge für mehr als 3600 Flugzeuge in den Büchern.

Am Donnerstag hatte das Unternehmen mitgeteilt, die Fertigung seiner kleineren Modelle krisenbedingt drosseln zu wollen. Ab Oktober würden monatlich 34 statt bislang 36 Maschinen der A320-Familie produziert. Flugzeuge der A330/A340-Familie würden aber weiterhin in der Stückzahl von 8,5 Maschinen pro Monat hergestellt, hier werde die Produktionsrate aber nicht wie bisher geplant angehoben.

kaz/Reuters/AP/ddp

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