Freizeitpark "Tropical Islands" Spendable Kunden dringend gesucht

Der Tropen-Freizeitpark Tropical Islands buhlt um neue Kundenschichten: Künftig will er verstärkt Veranstaltungen für Firmengruppen bieten und plant dazu ein eigenes Hotel. Laut offiziellen Zahlen lockt die gewaltige Bade- und Gastro-Halle in Brandenburg werktags etwa 3000 Gäste an - jetzt im Sommer sogar eher weniger.

Von , Brand


Brand - "Wir bleiben im Firmenkundengeschäft am Ball, um da die Umsatzzahlen zu erhöhen", sagte die Marketing-Chefin von Tropical Islands, Antje Pflug, im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Derzeit erziele das Unternehmen aus Brand in der Niederlausitz weniger als zehn Prozent seiner Erlöse in diesem Segment. "Das darf sich gerne verdoppeln", so Pflug.

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Szenen eines "Tropen"-Nachmittags: Enge im Whirlpool, Leere an den Bars

Sie setzt darauf, dass künftig mehr Großunternehmen Teile der 107 Meter hohen Tropenhalle oder davor liegende Hangars für Partys und Tagungen buchen. "Wir arbeiten im Moment schon an großen Events für 2005 und das Jahr darauf." Nach ihren Worten finden derzeit pro Woche vier bis zehn Firmenveranstaltungen bei Tropical Islands statt, meist aber für kleinere Unternehmen.

Mit der Großkunden-Offensive versuchen die Betreiber der künstlichen Tropenwelt, weitere Einnahmequellen jenseits des Ticketverkaufs an Touristen und Badegäste zu erschließen. Der Hintergrund: Angesichts der aktuellen Besucherzahlen scheint fraglich, ob Tropical Islands in diesem Jahr wie angekündigt Gewinne erzielen kann. Im Geschäftsquartal bis Ende April hat der malaysische Mutterkonzern Tanjong für Tropical Islands jedenfalls einen Verlust von 16 Millionen Ringgit ausgewiesen - das sind etwa 3,5 Millionen Euro.

"Im Schnitt etwas weniger"

Offiziell heißt es in Brand zwar, man sei mit dem Gästeaufkommen ein halbes Jahr nach Eröffnung "zufrieden". Wochentags kommen laut Firmensprecherin Kathrin Schaffner "rund 3000 Gäste" in die frühere CargoLifter-Halle, am Wochenende seien es 6000 bis 7000 täglich. Sie räumt aber ein: "Jetzt im Sommer sind es im Schnitt etwas weniger."

Auffällig ist zudem: Noch im Mai hatte Colin Au, der malaysisch-chinesische Initiator des Projektes, etwas höhere Besucherzahlen genannt - so sprach er von täglich bis zu 8000 Gästen an Wochenenden. Damit keine Verluste anfallen, benötigt Tropical Islands nach eigenen Angaben 1,5 Millionen Besucher im Jahr, also gut 4100 pro Tag.

Hoffen auf den TUI-Effekt

Investor Au vor der Halle (Archivbild): Die genauen Besucherzahlen will das Unternehmen erst im Januar 2006 nennen
DDP

Investor Au vor der Halle (Archivbild): Die genauen Besucherzahlen will das Unternehmen erst im Januar 2006 nennen

Pflug gibt sich gleichwohl optimistisch: Ab der kommenden Saison sei Tropical Islands erstmals über die Kataloge von TUI, Neckermann und anderen Veranstaltern buchbar. Allein dadurch könne das Besucheraufkommen um zehn Prozent steigen. Außerdem verhandele man mit Airlines, die Berlin ansteuern, über Kooperationen beim Ticketverkauf.

Darüber, wie viel der typische Ausflügler beim Hallenbesuch ausgibt, schweigt Tropical Islands sich aus. Colin Aus ursprüngliches Konzept sieht vor, dass die Gäste, zusätzlich zum Eintritt, möglichst viel in den Konsum von Getränken und Essen investieren - ähnlich wie auf einem Kreuzfahrtschiff, das erst dank der Gastronomie profitabel arbeitet.

Pommes im Palmenland

Bei einem Besuch an einem Wochentag war aber jüngst zu beobachten, dass die Mehrheit der Besucher nach Brand kommt, um in der "Bali-Lagune" oder der "Südsee" zu baden. In den teureren Restaurants im "tropischen Dorf", wo Papageienfisch oder samoanische Gerichte serviert werden, bleiben die meisten Stühle leer.

Beim Speiseangebot seien der "American Counter" mit Fastfood und die Snacks besonders beliebt, sagt denn auch Gastronomiechef Rainer Heilen. Gleichwohl überlegt Tropical Island nach seinen Worten, im Gourmet-Bereich zu expandieren: "Es wird diskutiert, eine Sterneküche zu schaffen."

Probleme mit dem Spaßbad-Image

Man sei schon "ein kleines bisschen" überrascht davon gewesen, dass die meisten Gäste Tropical Islands vor allem als Hallenbad verstehen und die Gastronomie und der Regenwald weniger gut angenommen werden, räumt Pflug an. Sie berichtet auch von 14-Jährigen, die vor der Tür "schnell noch den Sixpack Bier leer trinken und dann nichts mehr, um Geld zu sparen", oder Eltern, die "die Stullen für die Kinder" dabei haben.

Das Unternehmen versucht, auf verschiedene Weise gegenzusteuern: Das kürzlich reformierte Preissystem soll Gäste ermutigen, länger zu bleiben. Die Werbung rückt vor allem Entertainment-Angebote wie die Tanzrevue "Ruf der Südsee" oder die Partyreihe "Tacca Beach Club" in den Mittelpunkt.

"Nicht nur den Burger"

Außerdem will sich Tropical Islands stärker als Veranstaltungsort für private Partys und Hochzeiten etablieren. "Das ist eine ideale Zielgruppe", sagt Pflug, "weil diese Leute ein bisschen mehr Geld in der Tasche haben und eher das Vier-Gänge-Menü bestellen als den Burger aus der Selbstbedienung."

Um das lukrative Geschäft mit Firmenkunden zu forcieren, sagt die Marketing-Chefin, wolle Tropical Islands im kommenden Jahr ein Hotel mit 300 bis 400 Betten in "unmittelbarer Nähe" der Halle bauen. Derzeit liegt das nächste kleinere Hotel acht Kilometer entfernt in Krausnick. Das eigene Haus werde einen "gehobenen und einen Standardbereich" bieten, so Pflug.

Auch eine "Saunalandschaft" soll dem Tropenpark Extra-Umsätze einbringen. Sie soll ebenfalls auf dem früheren Militärareal außerhalb der Halle angesiedelt werden, der Baubeginn ist für dieses Jahr anvisiert. Und auch für den Saunabesuch, kündigt Pflug an, werde man zusätzlich zum Halleneintritt einen "kleinen Aufpreis" verlangen.



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