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Frauen im Job: Arbeitszeit von Müttern deutlich gesunken

Familienpolitik ohne Erfolg: Trotz Elterngeld und anderer Bemühungen arbeiten Mütter in Deutschland im Schnitt deutlich weniger als vor sieben Jahren. Schuld daran sind falsche Steueranreize - wie die Subventionierung von Minijobs oder das Ehegattensplitting.

Duisburg - 29,1 Stunden pro Woche - so viel arbeiten Frauen in Deutschland im Schnitt. Das ist über eine Stunde weniger als noch 2001 - zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die das Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen am Montag veröffentlicht hat. Die Zahl der Arbeitsstunden sinkt demnach mit steigender Zahl der Kinder. Bei den Vätern ist es genau umgekehrt: Dort steigt die Zahl der Arbeitsstunden mit der Zahl der Kinder. Männer arbeiten hierzulande im Durchschnitt 38,4 Wochenstunden - fast genauso lange wie 2001.

Ehepaar mit Kindern: "Frauen nur Hinzuverdiener"
DPA

Ehepaar mit Kindern: "Frauen nur Hinzuverdiener"

Das Ergebnis ist vor allem vor dem Hintergrund des deutlichen Wechsels in der Familienpolitik erstaunlich: Denn der Unterschied zwischen der Mütter- und Väterarbeitszeit hat sich in den vergangenen fünf Jahren beträchtlich vergrößert. 2001 arbeiteten Männer 8,8 Stunden länger als die Frauen, 2006 waren es bereits 9,3 Stunden mehr, wie die Studie zeigt. Mütter mit zwei Kindern arbeiteten demnach 2006 im Schnitt 23 Stunden die Woche, Väter mit zwei Kindern dagegen 41,5 Stunden.

"Finanziell abhängig vom Ehemann"

"Trotz größerer Integration in den Arbeitsmarkt gelangen viele Frauen noch nicht über eine Rolle als Hinzuverdienerin im Haushalt hinaus und bleiben damit finanziell abhängig vom Ehemann", stellen die Verfasser der Studie fest. Von einer gleichberechtigten Arbeitsaufteilung zwischen den Geschlechtern sei Deutschland noch weit entfernt. Die amtierende Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) und ihre Vorgängerin Renate Schmidt (SPD) drängen seit Jahren auf eine familienfreundlichere Arbeitswelt und treiben vor allem den Ausbau der Kinderbetreuung voran.

Die Arbeitsforscher kritisieren trotzdem, dass die Politik für die Beschäftigung von Frauen widersprüchliche Signale setze: Auf der einen Seite solle mit dem Ausbau der Kinderbetreuung und des Elterngeldes die weibliche Beschäftigung gefördert werden. Auf der anderen Seite biete die Politik Anreize für eine geringe Frauenbeschäftigung, etwa durch die Subventionierung von Minijobs oder das Ehegattensplitting, das Paare mit ungleichem Einkommen steuerlich begünstigt. Dabei wollen viele Frauen in Deutschland mehr arbeiten: Laut Studie wünschen dies 60 Prozent in Westdeutschland und 20 Prozent in Ostdeutschland.

Zwar arbeiten mittlerweile 61,5 Prozent aller Frauen im Alter von 15 bis 64 hierzulande, und die Frauenerwerbsquote liegt über dem europäischen Durchschnitt. Doch weniger als die Hälfte aller erwerbstätigen Frauen, nämlich 46,5 Prozent, arbeitet Vollzeit. Fast genauso viele Frauen, nämlich 46,8 Prozent, arbeiten Teilzeit, viele davon zudem in kleineren Jobs. Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit von Frauen in Teilzeit beträgt rund 18 Wochenstunden - das ist der niedrigste Wert in der ganzen EU. Eine Ursache ist der Studie zufolge der Zuwachs bei den Minijobs: Die ausschließlich geringfügige Beschäftigung bei Frauen stieg von 2001 bis 2006 von 2,97 Millionen auf 3,32 Millionen.

sam/AFP

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