Freier Welthandel: Die Armen sind arm geblieben

Liberale Ökonomen preisen den freien Welthandel gerne als Patentrezept gegen Hunger und Armut an. Jetzt werden sie von einer Studie der UN-Konferenz für Handel und Entwicklung widerlegt. In den Entwicklungsländern sei Wohlstand nach wie vor ein Fremdwort.

Hungersnot in Äthiopien: Freier Handel hilft nicht
REUTERS

Hungersnot in Äthiopien: Freier Handel hilft nicht

Genf - Zu diesem Schluss kommt der neue Jahresbericht der UNCTAD über die Lage der am wenigsten entwickelten Staaten, der am Mittwoch in Genf veröffentlicht wurde. Danach hatte der Außenhandel armer Länder wie Äthiopien, Senegal, Jemen oder Sambia in den neunziger Jahren einen großen Anteil am Bruttoinlandsprodukt, die Handelsregelungen waren weitgehend liberalisiert worden. Die neue Freiheit habe jedoch kaum zu einem substanziellen Abbau der Armut beigetragen.

Damit bleibe weiterhin deutlich, dass anhaltende Massenarmut kaum etwas mit der Einbindung des Landes in die globale Wirtschaft zu tun hat sondern eine Folge von Unterentwicklung ist. Zum Teil lagen in den am schwächsten entwickelten Staaten die Maßnahmen zur Liberalisierung des Im- und Exportes sogar höher als in manchen Industriestaaten. 76 Prozent aller Exporte aus solchen armen Ländern kamen im Zeitraum 1999 bis 2001 zollfrei auf die Märkte der Industriestaaten.

Nach dem UNCTAD-Bericht haben zumeist die Länder bei der Bekämpfung der Armut profitiert, die sich nur behutsam den Märkten geöffnet haben. Und nur in Bangladesch, Guinea und Uganda hatte der freie Handel von 1990 bis 2000 fast durchgehend einen positiven Effekt auf die Armut. Ein weiteres Problem ist, dass bei steigenden Exporten - und damit höheren Einnahmen - die Hilfsmaßnahmen abnehmen oder die Schuldentilgung zunimmt, was dann wieder der Bevölkerung fehlt. Eine Lösung müsse deshalb im Aufbau von Produktionskapazitäten in den Ländern liegen, um Arbeitsplätze zu schaffen.

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