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Proteste gegen Wettbewerbsverzerrung: Französische Bauern blockieren Grenze zu Deutschland

Jeder zehnte Agrarbetrieb in Frankreich steht vor der Pleite. Einen Schuldigen haben die Bauern auch ausgemacht: Dank osteuropäischer Arbeiter würden deutsche Betriebe den Wettbewerb verzerren. Deshalb haben französische Landwirte nun die Grenze blockiert.

Französische Landwirte haben an der Grenze zu Deutschland Barrieren aufgebaut, um Lastwagen mit Agrarprodukten an der Einreise zu hindern. Die Bauern blockierten mit ihren Traktoren am Sonntagabend ab 22 Uhr sechs Straßen um gegen "die Verzerrung des Wettbewerbs" zugunsten der deutschen Bauern zu protestieren.

Die Aktion der regionalen Föderation der Bauerngewerkschaften (FDSEA) und der Gewerkschaft Jeunes Agriculteurs (JA) des Département Bas Rhin sollte mindestens bis Montagnachmittag dauern. Dann wollen die Landwirte entscheiden, ob sie die Protestaktion fortsetzen.

Auf der Brücke Pierre Pfimlin südlich von Straßburg stoppten rund hundert Landwirte in gelben Warnwesten am späten Abend mehrere Lastwagen vor den Augen der Polizei. Da die Laster keine Agrarprodukte transportierten, konnten sie nach einigen Minuten weiterfahren.

Der regionale FDSEA-Vorsitzende Franck Sander sagte der Nachrichtenagentur AFP, nur Lastwagen mit landwirtschaftlichen Produkten aus Deutschland würden gestoppt. Mehr als tausend Landwirte würden sich an den Barrikaden abwechseln. Etwa ein Dutzend Lastwagen aus Deutschland wurden bereits zur Umkehr gezwungen.

Proteste dauern seit Tagen an

Sander kritisierte, dass die Regierung keine Lösung für die Verzerrung des Wettbewerbs präsentiere. Er beklagte insbesondere die Unterschiede bei den Arbeitskosten. Durch den Einsatz von Arbeitern aus Osteuropa lägen diese in Deutschland teilweise deutlich niedriger als in Frankreich. Sander forderte "konkrete Lösungen".

Die Blockaden sind Teil der seit Tagen andauernden Protestaktionen der Bauern gegen die fallenden Preise für Agrarprodukte. Im Zuge der Proteste blockierten die Bauern bereits Straßen, Städte und den Zugang zu Touristenattraktionen wie den Mont Saint Michel in der Bretagne. Die Regierung kündigte am Mittwoch ein Krisenprogramm mit Steuererleichterungen und Lohngarantien im Umfang von 600 Millionen Euro an, doch dauern die Proteste der Bauern weiter an.

Nach Schätzung der Regierung steht jeder zehnte französische Agrarbetrieb am Rande des Bankrotts. Gemeinsam sind sie mit einer Milliarde Euro verschuldet. Grund für die fallenden Preise von Produkten wie Milch, Rind- und Schweinefleisch sind sich ändernde Ernährungsweisen in Frankreich, der Rückgang der Nachfrage aus China und das russische Embargo für europäische Agrarprodukte.

syd/AFP

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insgesamt 146 Beiträge
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1.
ClausWunderlich 27.07.2015
Die EU scheint zu explodieren! Jetzt scheinen sich nach und nach die Nachteile auszuwirken.
2.
erst nachdenken 27.07.2015
Bauern beschweren sich über Wettbewerbsverzerrung? Ich krieg mich kaum noch ein vor lachen. Was da an EU-Subventionen gezahlt wird ist ein Skandal!
3. Warum
romaval 27.07.2015
stellen denn die französischen Bauern nicht auch osteuropäische Saisonarbeiter ein. Da ist doch jedem gedient. Den Arbeitern, dem Bauer und dem Verbraucher.
4. Ich widerspreche!
schlachtross 27.07.2015
Der Artikel verzerrt die Wirklichkeit. Arbeiter aus Ost-Europa sind saisonal Hilfskräfte (z.B. bei der Spargel- und Erdbeerernte). Die deutsche Milchwirtschaft hat nahezu keine osteuropäischen Hilfskräfte und ist kurz vor dem Zusammenbruch, weil mtw. weniger als 30 Cent für den Kilo Milch bezahlt wird. Sie schreiben in Ihrem Artikel: 'nach Schätzung der Regierung steht jeder zehnte französische Agrarbetrieb am Rande des Bankrotts.' In Deutschland ist die Situation eben nicht besser. Was die Franzosen aber besser können, das ist auf die Barrikaden zu gehen...
5. Regionalisierung statt Globalisierung
ichsagwas 27.07.2015
Regionalisierung statt Globalisierung muss das Motto sein für die Landwirtschaft. Und das geht nur mit knallharten Gesetzen und Vorschriften, als da wären: Handelsbarrieren, Festsetzung von Produktionsquoten, Zurückdrängen, bzw. Zerschlagen der großen Lebensmittelkonzerne und Discounter, Verbot von Spekulationsgeschäften mit Lebensmitteln, etc. Subventionen und Staatshilfen nützen gar nichts. Sie bringen kurzfristig Ruhe ins Haus, sind aber nur Ausdruck totaler Hilflosigkeit. Am zerstörerischen System der globalisierten Lebensmittelindustrie ändern sie gar nichts. Solange wir uns diesem System total unterwerfen, werden wir nie aus dem ganzen Trouble rauskommen.
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