Flutschäden Allianz muss 800 Millionen hinblättern

Allmählich zeichnet sich das Ausmaß der Schäden ab, die die Jahrhundertflut in Ostdeutschland hinterlassen hat. Allein die Allianz wird nach eigener Schätzung weit mehr als 800 Millionen Euro an betroffene Kunden auszahlen.


München/Zürich - Allein in Deutschland seien etwa 580 Millionen Euro zu bezahlen, teilte die Allianz am Donnerstag in München mit. In Österreich belaufe sich der Schaden auf 120 Millionen Euro und in der Tschechischen Republik auf 115 Millionen Euro. Da sich die Allianz teilweise durch den Abschluss von Rückversicherungen abgesichert hat, liegt die Netto-Belastung vor Steuern bei etwa 550 Millionen Euro.

Prämienerhöhungen zu erwarten: Zerstörte Autos im sächsischen Dohna
DPA

Prämienerhöhungen zu erwarten: Zerstörte Autos im sächsischen Dohna

Betroffen sind in erster Linie Gebäude- und Hausratversicherungen. "Auf Grund unserer sehr starken Marktposition im Osten Deutschlands trägt die Allianz den maßgeblichen Teil des versicherten Schadens in den betroffenen Regionen", sagte Reiner Hagemann, Vorstandschef der Allianz. Derzeit seien 80 Sachverständige zur Schadensregulierung vor Ort im Einsatz. Erste Vorschüsse seien bereits ausgezahlt. Hagemann wies darauf hin, dass die Allianz weiterhin Elementarschäden an Gebäuden und Hausrat versichern werde.

In der Bilanz der Schweizerischen Rückversicherungs-Gesellschaft (Swiss Re) spielt die Flutkatastrophe dagegen nach eigenen Angaben keine große Rolle, auch wenn das Unternehmen für das erste Halbjahr einen gesunkenen Nettogewinn vermeldet hat.

Trotzdem werden sich die Versicherten im kommenden Jahr auf höhere Prämienzahlungen einstellen müssen. Versicherungskonzerne hatten in einer Umfrage der "Berliner Zeitung" zu Anfang der Woche angedeutet, wegen der wachsenden Zahl der Unwetterschäden die Beiträge für Haus- und Kraftfahrzeug-Versicherungen anheben zu wollen. Flut, Hagel und Sturm hätten den Versicherern bereits im ersten Halbjahr 2002 rund 18 Prozent höhere Ausgaben bei den Hausversicherungen beschert, sagte Katrin Rüter, Sprecherin des Gesamtverbandes der Versicherungswirtschaft. Auch bei Kfz-Versicherungen seien die Kosten durch Umweltschäden seit Jahresbeginn im Branchendurchschnitt gestiegen. Sie lägen rund 2,5 Prozent höher als im Vorjahr.

Für die zweite Jahreshälfte sagt der Verband einen weiteren Ausgabenanstieg voraus. "In unseren Schätzungen sind die Flutkatastrophe und die Stürme vor einigen Wochen noch nicht berücksichtigt", sagte Rüter. Branchenexperten erwarten daher, dass die Versicherungen das wachsende Unwetterrisiko - häufigere Hagelschläge, heftigere Stürme und die steigende Zahl an Überschwemmungen - an ihre Kunden in Form von höheren Beiträgen weitergeben.

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