Frühjahrsaufschwung Arbeitslosenzahl sinkt deutlich

Aufschwung am Jobmarkt: Die Zahl der Erwerbslosen ist im Mai auf 3,5 Millionen gesunken, die Arbeitslosenquote ging auf 8,2 Prozent zurück. Die deutliche Verbesserung beruht allerdings zum Teil auf einer Statistikänderung - Experten warnen vor verfrühten Hoffnungen auf eine Trendwende.


Nürnberg - Der Frühjahrsaufschwung kommt spät, ist nicht so stark wie in den vergangenen Jahren - angesichts des schärfsten Konjunktureinbruchs seit Kriegsende ist er aber immer noch erstaunlich gut: Die Zahl der Arbeitslosen ist im Mai deutlich gesunken.

Arbeitsagentur in Leipzig: Keine Trendwende trotz Frühjahrsaufschwung
DDP

Arbeitsagentur in Leipzig: Keine Trendwende trotz Frühjahrsaufschwung

Wie die Bundesagentur für Arbeit am Donnerstag in Nürnberg mitteilte, waren 3,458 Millionen Menschen offiziell arbeitslos gemeldet. Das seien 127.000 weniger als im April und 175.000 mehr als im Vorjahresmonat. Die Arbeitslosenquote sei damit im Vergleich zum Vormonat um 0,4 Prozentpunkte auf 8,2 Prozent im Mai zurückgegangen.

Die Frühjahrsbelebung bringe einen deutlichen Rückgang der Arbeitslosigkeit, sagte BA-Chef Frank-Jürgen Weise zu den Mai-Zahlen. Dies sei allerdings "keine Trendwende". Besonders für Langzeitarbeitslose sieht es nach BA-Einschätzung düster aus. "Es wäre falsch, zu früh Entwarnung zu geben", sagte auch BA-Vorstandsmitglied Heinrich Alt der "Frankfurter Rundschau". "Selbst wenn sich die Konjunktur zu erholen beginnt, müssen wir noch bis weit in das Jahr 2010 hinein mit steigenden Arbeitslosenzahlen rechnen."

Zudem ist der Rückgang der Erwerbslosenquote nicht ganz so stark wie es den Anschein hat: Eine zum Jahresbeginn in Kraft getretene Statistikänderung hat die offizielle Arbeitslosenzahl erheblich gedrückt. Das räumte die Bundesagentur für Arbeit am Donnerstag in Nürnberg ein.

Tatsächlich seien im Mai 3,47 Millionen Menschen statt der offiziell genannten 3,458 Millionen arbeitslos gewesen, sagte eine Sprecherin. Der Rückgang würde sich nach der alten Zählweise lediglich auf rund 100.000 belaufen. Die Bundesregierung hatte sich darauf verständigt, Jobsucher, die von privaten Vermittlern betreut werden, in Zukunft nicht mehr als arbeitslos einzustufen. Dies war von Sozialverbänden heftig als Verzerrung der Statistik kritisiert worden.

Kurzarbeit allein reicht nicht mehr

BA-Vorstand Alt fürchtet, dass sich die Lage am Jobmarkt bald drastisch verschlimmert. Er befürchtet, dass die Kurzarbeit allein nicht mehr für die Beschäftigungssicherung ausreicht. Tatsächlich stößt diese Maßnahme allmählich an ihre grenzen: Laut BA haben 1,1 Millionen Menschen im März Kurzarbeitergeld bezogen. Im Schnitt sei ihre Arbeitszeit um 22,5 Prozent verringert gewesen. Weise rechnet damit, dass sich die Zahl der Kurzarbeiter in den kommenden Monaten auf diesem Niveau stabilisieren werde. Im Mai haben nach ersten Hochrechnungen der BA knapp 14.000 Betriebe für 270.000 bis 290.000 Männer und Frauen Kurzarbeit angemeldet. Noch im Monat davor waren es rund 460.000 gewesen.

Laut Alt müssen daher bald weitere Maßnahmen her. "Mit dem Verlauf der Krise und den erwarteten steigenden Arbeitslosenzahlen werden wir auch über die Ausweitung anderer Instrumente nachdenken", sagte er der "Berliner Zeitung". Bereits vor der Sommerpause würden die Betriebe mit Kurzarbeit prüfen, ob sie die Maßnahme fortführen. Wer sich dies nicht leisten könne, werde über Entlassungen nachdenken.

Dann seien Transfergesellschaften ein Weg, die Entlassungen "möglichst arbeitnehmerfreundliche zu gestalten", sagte Alt. Diese könnten über Qualifizierungen, Kontaktvermittlungen und Bewerbungshilfen einen Übergang auf einen neuen Arbeitplatz ermöglichen. Alt sprach sich dafür aus, Facharbeiter berufsbezogen weiterzubilden. Qualifizierung heiße nicht, dass etwa "alle Metallarbeiter zu Altenpflegern umgeschult werden, weil es dort gerade Bedarf gibt". Für junge Menschen ohne eine Berufausbildung forderte der Bundesagentur-Vorstand, "ihnen jetzt in der Flaute eine zweite Chance auf eine Ausbildung zu geben".

ssu/AFP/dpa/Reuters



© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.