Französisch-Guayana Sarkozys Häscher machen Jagd auf Goldgräber

Bis zu 400 Tonnen Gold vermuten Geologen unter dem Urwald von Französisch-Guayana. Das zieht Tausende illegale Goldschürfer aus Brasilien an - und ruft Scharfschützen aus Frankreich auf den Plan. Jagdszenen an der Grenze zwischen Erster und Dritter Welt.

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Cayenne - Die "Operation Anakonda" startet am frühen Morgen von Cayenne, der Hauptstadt von Französisch-Guayana. Scharfschützen in khakifarbenen Uniformen kauern an den Ausstiegsluken der Puma-Hubschrauber. Ihre Gewehre sind auf den Urwald unter ihnen gerichtet. Die Männer sind mit Hightech-Gerät ausgerüstet: Nachtsichtgeräten, Infrarotkameras, Wärmemeldern. Sie gehören zur GIGN (Groupe d’Intervention de la Gendarmerie Nationale), der Sondereingreiftruppe der Gendarmerie, einer französischen Variante der deutschen GSG 9.

Brasilianischer Garimpeiro auf der Suche nach ein paar Nuggets: Den großen Profit machen andere
REUTERS

Brasilianischer Garimpeiro auf der Suche nach ein paar Nuggets: Den großen Profit machen andere

Fast eine Stunde fliegen sie tief über den Dschungel, bis kurz vor die brasilianische Grenze. Angestrengt starren sie in das Grün, doch der Feind ist kaum zu erkennen. Nur gelegentlich blitzt eine Plastikplane durch das Blätterdach. Doch bis die Elitepolizisten sich vom Hubschrauber abgeseilt haben oder eine Lichtung zum Landen gefunden haben, sind die flinken Goldgräber meist geflohen, sie kennen den Urwald besser als ihre Häscher. Zurück bleiben Holzverschläge, Pumpen, Waschpfannen, Tonnen mit Treibstoff und manchmal ein verlassener Puff oder ein Schuppen mit Hängematten. Die Polizisten brennen die Hütten nieder, zerstören die Pumpen und Schläuche, dann machen sie sich auf den Rückweg nach Cayenne.

"Operation Anakonda" hat Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy den Einsatz der GIGN gegen die Garimpeiros getauft, wie die illegalen Goldgräber aus Brasilien genannt werden. Es ist eine Aktion so recht nach Sarkos Geschmack: Tausend Elitepolizisten der GIGN sollen die Garimpeiros "zu Luft, Erde und Wasser mit Hightech-Methoden" vertreiben, verkündete der Präsident Anfang Februar bei einem Treffen mit seinem brasilianischen Amtskollegen Luiz Inácio "Lula" da Silva an der Grenze.

Er hätte gern, dass die Brasilianer bei der Aktion kooperieren, doch Lula gibt sich bedeckt. Er kennt die Not der Garimpeiros aus eigener Erfahrung: Sie stammen wie er zumeist aus den bettelarmen Bundesstaaten des brasilianischen Nordostens. Sie sind ungebildet, entwurzelt, ohne eine Chance auf eine würdige Arbeit. Auf der Suche nach dem großen Fund, einer ergiebigen Goldader, sind sie ins Amazonasgebiet geströmt. Doch die meisten Minen in Brasilien geben nichts mehr her, das verbleibende Edelmetall liegt tief unter der Erdoberfläche und lässt sich nur mit hohen Investitionen und schwerem Gerät fördern. Das neue El Dorado befindet sich jenseits der Grenze.

Die Grenze zwischen Lateinamerika und Europa

Bis zu 400 Tonnen Gold liegen dicht unter der Oberfläche im Urwald von Französisch-Guayana, schätzen französische Geologen, die das Gelände Anfang der neunziger Jahre untersuchten. Die Nachricht verbreitete sich in Brasilien wie ein Lauffeuer, Zehntausende Garimpeiros strömten an den Sikini-Fluss, nur dreißig Kilometer von der brasilianischen Grenze entfernt. Über Hunderte Kilometer erstreckt sich dort die größte illegale Goldmine Südamerikas. Das Pikante: Sikini gehört zur Europäischen Union.

Ein Urwaldfluss namens Oiapoque markiert die Grenze zwischen Brasilien und Französisch-Guayana, Lateinamerika und Europa, Dritter und Erster Welt. Vom Wohlstand des Schwellenlandes Brasilien, dem neuen Star der Finanzmärkte, ist hier nichts zu spüren. Im Grenzgebiet herrschen Elend und Arbeitslosigkeit, wie in den meisten Teilen des Amazonasgebiets.

Tausende Garimpeiros verstecken sich unter dem Blätterdach, die Anzahl der Bohrstellen wird auf 350 geschätzt. "Bei einem Goldpreis von 20 Euro pro Gramm kämpfen wir gegen Phantomdörfer mit bis zu 2000 Einwohnern im Herzen des Dschungels", klagte Francois Muller, der Chef der Gendarmen von Guayana, jüngst in der Zeitung "Le Figaro". "Französisch-Guayana ist so groß wie Portugal und die Garimpeiros sind überall verstreut."

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