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Freddie Mac und Fannie Mae: Rettungsaktion kostet US-Regierung viele Milliarden

Es wird wohl die teuerste staatliche Sanierungsaktion in der US-Geschichte: Die Kosten für die Rettung der angeschlagenen Hypothekenfinanzierer Freddie Mac und Fannie Mae werden auf viele Milliarden Dollar beziffert - bezahlen müssen das die Steuerzahler.

Hamburg/Washington - Jetzt greift die US-Regierung durch - doch die Kosten für die Rettungsaktion sind gewaltig. Die Sanierung der Hypothekenbanken Fannie Mae Chart zeigenund Freddie Mac Chart zeigenwird die US-Regierung nach Schätzungen der Haushaltsbehörde des Kongresses etliche Milliarden Dollar kosten. "Es ist notwendig, dass wir handeln", betonte US-Finanzminister Henry Paulson dennoch am Sonntag in Washington. Ohne eine Bereinigung auf dem krisengeschüttelten Immobilienmarkt "können sich unsere Wirtschaft und unsere Märkte nicht erholen". Für eine Wende auf dem Immobilienmarkt komme den Unternehmen Fannie Mae and Freddie Mac eine überragende Bedeutung zu, sagte Paulson.

Finanzminister Paulson, Finanzregulierer Lockhart: Ja zur Rettungsaktion
REUTERS

Finanzminister Paulson, Finanzregulierer Lockhart: Ja zur Rettungsaktion

Die Intervention wird vermutlich die teuerste staatliche Sanierungsmaßnahme für den Privatsektor in der US-Geschichte, sagte der Wirtschaftsexperte Lawrence White von der Universität New York der "New York Times". "Faktisch bedeutet das eine staatliche Übernahme der Immobilien-Giganten", kommentierte das "Wall Street Journal" den staatlichen Eingriff.

Die US-Regierung will mit ihrer einmaligen Rettungsaktion eine bedrohliche Krise des US-Finanzmarktes vermeiden. In den vergangenen Monaten konnte eine Rekordzahl von Hausbesitzern ihre Hypothekenzinsen nicht mehr bezahlen. Die Immobilienpreise brachen ein, zahlreiche Häuser mussten zwangsverkauft werden, Banken aufgeben.

Fannie Mae und das kleinere Schwesterunternehmen Freddie Mac garantieren direkt oder indirekt knapp die Hälfte der US-Hypotheken im Gesamtwert von zwölf Billionen Dollar.

Angst vor dem großen Kollaps

Die beiden bisherigen Unternehmenschefs Daniel Mudd und Richard Syron werden ihre Posten verlieren. Zwei vom Staat eingesetzte Verwalter sollen die Leitung der Immobilien-Giganten übernehmen und mit den Milliarden aus dem Staatshaushalt für eine Stabilisierung sorgen. Die Hypotheken-Banken gehören aber weiterhin den alten Aktionären und nicht dem Staat.

Eine Zahlungsunfähigkeit der beiden Unternehmen hätte nach Einschätzung von US-Analysten einen Kollaps des US-Immobilienmarkts mit sich bringen können, was erhebliche Folgen für die Wirtschaft in den USA und der ganzen Welt haben könnte. Bereits im Juli hatte der US-Senat ein Gesetzespaket verabschiedet, das Milliardenkredite für die Hypothekenbanken und die in Finanzierungsnöte geratenen Hausbesitzer vorsieht.

"Ich unterstütze entschieden die Entscheidung, ... Fannie Mae and Freddie Mac unter Vormundschaft zu stellen, sowie die Maßnahmen von Minister Paulson, um die Kreditwürdigkeit der beiden Firmen zu garantieren", erklärte US-Zentralbank-Chef Ben Bernanke. "Die notwendigen Maßnahmen werden den US-Immobilienmarkt stärken und die Finanzmärkte stabilisieren", heißt es in einer am Sonntag veröffentlichten Stellungnahme Bernankes. Paulson habe sich auch zur staatlichen Intervention entschlossen, weil bei Überprüfungen der Verdacht aufgekommen war, die krisengeschüttelten Hypothekenbanken hätten mit buchhalterischen Tricks die Kapitallage geschönt, berichtete die Wirtschaftsnachrichtenagentur Bloomberg.

Republikaner und Demokraten unterstützen Rettungsplan

Republikaner wie Demokraten signalisierten Zustimmung zu den Regierungsplänen. Der demokratische Präsidentschaftskandidat Barack Obama sagte, angesichts der "extrem ernsten Lage" auf dem Immobilienmarkt sei die staatliche Übernahme sinnvoll. Allerdings müsse sichergestellt werden, dass "der Steuerzahler geschützt wird und nicht Aktienbesitzer und Manager saniert werden". Der republikanische Präsidentschaftskandidat John McCain forderte die völlige Privatisierung von Fannie Mae und Freddie Mac. "Für die Zukunft werden die langfristigen Reformen darin bestehen, Fannie und Freddie zu verkleinern, damit ihre Größe keine Gefahr mehr darstellt", sagte McCains oberster Wirtschaftsberater Douglas Holtz-Eakin am Sonntag der Nachrichtenagentur Reuters. "Und dann werden sie privatisiert." McCains Vize-Kandidatin Sarah Palin kritisierte ebenfalls, dass die Unternehmen "zu groß und zu teuer für die Steuerzahler" geworden seien. Notwendig seien strukturelle Änderungen und die Verkleinerung der Immobiliengiganten.

Inzwischen ist die elfte US-Bank in diesem Jahr der Krise auf dem Immobilien- und Kreditmarkt zum Opfer gefallen. Die Behörden schlossen am Freitag die Silver State Bank mit Einlagen von fast zwei Milliarden Dollar und Filialen in Arizona und Nevada. Der Zusammenbruch der Bank könnte auch den Präsidentschaftswahlkampf berühren: Ein Adoptivsohn des Republikaner-Kandidaten John McCain saß bis Juli im Verwaltungsrat der Bank und war auch für die Aufsicht der Finanzen zuständig, berichtete das "Wall Street Journal". Es gebe aber keine Hinweise auf ein Fehlverhalten des 46-jährigen Andrew McCain, der seinen Posten aus "persönlichen Gründen" aufgegeben hatte.

flo/dpa

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