Folgen der Weltwirtschaftskrise China fürchtet Lebensmittelknappheit

China kämpft gegen den drohenden Konjunkturkollaps, vor allem in der Exportindustrie fallen Millionen Jobs weg. Jetzt warnt die Volksrepublik vor gravierenden Folgen für die Bevölkerung - es droht Hunger. Weitere Konjunkturpakete könnten folgen.


Peking - Die globale Konjunkturflaute birgt für China enorme Risiken: Die Regierung in Peking warnt vor drohender Lebensmittelknappheit in den ärmsten Gebieten des Landes. Grund sei die weltweite Finanzkrise, die sich zunehmend auswirke, meldet die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua am Freitag. Der Kampf gegen die Armut sei ins Stocken geraten, die Not in viele Gebiete zurückgekehrt, zitierte die Agentur Vize-Agrarminister Fan Xiaojiang.

Industrie in China: Einbruch beim Export
AFP

Industrie in China: Einbruch beim Export

Die Weltwirtschaftskrise hat die chinesische Exportindustrie hart getroffen und zur Schließung Tausender Fabriken geführt. Rund 20 Millionen Wanderarbeiter haben nach amtlichen Schätzungen ihren Job verloren. Auch die Flaute in der Baubranche kostete Arbeitsplätze. Die Regierung in Peking fürchtet nun, dass die hohe Zahl von Arbeitslosen soziale Unruhen auslösen könnte.

Die Volksrepublik will die Krise mit Konjunkturprogrammen eindämmen. "Es gibt bereits Zeichen für eine Erholung, darunter ein Wiederaufschwung im Konsum, bei den Investitionen und einigen Produktpreisen", sagte Zhang Ping, der Vorsitzende der Entwicklungs- und Reformkommission. Ob es weitere Konjunkturhilfen geben werde, hänge von der Entwicklung der globalen Wirtschaftskrise ab.

Das im November auf den Weg gebrachte Konjunkturprogramm von umgerechnet mehr als 400 Milliarden Euro zeige bereits Ergebnisse, sagte Zentralbankchef Zhou Xiaochuan. "Wir sehen, dass sich wirtschaftliche Zahlen stabilisieren und erholen." Das beweise, dass die Konjunkturpolitik funktioniere, sagte Zhou.

Dagegen zeigt der Außenhandel noch keine Anzeichen einer Erholung. Die Wirtschaftszeitung "21st Century Business Herald" zitierte Experten, die für Februar einen Rückgang der Exporte und Importe um mehr als 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr vorhersagen. Es wäre der vierte Monatseinbruch in Folge.

Trotz der Krise hatte sich auch Chinas Regierungschef Wen Jiabao am Vortag vor dem Volkskongress zuversichtlich gezeigt, "rund acht Prozent" Wirtschaftswachstum zu erreichen. Beobachter sehen darin jedoch vor allem Zweckoptimismus. Schon in den Vorjahren waren seine Wachstumsziele immer weit von der Realität entfernt und spiegelten eher das Wunschziel der Regierung wider.

Die bisherigen Schätzungen der Weltbank und anderer Experten reichen von fünf bis maximal sieben Prozent Wachstum in diesem Jahr, was für ein Schwellenland wie China nicht ausreicht, um genügend Arbeitsplätze zu schaffen.

suc/dpa-AFX/Reuters



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