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Formel-1-Affäre: Hinweise auf Ecclestone-Erpressung verdichten sich

War Bernie Ecclestone Opfer oder Täter in der millionenschweren Affäre um den Ex-BayernLB-Vorstand Gerhard Gribkowsky? Laut SPIEGEL-Informationen erhärten neue Aussagen nun kurz vor Beginn des Gerichtsverhandlung den Verdacht, dass der Banker den Formel-1-Mogul subtil unter Druck setzte.

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Formel-1-Boss Ecclestone (2010): "Ich hatte Angst"

Gerhard Gribkowsky, ehemals Vorstandsmitglied der Bayerischen Landesbank, hat im Jahre 2005 die Anteile der Landesbank an der Formel 1 für mehr als 800 Millionen Dollar verkauft und später 44 Millionen Dollar aus dem Umfeld von Formel-1-Boss Bernie Ecclestone kassiert. Angeklagt ist Gribkowsky vor dem Landgericht München wegen des Verdachts der Bestechlichkeit, Untreue und Steuerhinterziehung. Kurz vor Beginn des Prozesses verdichten sich nun jedoch die Hinweise auf eine Erpressung.

Laut SPIEGEL-Informationen untermauert die Zeugenaussage einer Ex-Mitarbeiterin Gribkowskys die Behauptung von Ecclestone, er sei erpresst worden. Die Mitarbeiterin hatte in ihrer Vernehmung vor der Staatsanwaltschaft München ausgesagt, sie habe im Jahr 2004 im Auftrag der Bank einen Heidelberger TV-Rechtehändler besucht, der mit Ecclestone einen Rechtsstreit führte. Der Mann habe ihr ein Papier übergeben, das eine Verbindung zwischen Ecclestone und dem Familientrust von Ecclestones Ehefrau Slavica nahegelegt habe. Durch den Nachweis einer solchen Verbindung hätte der Trust vermutlich eine Steuernachzahlung in Milliardenhöhe leisten müssen.

Der Zeugin zufolge hatte sie das Papier unmittelbar nach ihrem Besuch in Heidelberg an Gribkowsky weitergereicht. Später habe ihr dann Gribkowsky triumphierend erzählt, er habe das Papier bei Ecclestone in London unauffällig auf dessen Schreibtisch liegen lassen. Kurz danach habe sich Ecclestone empört gemeldet und gefragt, woher er das Papier habe.

Die Zeugin bestätigte damit im Kern eine Darstellung des Ecclestone-Biografen Tom Bower, der sich auf ein Gespräch mit Gribkowsky bezog. In seiner eigenen Vernehmung bei der Staatsanwaltschaft hatte Ecclestone zugegeben: "Ich hatte Angst." Er habe wegen einer laufenden Steuerprüfung der britischen Finanzbehörden befürchtet, dass Hinweise von Gribkowsky weitere Nachforschungen hätten auslösen können.

Ecclestone sagte weiter, wenn Gribkowsky Ernst gemacht hätte, wäre er, Ecclestone, mit damals 76 Jahren pleite gewesen, ohne Haus, "ohne Armbanduhr". Dies sei der einzige Grund für die Millionenzahlungen gewesen.

Die Lage bleibt dennoch undurchsichtig: An den genauen Inhalt des Schreibens konnte sich die Mitarbeiterin nämlich nicht mehr erinnern. Und der Heidelberger TV-Rechtehändler bestritt, solch ein Papier übergeben zu haben. Ecclestone wiederum behauptete, das Schreiben nicht zu kennen; die Ermittler konnten es nicht auffinden.

Für Ecclestones Familienstiftung hätte dieses Dokument auch heute noch gravierende Folgen haben können. Das Steuerverfahren in England wurde zwar 2008 mit einem millionenschweren Vergleich eingestellt, kann aber bei neuen Erkenntnissen jederzeit wieder eröffnet werden.

Und Gerhard Gribkowsky? Der Banker bestreitet jede Form der Erpressung.

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